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3500 Flüchtlinge aus der Ukraine fanden neue Heimat in Region Göttingen

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Von: Bernd Schlegel

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Haben die Schicksale Geflüchteter aus der Ukraine und ihr Einleben in der Region im Blick: (von links) Sozialdezernentin Anja Krause, Sozialamtsleiter Wilhelm Kohlrautz, Christina Hammer (Leiterin des Büros für Integration), Dagmar Weinrich vom Sozialamt sowie Indira Khalikova und Dana Gaef vom Migrationszentrum der Diakonie.
Haben die Schicksale Geflüchteter aus der Ukraine und ihr Einleben in der Region im Blick: (von links) Sozialdezernentin Anja Krause, Sozialamtsleiter Wilhelm Kohlrautz, Christina Hammer (Leiterin des Büros für Integration), Dagmar Weinrich vom Sozialamt sowie Indira Khalikova und Dana Gaef vom Migrationszentrum der Diakonie. © Bernd Schlegel

Mehr als 3500 Geflüchtete aus der Ukraine wurden seit Beginn des Krieges in Stadt und Landkreis Göttingen offiziell registriert. Die Betroffenen benötigen weiterhin Unterstützung.

Vor fünfeinhalb Monaten begann der Krieg in der Ukraine. Seitdem wurden mehr als 3500 Geflüchtete aus dem Land in Stadt und Landkreis Göttingen aufgenommen.

2242 Geflüchtete wurden in den Städten und Gemeinden im Kreisgebiet offiziell registriert, 1318 in der Uni-Stadt. Es sind überwiegend Frauen mit Kindern sowie Seniorinnen und Senioren. Das geht aus einer aktuellen Bilanz hervor, die in dieser Woche vorgestellt wird. Einige der Betroffenen sind inzwischen wieder in das osteuropäische Land zurückgekehrt, etwa 300 aus dem Kreisgebiet und gut 100 aus der Uni-Stadt.

Geflüchtete aus der Ukraine in der Region Göttingen: Hilfe in kürzester Zeit

Anja Krause, Göttinger Sozialdezernentin, spricht mit Blick auf die bisherigen Schritte des Ankommens von einem Erfolg und einer „warmen Willkommenskultur“ in der Region. Innerhalb kürzester Zeit sei den Betroffenen geholfen worden. Dazu gab es in der Stadt Göttingen ein besonderes Verfahren. So existierte über mehrere Monate im Foyer des Neuen Rathauses ein Ankunftszentrum, in dem alle notwendigen Schritte ohne Voranmeldung und innerhalb kürzester Zeit erledigt wurden, weil alle Abteilungen der Verwaltung eng zusammengearbeitet haben.

So wurden die ausländerrechtlichen Fragen, finanzielle Unterstützung, Unterbringung und Impfungen gleich vor Ort geklärt. Selbst die Einrichtung eines Kontos, um notwendige Zahlungen abwickeln zu können, war mit Unterstützung der Sparkasse noch im Foyer möglich. Flankierend konnten die Geflüchteten kostenlos die Stadtbusse nutzen und wurden vom Migrationszentrum der Diakonie insbesondere bei Sprachproblemen unterstützt.

Geflüchtete aus der Ukraine in der Region Göttingen: Formulare wurden übersetzt

Um das Ausfüllen der Formulare zu erleichtern, wurden diese kurzerhand übersetzt. Zeitweise wurden so bis zu 80 Neuankömmlinge innerhalb eines Tages im Neuen Rathaus registriert. Aus Sicht von Sozialdezernentin Krause ist diese Vorgehensweise eine Blaupause für mögliche künftige Fälle dieser Art.

Etwas schwieriger gestaltete sich die Registrierung zum Teil in den Kommunen im Kreisgebiet, weil es dieses Verfahren dort so nicht gab.

