Polizei und Land verstärken Prävention

40 Prozent der Einbrüche scheitern: Verbrechen im Versuchsstadium

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Einbruch mit einem Kuhfuß: In der dunklen Jahreszeit mehren sich diese Delikte. Schon einfache Sicherheitsvorkehrungen können die Einbrecher aber abhalten, sagen Experten. 

Hannover/Göttingen. In der dunklen Jahreszeit haben Einbrecher Hochkonjunktur. Mittlerweile bleiben – dank erhöhter Sicherheitsvorkehrungen – aber viele Taten im Versuchsstadium stecken. Innenminister Boris Pistorius (SPD) kündigt zudem weitere Zuschüsse für Einbruchsicherungen bei Neubauten an.

Der „Täter“ drückt den Kuhfuß in den Spalt zwischen Scheibe und Kunststoffrahmen, drückt, stöhnt, drückt, stöhnt. Dann schlägt er zusätzlich mit einem dicken Hammer auf die Brechstange, so fest, dass eine blutige Wunde zwischen Daumen und Zeigefinger aufreißt. Als auch das nichts nützt, donnert er den Hammer direkt gegen die Scheibe, vier, fünf, sechs Mal. Das Verbundglas splittert zwar, ein Loch entsteht aber nicht. Das Sicherheitsfenster hält stand. Das Simpel-Fenster daneben geht dagegen gleich komplett zu Bruch; vorher schon reichten zwei kurze Pressbewegungen mit einem Holzkeil, um es aus dem Rahmen zu sprengen.

„Das einzige Gesetz, das Einbrecher lieben, ist das Hebelgesetz“, erklärt Kriminalhauptkommissar Michael Fritsch trocken. Mit einem großen Schraubendreher hat er soeben blitzschnell die Beschlagtechnik des einfachen Fensters überhoben. „Das hört man nicht, wenn man im Wohnzimmer vor dem Fernseher sitzt“, warnt der Beamte, der in der Polizeidirektion Hannover für die technische Prävention zuständig ist. Er führt im niedersächsischen Innenministerium vor, wie sich mit einem überschaubaren Mehraufwand von rund 200 Euro pro Fenster ein deutliches Plus an Sicherheit herstellen lässt.

„Drei Faktoren bestimmen das Tun von Einbrechern“, berichtet Fritsch und zählt auf: „Beuteerwartung, Arbeitsaufwand, Entdeckungsrisiko.“ Wenn das illegale Eindringen zu viel Mühe mache, gäben die Gangster schneller auf. Innenminister Pistorius betont: „Jeder von uns selbst kann hier eine Menge tun.“

Mit Zuschüssen für einbruchshemmende Fenster und Türen in Neubauten will er zusätzliche Anreize schaffen. Bisher gibt es eine staatliche Förderung von bis zu 1500 Euro nur für Bestandsbauten.

Die Statistik gibt dem Ressortchef Recht: Dank verbesserter Sicherungstechnik bleiben Einbrüche vermehrt im Versuchsstadium stecken: In mittlerweile 40 Prozent der Delikte in Niedersachsen geben die Täter vorzeitig auf. Auch andere Zahlen zeigen eine erfreuliche Entwicklung.

Nachdem bereits 2017 die Wohnungseinbrüche in Niedersachsen gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent auf 13 600 gesunken waren, ist laut Pistorius im laufenden Jahr ein weiterer Rückgang von mehr als zehn Prozent zu erwarten. Dies sei auch Folge eines erhöhten Fahndungsdrucks mittels spezieller Ermittlungsgruppen und länderübergreifender Zusammenarbeit. Zudem hätten bargeldloser Zahlungsverkehr und der Preisverfall bei Elektrogeräten das Geschäftsmodell Einbruch oft unrentabel gemacht.

Dass sich viele Bürger dennoch unsicher und bedroht fühlen, kann Pistorius nachvollziehen. „Die Opfer erleben einen massiven Eingriff in ihren privaten Lebensbereich.“ Angst und Schlafstörungen seien die Folge, jeder zehnte Betroffene ziehe nach der Tat um. „Das Vertrauen, auch und gerade in den Staat, geht verloren.“ Mit einer speziellen Beratung für Einbruchsopfer will Niedersachsens Polizei diese Verunsicherung abbauen helfen.

Service: Tipps von Experten

Die Polizei begutachtet kostenlos Türen und Fenster, gibt Tipps zum Einbruchsschutz und empfiehlt zuverlässige Handwerkfirmen. Oft helfen auch einfache Mittel: „Lassen Sie Licht brennen“, rät Dirk Pejrik, Ministeriumsexperte für Kriminalitätsbekämpfung.

„Ist ein Objekt lange unbeleuchtet, schicken Sie dem Einbrecher geradezu eine Einladungskarte.“ Ein wachsames Auge von Nachbarn sei ebenfalls ratsam, aber kein Allheilmittel. „Die sind ja oft nicht da.“ Eben so wenig sollte man sich nur auf Rollläden („technisch meist unzureichend“) oder Hunde („bestechlich mit der Jagdwurst“) verlassen.

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