27-Jähriger in Göttingen vor Gericht

Mutter enthauptet - Öffentlichkeit vom Prozess ausgeschlossen

Spurensicherung im Einsatz: Die 48-jährige Tote war in einem Göttinger Mehrfamilienhaus in der Nordstadt gefunden worden. Foto: dpa

Göttingen. Im Prozess gegen einen 27-Jährigen, der seine Mutter enthauptet haben soll, hat das Landgericht Göttingen am Montag die Öffentlichkeit ausgeschlossen. 

Der Vorsitzende Richter begründete dies nach Verlesung der Anklage zum einen damit, dass der zur Tatzeit vermutlich schuldunfähige Angeklagte in der Psychiatrie untergebracht werden soll. Zum anderen würden schutzwürdige Interessen der Familie berührt. Der Ehemann der Getöteten und Vater des Angeklagten tritt als Nebenkläger auf.

Auf den Tag genau sechs Monate nach einer grausigen Bluttat in Göttingen hatte am Montag vor dem Landgericht Göttingen der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 27-jährigen Mann Totschlag vor.

Er soll im November vergangenen Jahres seine 48 Jahre alte Mutter mit einem Fleischermesser niedergestochen und anschließend enthauptet haben. Laut einem psychiatrischen Gutachten soll der Angeschuldigte zur Tatzeit an einer akuten Schizophrenie gelitten haben, so dass seine Schuldfähigkeit erheblich eingeschränkt war. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 27-Jährige aufgrund seiner psychischen Erkrankung für die Allgemeinheit gefährlich ist. Sie will deshalb erreichen, dass er dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht wird.

Zu Beginn des Prozesses stellte der Verteidiger den Antrag, die Öffentlichkeit von der Verhandlung auszuschließen. Er begründete dies unter anderem damit, dass in dem Prozess innerfamiliäre Vorgänge zur Sprache kämen, die für die Angehörigen und Zeugen sehr belastend seien. Der Anwalt des Vaters des Angeklagten, der in dem Prozess als Nebenkläger auftritt, schloss sich dem Antrag an. Die Kammer entschied, die Öffentlichkeit erst nach Verlesung der Anklage auszuschließen, weil aufgrund der besonderen Tatumstände ein Interesse an Informationen über den Fall bestehe.

Laut Anklage ereignete sich die Tat am frühen Nachmittag. Nachdem der Vater die gemeinsame Wohnung verlassen hatte, soll der 27-Jährige in der Küche ein 37 Zentimeter langes Fleischermesser an sich genommen und anschließend im Wohnzimmer mehrfach auf seine Mutter eingestochen haben. Die 48-Jährige erlitt schwere Verletzungen im Brustbereich, ein Stich ging durch den Herzbeutel hindurch. Der Angeschuldigte habe den Tod seiner Mutter billigend in Kauf genommen und ihr dann in der Sterbephase den Kopf vom Rumpf abgetrennt, sagte der Staatsanwalt.

Artikel aktualisiert um 11.20 Uhr

Als einige Stunden später der Vater in die Wohnung zurückkehrte, fand er die enthauptete Leiche seiner Frau. Nachbarn alarmierten die Rettungsdienste und die Polizei, die sofort eine Fahndung einleitete. Noch am gleichen Tag nahmen Beamte den 27-Jährigen in Göttingen fest. Er ist seitdem im Maßregelvollzugszentrum für psychisch kranke Straftäter in Moringen untergebracht. Sein Verteidiger kündigte an, dass sein Mandant nur Angaben zu seiner Person, aber keine Angaben zur Sache machen werde.

Der Prozess wird Anfang Juni fortgesetzt. Zur Urteilsverkündung will das Gericht die Öffentlichkeit wieder zulassen.

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