15-jährige Flora erhält Zivilcouragepreis

Zivilcourage: Die Preisträger wurden bei einer Feierstunde im Alten Rathaus ausgezeichnet. Der Hauptpreis ging an Flora Busche (rechts) aus Lenglern für ihren Einsatz bei einem Hausbrand. Foto: Brüßler

Göttingen. Für ihren selbstlosen Einsatz zeichnete die Bürgerstiftung Göttingen am Mittwoch zehn Helfer mit dem Göttinger Zivilcouragepreis aus. Den Hauptpreis erhielt die 15-jährige Flora Busche aus Lenglern für ihren Einsatz bei einem Hausbrand.

„Je weniger Menschen anwesend sind, desto größer ist die Chance, dass Opfern geholfen wird“, sagte Prof. Dr. Margarete Boos von der Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität Göttingen. Sie richtete einen Appell an die Zuhörer, die zur Verleihung des Göttinger Zivilcouragepreises ins Alte Rathaus gekommen waren.

Einsatz zählt

Stadt-Dezernent Siegfried Lieske betonte, dass sich alle 15 vorgeschlagenen Göttinger für das Wohl anderer eingesetzt hatten. Es seien nicht immer Heldentaten, sondern oft kleine Alltagsdinge, die Zivilcourage zur einer Aufgabe für alle werden lasse, so Lieske.

Den Hauptpreis bekam die Jüngste der zehn Preisträger. Die 15-jährige Flora Busche, Schülerin der IGS Geismar, ergriff bei einem nächtlichen Hausbrand die Initiative: Als ein Sicherungskasten im Hausflur eines Mehrfamilienhauses brannte, informierte sie alle Bewohner und half ihnen auf die Straße. Dann lief sie wieder in das Haus, um einen Feuerlöscher zu suchen – vergeblich. Mit einer Rauchvergiftung wurde sie im Krankenhaus behandelt.

„Ich habe überhaupt nicht erwartet, dass ich für den Preis nominiert wurde und auch jetzt begreife ich das noch nicht richtig. Die 1000 Euro Preisgeld werde ich für mein Auslandsjahr und den Führerschein sparen“, sagte Flora.

Der zweite Hauptpreis ging an Halida Ismer, die einer sechsköpfigen bosnischen Familie half, Asyl zu beantragen. Sie ließ die Familie bei sich übernachten. Die 35-Jährige kam selbst vor 17 Jahren aus Bosnien nach Deutschland.

Ein weiterer Hauptpreis ging an Gemeindepfarrer Peter Lahmann, der Flüchtlingen Kirchenasyl gewährte und damit eine Abschiebung verhinderte. „Ich nehme den Preis stellvertretend für alle Bürger entgegen, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Ohne diese Menschen wäre das nicht möglich“, sagte der Lahmann. Zugleich nutzte er die Chance der Öffentlichkeit und rief die Stadt Göttingen auf, ihn beim Aufbau eines Asylcafés zu unterstützen.

Ausgezeichnet wurden außerdem die 16-jährige Tabea Messerscheid, der Polizeibeamte Thomas Becker, Michael Eisenberg, Joachim Usebach, Dr. Bruno Schella, Ju-Jutsu Kindertrainer beim MTV Grone sowie Christian Schneider und Barbara Ahlrichs. (zli)

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