Erfolgreiches Projekt

4000 sahen Ausstellung der Tora-Wimpel in Göttinger Museum

Im Städtischen Museum: Von Diplom-Textil-Restauratorin Ada Hinkel aufwendig restaurierte Tora-Wimpel des Städtischen Museums Göttingen.
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Im Städtischen Museum: Von Diplom-Textil-Restauratorin Ada Hinkel aufwendig restaurierte Tora-Wimpel des Städtischen Museums Göttingen. (Archivfoto)

Mit der Ausstellung über jüdische Tora-Wimpel hat das Städtischen Museums Göttingen einen Erfolg gelandet: Fast viertausend Besucher wurden verzeichnet. 18 bestickte und bunt bemalte Tora-Wimpel waren dort bei der Ausstellung zu sehen.

Göttingen – Sie stammten aus der 28 Wimpel umfassenden Sammlung des Hauses.

Die meisten wurden erstmals öffentlich ausgestellt - zuvor konnte nur Ende des 19. Jahrhunderts eine kleine Auswahl besichtigt werden. Vor ihrer Präsentation in Göttingen wurden alle Tora-Wimpel der Sammlung zwei Jahre lang in Hamburg aufwendig restauriert.

„Wir konnten vor Ort und online insgesamt 3880 Besucherinnen und Besucher begrüßen“, freut sich Museumsleiterin Andrea Rechenberg. Die Schau mit dem Titel „Gestickte Pracht und gemalte Welt“ lief von Mitte Juli bis Mitte Oktober.„Bei diesem speziellen Thema und in der kurzen und ungünstigen Ausstellungszeit, die auch in den Sommerferien lag, ist das sehr zufriedenstellend.“ Zudem musste der Besuch im Museum in Zeiten der Corona-Pandemie stark beschränkt, wie Rechenberg schildert. So durften sich gleichzeitig nur höchstens acht Personen in den Ausstellungsräumen.

Museumschefin Rechenberg erinnerte daran, dass der Niedersächsische Landesbeauftragte gegen Antisemitismus und für den Schutz jüdischen Lebens, Franz Rainer Enste, die Ausstellung als „Leuchtturmprojekt gegen Antisemitismus in Niedersachsen“ bezeichnet habe. Im Internet ist sie weiterhin zu sehen.

Museumsleiterin: Andrea Rechenberg.

Tora-Wimpel sind Stoffbänder aus der Tradition des aschkenasischen Judentums, also der mittel-, nord- und osteuropäischen Juden. Seit dem späten Mittelalter war es üblich, zu Ehren eines neu geborenen Jungen einen Wimpel zu stiften. Die teilweise bis zu vier Meter langen Leinenstreifen wurden aus den Beschneidungswindeln eines jüdischen Jungen gefertigt und mit dem Namen des Neugeborenen und seines Vaters sowie mit Segenssprüchen und Verzierungen versehen. Beim ersten Synagogen-Besuch des Jungen umwickelte die Gemeinde die Tora-Rollen mit dem Wimpel und verwahrten diesen. Tora-Rollen sind handgeschriebene Rollen mit dem hebräischen Text der fünf Bücher Moseaus der Bibel.

Nahezu alle der in Göttingen gezeigten Wimpel konnte das Museum konkreten Personen und Familien zuordnen, die meisten von ihnen lebten im südlichen Niedersachsen. Bis auf einen späteren Zukauf kam der vorgestellte Bestand vor 1917 in das Museum, versicherte Andrea Rechenberg. Es handelt demnach nicht um „Beutekunst“. Das befreie diese Tora-Wimpel von dem Verdacht, sie könnten den jüdischen Gemeinden durch das Nazi-Regime entrissen worden sein. (Thomas Kopietz, mit epd)

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