Duell um Bundesliga-Aufstieg

49.000 Fans in Hannover feierten Arminia Bielefeld 

Mit dem Ergebnis zufrieden: die Trainer André Breitenreiter (links) und Hannes Wolf nach dem Spitzenspiel in der HDI-Arena. Foto: dpa

Hannover/Göttingen. Bielefeld gibt es doch! Am Sonntag feierten die Fans beim Spiel Hannover 96 gegen VfB Stuttgart einen anderen Klub: Arminia Bielefeld. Auch der Ex-Göttinger Jan Schindelmeiser zollte der Arminia Respekt.

1:0 für Hannover 96 im Spitzenspiel gegen den VfB Stuttgart, aber sieben Mal ohrenbetäubender Torjubel in der HDI-Arena. Verantwortlich dafür waren am Sonntag abstiegsbedrohte Zweitliga-Kicker aus einer Stadt, die es laut Lästermäulern überhaupt nicht gibt: Bielefeld. Die Arminen – Ex-Tabellenvorletzter – demütigten die Ex--Zweitplatzierten Braunschweiger mit 6:0.

Nun freut die 96-Fans ein Gegentor für die Eintracht stets fast so sehr wie eines, das ihre „Roten“ erzielt haben. In der HDI-Arena aber war kein Unterschied in der Freudelautstärke zu hören. Mehr noch: Die gut 8000 mitgereisten Fans des VfB Stuttgart zogen mit: In Minute 70 brüllten 49 000 in Hannover: „Bielefeld, Bielefeld!“

Es war ein Spiel, das in zwei Stadien stattfand – zumindest, was die Ergebnisse, aber auch die taktischen Winkelzüge anging. Die Trainer Hannes Wolf (VfB) und André Breitenreiter (96) wurden in eine seltsame Situation manövriert.

„Das war gar nicht so einfach, darauf zu reagieren“, bekannte Wolff später. „Sollten wir alles wagen, oder sollten wir sicherer agieren? Das 1:0 und jedes Bielefelder Tor verbesserten ja unsere Situation.“ Der für präzise Analysen bekannte Trainer jedenfalls warf in Halbzeit zwei zusätzliche Offensivkräfte ins Spiel. Nur: Bedingungslos stürmen wollten seine Jungs nicht. Sie wussten um die Tabellenkonstellation.

Das Team von André Breitenreiter, der nach dem Jubelsturm zum 2:0 in Bielefeld seine Spieler wild mit den Armen rudernd nach vorne pushte, zog ihren nicht schönen, aber effektiven Stil durch: Defensiv im Raum gut stehend und aggressiv in den Zweikämpfen mit herausragenden Akteuren wie Marvin Bakalorz und Waldemar Anton ließen sie den Schwaben wenig Räume, und wenn doch, dann nutzten diese sie zu wenig, was auch an den schwächelnden Routiniers Christian Gentner und Alexandru Maxim lag. Und dann war da noch der gefeierte Torschütze Felix Klaus, der mit seinem Solo gegen nur mitlaufende Gegenspieler offenbarte, was 96 dem VfB voraus hatte: Einsatz, Willen. „Er hat sich für sein Engagement im Training endlich belohnt“, freute sich Breitenreiter.

So war es kein überragendes, aber intensives Fußballspiel – jedenfalls kein Ballgeschiebe im Wissen um die Wirkung dieses Resultats.

„Wenn sie wollen, können sie gratulieren, aber ich nehme Glückwünsche erst nach Ende des Spiels in Sandhausen entgegen“, stellte 96-Manager Horst Heldt klar. Auch VfB-Sportvorstand Jan Schindelmeiser war bemüht, keine Hochstimmung aufkommen zu lassen. „Es sieht nicht schlecht aus, aber die volle Konzentration gilt dem Spiel gegen Würzburg.“ Gleichzeitig zeigte sich Schindelmeister verärgert über die Leistung des Teams: "Das war zu wenig, damit bin ich gar nicht einverstanden, denn wir hätten hier und heute alles klarmachen können." Ein Punkt im letzten Saisonspiel würde nun dem VfB und ebenso 96 reichen. Diese Rechnerei aber mochte Schindelmeiser gar nicht hören: „Es gebietet sich schon aufgrund der Sportlichkeit und Achtung gegenüber den abstiegsgefährdeten Mannschaften, alles zu geben, auf Sieg zu spielen.“ Unschwer, zu erraten, wen der Ex-Göttinger meint: die Arminia aus Bielefeld, die dem VfB und den 96ern geholfen hat. Jan Schindelmeiser sagte auch: Ein solches Resultat sei auf der Alm nicht zu erwarten gewesen, die Arminia aber sei stärker als es der Tabellenplatz aussage.

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