Rapper ergaunerten Geld für Tonstudio

420.000 Euro erschwindelt: Gericht verurteilt Angeklagte zu Haftstrafen 

+
Am Waageplatz: Das Hauptgebäude der Staatsanwaltschaft Göttingen. Beamte ermittelten auch gegen Internetbetrüger.

Ein spektakulärer Fall von Internet-Betrug hat ein gerichtliches Nachspiel gefunden. Weil zwei Männer sich 420.000 Euro erschwindelt haben, hat das Landgericht Braunschweig sie zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Cybercrime-Spezialisten der Staatsanwaltschaft Göttingen und der Polizeiinspektion Braunschweig hatten im Oktober 2019 nach Ermittlungen mehrere Tatverdächtige festnehmen lassen, die mithilfe betrügerisch erlangter Daten auf Konten von Bankkunden zugegriffen und mehr als 420 000 Euro ins Ausland transferiert hatten.

Die beiden mutmaßlichen Haupttäter – ein 31-jähriger Student aus Langenhagen und ein ursprünglich aus Goslar stammender 29-jähriger Banklehrling aus Seelze – mussten sich vor dem Landgericht Braunschweig verantworten. Nach Angaben eines Justizsprechers verurteilte das Gericht den 31-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten, der 29-Jährige erhielt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Ein weiterer 29-jähriger Mitangeklagter aus Goslar bekam eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren, auf Bewährung.

Nach Ansicht des Gerichts haben sich die Angeklagten, des besonders schweren Betruges schuldig gemacht. Die Polizei hatte im Zuge ihrer Ermittlungen noch rund 160 000 Euro sichern und an die Geschädigten zurückgeben können. Das Gericht ordnete die Einziehung der restlichen Geldbeträge an. Im Falle des 31-Jährigen, der für drei Taten verurteilt wurde, sind es 265. 00 Euro, beim 29-Jährigen, der in zwei Fällen für schuldig befunden wurde, 129 000 Euro. Beim dritten Angeklagten wurde die Einziehung von 8000 Euro angeordnet, ihn stufte das Gericht als Gehilfen und nicht als Mittäter ein.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den 31-Jährigen eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten, für den 29-Jährigen eine Haftstrafe von vier Jahren und für den 29-Jährigen aus Goslar eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren gefordert. Die Verteidiger plädierten auf Bewährungsstrafen, ohne einen konkreten Antrag zu stellen.

Das Gericht hielt den 31-Jährigen für den „Kopf“ des Unternehmens. Er hatte sich mit dem ergaunerten Geld teure Geräte für ein professionelles Tonstudio im Keller seiner Wohnung in Langenhagen gekauft. Beide Hauptangeklagte sind als Rap-Musiker und hatten 2019 auch ein Musikvideo veröffentlicht. Auf einem der Videos seien 500-Euro-Scheine zu sehen gewesen, sagte der Sprecher der zuständigen Zentralstelle für Internet- und Computerkriminalität bei der Staatsanwaltschaft Göttingen, Mohamed Bou Sleiman.

Möglich wurden die Betrügereien durch einen weiteren Tatverdächtigen aus Achim, gegen den ein gesondertes Ermittlungsverfahren anhängig ist. Er soll dem 31-Jährigen die persönlichen Daten von vermögenden Bankkunden zugespielt haben..

Um den Drahtziehern auf die Spur zu kommen, hatten die Ermittler viele Telefonanschlüsse und Online-Kommunikation überwacht. 

Hintergrund: So funktionierte das „Geldumbuchen"

Um ihre Täterschaft und den Weg des betrügerisch erlangten Geldes zu verschleiern, hätten die beiden Hauptangeklagten stets im Hintergrund agiert und sich diverser Helfer bedient, sagte Ermittler Bou Sleiman. Diese hätten dann mit gefälschten Ausweisen, die im Darknet erworben wurden, verschiedene Konten eröffnet. Auf diese Konten wurden dann per Tele-Banking größere Summen von den ausgespähten Konten der vermögenden Bankkunden transferiert. Anschließend wurde das Geld auch auf Bitcoin-Konten im Ausland weitergeleitet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.