150 Jahre Forstwissenschaften in Hann. Münden und Göttingen

Als die Forstwirte von Münden nach Göttingen umzogen

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Gut gelaunt in die Prüfung: Scheinbar wenig zu befürchten hatten diese Studenten der Forstakademie Hann. Münden, als sie sich 1928 auf den Weg zum Diplomexamen machen. Foto-Quelle: Universitätsverlag Göttingen/nh

Göttingen. Die Forstwissenschaftliche Fakultät feierte ihr 150 jährige Bestehen. Ohne den Standort und Vorgänger in Hann.Münden, die Forstakademie, gäbe es sie aber nicht.

Es war ein blutiges Ereignis, dass den Anschub für die Gründung der Forstakademie Hannoversch Münden gab: der „Deutsche Krieg“, den Preußen samt Verbündeter gegen den Deutschen Bund 1866 führte und für sich entschied. Beute waren auch enorme Waldflächen, etwa 1,25 Millionen Hektar. 

Es brauchte neben der bestehenden Forstlehranstalt Eberswalde folglich eine zweite. Zur Auswahl standen neun Standorte in Niedersachsen und Hessen. Die Wahl fiel auf Hann. Münden, auch dank des Leiters der hannoverschen Forstverwaltung Heinrich Christian Burckhardt. Einweihung war am 27. April 1868. Die Stadt Münden gab übrigens damals 15 000 Thaler für den Bau, der 69 000 Thaler kostete und 1872 fertig und 1973/74 abgerissen wurde.

Forstwissenschaften der Universität Göttingen: Das 1872 fertiggestellte Gebäude der ehemaligen Forstakademie in Hann. Münden.

Fest in der Alten Mensa

Gut 150 Jahre nach der Gründung, also am vergangenen Freitag, 28. Mai, wurde das Jubiläum gefeiert – standesgemäß in der prächtigen Aula der Uni Göttingen am Wilhelmsplatz. Aber durchaus bodenständig, denn während der Feierstunde erhielten die Absolventen von Dekan Prof. Dr. Achim Dohrenbusch ihre Abschlussurkunden und mit Prof. Dr. Ernst-Detlef Schulze, ein Alumnus der Uni Göttingen und Gründungsdirektor des Max-Planck-Institutes für Biogeochemie in Jena, erhielt ein maßgeblicher Öko-System-Forscher die Ehrendoktorwürde der Uni Göttingen.

Die Forstakademie Münden, die 1923 zur forstlichen Hochschule geworden und stets bemüht war, die Studierenden am Ort zu halten, existierte bis ins Kriegsjahr 1939, dann ging sie 1939 als eigene Fakultät in die Georg-August-Universität über. Julius Oelkers kämpfte weiter um die Eigenständigkeit der Mündener, musste aber hinnehmen, dass auch in diesem Fall das „nationalistische Führerprinzip“ griff und binnen kurzer Zeit machtvoll umgesetzt wurde, wie es in dem Buch „Die Forstliche Fakultät der Universität Göttingen im Nationalsozialismus“ von Peter-Michael Steinsiek heißt. Nur so viel: Oelkers wollte auch nach Kriegsende nicht klein beigeben.

Willkürakte gegen Juden

So ist die Geschichte der Akademie und Forstakademischen Hochschule auch eine typisch deutsche Geschichte, denn bereits in den 20er-Jahren hatte es, wie im Buch beschrieben, antisemitische Willkürakte und eine spätere Nazifizierung dort gegeben. Auch weigerten sich Hochschullehrer nach 1945, ihren Anteil an der Kapitulation der Wissenschaft vor dem Nazi-Unrecht einzugestehen.

Neuer Alt-Bau: Dieser Gebäude gehört zu dem in den 70er-Jahren auf dem jetztigen Nord-Campus gebauten Komplex der Forstwissenschaften am Büsgenweg.  

Überhaupt hätten sich die Professoren der Forsthochschule abgesondert, von „Lagerbildung“ ist die Rede in Quellen.

Interessant: Auch an der Forstfakultät gab es schon Aufnahmebeschränkungen: So wurde ein Zeit lang über Bedarf ausgebildet: 1883 studierten 120 Forststudenten, 1891 gerade einmal 14. Später wieder mehr. Folglich wurde auch früh über eine Schließung gesprochen. Nach dem Ersten Weltkrieg aber boomte die Fakultät: 211 Studenten.

Umzug 1970

Doch die Mündener waren oft unzufrieden, gerade der Vergleich mit der erwähnten, bessergestellten Hochschule Eberswalde führte zu Unmut. Allerdings gab es während der Nazi-Zeit wieder mehr Geld.

1970 zog die Fakultät der Uni Göttingen aus Hann. Münden an den Büsgenweg in Göttingen um. Die damals neuen Gebäude eröffneten praktisch die Entwicklung am heute boomenden Nord-Campus. (tko)

Mehr Infos: www.uni-goettingen.de und www.univerlag.uni-goettingen.de

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