Geflüchtete aus der Ukraine in der Region Göttingen: Knapper Wohnraum

Viele Geflüchtete aus der Ukraine haben weiterhin ein großes Problem, das viele der Betroffenen drückt. Sie haben bis heute keine eigene Wohnung gefunden. Allein in Göttingen müssen noch etwa 150 Ukrainer in Unterkünften der Kommune leben.

Auf den dringenden Wohnraumbedarf machte das Göttinger Sozialamt in dieser Woche aufmerksam. Nach Angaben von Sozialamtsleiter Wilhelm Kohlrautz sei es wichtig, dass die Unterstützung durch die Bevölkerung jetzt weitergeht. In der Anfangszeit habe es viele Angebote von Vermietern gegeben, für die er dankte, aber der Bedarf bestehe weiterhin. Besonders günstiger Wohnraum sei gefragt.

Geflüchtete aus der Ukraine in der Region Göttingen: Migrationszentrum ist wichtige Stütze

Eine wichtige Stütze bei der Bewältigung der vielen Schritte des Ankommens für die Geflüchteten ist das Göttinger Migrationszentrum der Diakonie. Am Anfang waren besonders die niedrigschwelligen Informationsangebote gefragt. So gab es gut besuchte Veranstaltungen für die Betroffenen sowie für ehrenamtliche Helfer und Unterstützer, berichteten Indira Khalikova vom Projekt „Sei willkommen“ und Dana Gaef, Leiter des Migrationszentrums. Die Angebote fanden einen so großen Anklang in der Region, dass sie beispielsweise auch von Teilnehmern aus Einbeck und Holzminden genutzt wurden, da alle wichtigen und relevanten Sachverhalte kompakt dargestellt wurden. Inzwischen steht die Einzelberatung wieder mehr im Fokus, die ebenfalls wichtig ist. Außerdem werden beim Migrationszentrum immer wieder Dolmetscher angefragt. Mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingsarbeit habe man viel aus den Ereignissen im Jahr 2015/16 gelernt. Vorteilhaft ist, dass zahlreiche Haupt- und Ehrenamtliche des Migrationszentrums Russisch sprechen, was die gesamte Arbeit mit den Geflüchteten aus der Ukraine wesentlich erleichter. Außerdem hat sich ein positiver Nebeneffekt eingestellt: Durch die intensive Arbeit hat das Migrationszentrum, das seit einiger Zeit im neuen Forum Kirche und Diakonie arbeitet, etwa 100 neue Ehrenamtliche gewonnen.

Während der vergangenen Monate hat sich das Migrationszentrum zudem um gut 20 Geflüchtete aus Drittstaaten (zum Beispiel aus Nord- und Westafrika) gekümmert, die zuvor in der Ukraine studiert haben – unter anderem Medizin. Für einige von ihnen konnte inzwischen eine Perspektive in Göttingen gefunden werden.

Geflüchtete aus der Ukraine in der Region Göttingen: Thema Bleibeperspektive

Verantwortliche von Stadt und Migrationszentrum haben zudem folgenden Eindruck von der Zukunftsperspektive der Ukraine-Geftüchteten: Je länger der Krieg dort dauert, desto mehr von ihnen wollen in Deutschland bleiben.

Kontakt: Migrationszentrum für Stadt und Landkreis Göttingen, Neustadt 18, 37073 Göttingen, Tel. 05 51/38 90 51 50, E-Mail: migrationszentrum.goettingen@evlka.de Weitere Infos gibt es hier. (Bernd Schlegel)

Hintergrund: Eingeschränkter Schutzstatus

Bei den ersten Schritten der Geflüchteten aus der Ukraine in Deutschland hilft ein spezieller Status, den diese Gruppe bekommt. Sie erhalten einen „eingeschränkten Schutzstatus“ und können zunächst für zwei Jahre in der Europäischen Union bleiben. Außerdem haben sie sofort die Möglichkeit, arbeiten zu gehen. Nach Registrierung bekommen sie seit Anfang Juni auch Sozialleistungen samt Krankenversicherung. Weiterhin stehen ihnen Integrations- und Sprachkurse zu. (bsc)

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