Mit Scheinverträgen zur Provision

340.000 Euro Schaden: Trio wegen Bandenbetrugs angeklagt

Drei Männer sind wegen bandesmäßigen Betruges vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgericht Göttingen angeklagt.
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Drei Männer sind wegen bandesmäßigen Betruges vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgericht Göttingen angeklagt.

Wegen einer großangelegten Betrugsserie hat die Staatsanwaltschaft Göttingen jetzt drei 36 bis 47 Jahre alte Männer vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Göttingen angeklagt.

Göttingen – Die Abteilung für Wirtschafts- und Umweltstrafsachen wirft den drei Göttingern gewerbsmäßigen Bandenbetrug vor. Sie sollen in großem Stil unrechtmäßig Provisionen kassiert haben, indem sie andere Personen gegen ein geringes Entgelt dafür anwarben, zum Schein Versicherungsverträge abzuschließen. Tatsächlich waren diese Personen gar nicht willens und teilweise finanziell auch gar nicht in der Lage, die Beiträge zu bezahlen. Insgesamt sei durch die „Fake“-Verträge ein Schaden von 340.000 Euro entstanden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Hauptakteur und Drahtzieher der lukrativen Betrugsmasche soll ein bereits einschlägig vorbestrafter 47-jähriger Mann aus Göttingen sein. Dieser sitzt seit Anfang Juli aufgrund eines Haftbefehls des Amtsgerichts Göttingen in Untersuchungshaft. Laut Anklage soll er in insgesamt 99 Fällen Versicherungen in Göttingen und Braunschweig betrogen haben. In 21 Fällen habe er die Betrügereien gemeinsam mit einem mitangeklagten 36-Jährigen und in weiteren zehn Fällen mit einem mitangeklagten 43-Jährigen begangen. Da somit drei Personen beteiligt waren, lautet die Anklage nicht nur auf gewerbsmäßigen, sondern auch auf bandenmäßigen Betrug.

Den finanziellen Schaden hatten nicht die Versicherungen, sondern einzelne Versicherungsmakler. Der 47-Jährige habe selbst kein eigenes Büro gehabt, sondern sich als so genannter Tippgeber betätigt, sagte der Sprecher der Strafverfolgungsbehörde, Mohamed Bou Sleiman.

Insgesamt soll der 47-jährige Hauptbeschuldigte zwischen September 2017 und Mai 2020 laut Anklage 263 „Fake“-Anträge eingereicht haben. Die Makler erhielten für diese neu abgeschlossenen Verträge dann eine Provision, von der sie einen Teil einbehielten und bis zu 80 Prozent an den vermeintlichen Tippgeber weiterleiteten. Später kam dann das böse Erwachen: Sobald die Provisionen ausgezahlt waren, wurden die Verträge gekündigt – entweder von den Scheinversicherungsnehmern oder von der Versicherung, weil die Beiträge nicht gezahlt worden waren. Da die Makler für die Provisionszahlungen hafteten, musste sie diese in voller Höhe wieder zurückzahlen. Mindestens ein Versicherungsvermittler sei dadurch so in finanzielle Schwierigkeiten geraten, dass er Insolvenz anmelden musste, sagte Bou Sleiman.

Um noch mehr Geld ergaunern zu können, sollen dann die beiden anderen Angeschuldigten mit ins Spiel gekommen sein. Diese hätten für eine Versicherung als selbstständige Vermittler gearbeitet, um auf diese Weise gemeinsam mit dem Hauptbeschuldigten nicht nur 80, sondern die vollen 100 Prozent der Provisionszahlungen kassieren zu können.(Heidi Niemann)

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