Urteil in Untreue-Prozess

1,3 Millionen Euro weg: 42 Monate Haft für Ex-Nachlassverwalter

Göttingen. Das Landgericht Göttingen hat am Mittwoch einen früheren Rechtspfleger aus Göttingen wegen Untreue in 163 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt.

Die Wirtschaftsstrafkammer sah es als erwiesen an, dass der 49-jährige Angeklagte als amtlich bestellter Nachlasspfleger knapp 1,3 Millionen Euro aus der Erbmasse von Verstorbenen für sich abgezweigt und verwendet hatte. Das Gericht hielt dem Angeklagten zugute, dass er sich vor drei Jahren selbst angezeigt und ein umfassendes Geständnis abgelegt hatte.

Der Angeklagte war Geschäftsführer eines Dienstleistungsunternehmens, das mit der Begleitung von Insolvenzverfahren, Zwangsverwaltungen und Pflegschaften befasst war. Die angeklagten Fälle betrafen sogenannte Nachlasspflegschaften für zehn Verstorbene aus den Amtsgerichtsbezirken Hann. Münden, Osterode, Herzberg, Duderstadt, Salzgitter und Hofgeismar, für die er als Nachlasspfleger bestellt war. Amtsgerichte setzen immer dann einen Nachlasspfleger ein, wenn unklar ist, ob und welche Erben ein Verstorbener hat. Der Nachlasspfleger ist dann der gesetzliche Vertreter der unbekannten Erben. Er hat die Aufgabe, die Erben zu ermitteln und die Nachlassangelegenheit abzuwickeln.

Einige Verstorbene hatten sechsstellige Vermögensbeträge hinterlassen, in einem Fall waren es mehr als 800 000 Euro. Nach den Feststellungen des Gerichts hatte der Angeklagte einen Großteil dieser Gelder zunächst auf ein allgemeines Fremdgeldverwahrkonto transferiert. Von dort habe er dann immer wieder unberechtigte Überweisungen auf eigene Konten sowie bar-Abhebungen vorgenommen, in einigen Fällen habe er Beträge aus den Nachlässen auch direkt auf sein Geschäftskonto überwiesen.

Ein Gutachter hatte dem Angeklagten eine pathologische Spielsucht attestiert. Das Gericht glaubte dem 49-Jährigen, dass das veruntreute Geld in Spielbanken, Casinos und bei Anbietern von Internet-Spielen gelandet ist.

Schlussstrich

Der Nachlassverwalter hatte schließlich nach knapp dreieinhalb Jahren einen Schlussstrich unter sein illegales Treiben gezogen und sich selbst angezeigt. Daraufhin war er von allen Aufgaben entpflichtet worden. Die Amtsgerichte überprüften sämtliche Nachlassverfahren, die er in den Vorjahren betreut hatte. Die Selbstanzeige sei „wirklich bemerkenswert“ und verdiene großen Respekt, sagte der Vorsitzende Richter.

Mit seinem Urteil bewegte sich das Gericht am unteren Ende des Strafrahmens, auf den sich die Prozessbeteiligten zu Beginn der Verhandlung für den Fall eines Geständnisses verständigt hatten. Die Staatsanwaltschaft plädierte auf eine geringfügig höhere Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten, die Verteidigung auf eine Strafe unterhalb von dreieinhalb Jahren.

Rubriklistenbild: © Hubert Jelinek/dpa

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