24-Jähriger vergewaltigte Rentnerin: Opfer beeindruckt Richter

Göttingen. Ein 24-jähriger Einbrecher hat in Bad Lauterberg eine 80-Jährige überfallen und vergewaltigt. Heute schilderte die Frau vor dem Göttinger Landgericht ihr Martyrium.

"Ich hab noch nie Angst gehabt. Ich hab auch keine Angst jetzt.“ Die 80-jährige Rentnerin aus Bad Lauterberg, die am Dienstag vor dem Landgericht Göttingen als Zeugin aussagte, hat Furchtbares erlebt. Anfang Mai ist ein junger Mann frühmorgens in ihre Wohnung eingedrungen, hat sie zu Boden gestoßen, bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und vergewaltigt und ihre Wohnung durchsucht. Fast eine Stunde lang schilderte die 80-Jährige, was damals passiert ist. Nicht nur die Richter waren von ihrer Beherztheit beeindruckt: „Sie sind eine taffe Frau“, sagte der Vorsitzende Richter August-Wilhelm Marahrens zum Abschluss ihrer Zeugenvernehmung.

Der Mann, der sie überfallen und misshandelt hat, soll ein vielfach vorbestrafter 24-jähriger Mann aus Herzberg gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft hat ihn unter anderem wegen Vergewaltigung, versuchten Raubes und diverser weiterer Einbrüche angeklagt. Er hatte am ersten Verhandlungstag die Taten weitgehend gestanden.

Die 80-Jährige, die seit ihrem 34. Lebensjahr an Multipler Sklerose (MS) leidet und im Rollstuhl in den Gerichtssaal kam, hatte in der Tatnacht ein verdächtiges Knarren gehört. Sie habe hinter der Glastür zum Flur einen Schatten gesehen, berichtete sie. Sie sei dann mit dem Telefon in der Hand zur Tür gegangen und habe gesagt: „Was wollen Sie? Ich rufe die Polizei.“ Unmittelbar danach habe sie einen so heftigen Schlag erhalten, dass sie bäuchlings zu Boden gefallen sei. Der maskierte Mann habe sich auf ihren Rücken gesetzt und sie so stark gewürgt, dass ihr das Blut aus den Augen gelaufen sei. „Ich habe gedacht, noch ein Druck an die Ader, dann bist du tot.“ Je mehr sie geschrien habe, desto mehr habe er sie gewürgt.

Am Boden liegend habe sie gesehen, dass der Mann das Schlaf- und das Wohnzimmer durchsucht habe. „Was suchen Sie denn?“, habe sie gefragt. „Geld und Schmuck“, habe er gesagt. Der Mann habe ihr Portemonnaie und mehrere hundert Euro mitgenommen. Als er das Haus verlassen wollte, habe sie ihn aufgefordert: „Helfen Sie mir wenigstens hoch.“ Bevor er durch den Keller verschwunden sei, habe er sie auf einen Stuhl gesetzt und ihr gesagt: „Rufen Sie den Notarzt.“ Dies sei aber nicht möglich gewesen, weil er das Kabel durchtrennt habe. Sie habe dann draußen einen Nachbarn verständigt, der gerade von der Nachtschicht kam.

Vier Tage im Krankenhaus

Die 80-Jährige kam zunächst für vier Tage in ein Krankenhaus und anschließend noch vier Wochen in ein Pflegeheim, wo sie eine weitere unschöne Erfahrung machte: „Ich musste 966 Euro dazuzahlen“, berichtete sie.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © Archivfoto: Schlegel

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