Echte Alternative zur Uni

50 Jahre Fachhochschule: Wo die Fachkräfte von morgen lernen

Die kleine Schwester der Uni ist groß geworden. Vor 50 Jahren wurden in Flensburg, Kiel und Lübeck die ersten drei Fachhochschulen gegründet. Mittlerweile studieren mehr als eine Million Menschen an Fachhochschulen (FH) und Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HaW), wie sie heute heißen.

Die ersten Fachhochschulen in Niedersachsen wurden 1971 gegründet. Darunter auch die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim und Holzminden, die seit 1974 auch einen Standort in Göttingen hat. Mittlerweile gibt es acht staatliche Fachhochschulen in Niedersachsen (siehe Hintergrund).

Der Zustrom an FH und HaW hat sich stetig vergrößert. Mittlerweile ist jeder dritte deutsche Studierende an einer der 128 Fachhochschulen eingeschrieben. Auch an der HAWK hat die Zahl der ausgewiesenen Studienplätze ständig zugenommen. Dementsprechend nimmt die Hochschule auch ein deutlich gestiegenes Interesse wahr, insbesondere in den dualen Studiengängen. Trotzdem sieht HAWK-Präsident Dr. Marc Hudy noch weiteres Wachstumspotenzial: „Im naturwissenschaftlichen MINT-Bereich wünschen sich alle deutschen Fachhochschulen noch mehr Zulauf, insbesondere an jungen Frauen. In allen anderen Bereichen werden uns die Studienplätze aus den Händen gerissen.“

Wegen der einmaligen Verbindung aus Wissenschaft und Praxis will auch die Politik diesen „großartigen Teil unserer Bildungskultur“, so Bundesministerin Anja Karliczek (CDU), weiter fördern. Der FH-Erfolg hänge auch in den nächsten 50 Jahren von den Persönlichkeiten ab, die dort lehren. Um auch weiter qualifizierte und praxiserfahrene Professoren zu gewinnen, stellen Bund und Länder in den nächsten zehn Jahren den FH und HaW insgesamt 431,5 Mio. Euro zur Verfügung.

Anja Karliczek, Bundesbildungsministerin

Auch für Frank Albe, Präsident der Privaten Hochschule PFH Göttingen, ist die Besetzung der Professorenstellen eine der wichtigsten Herausforderungen. „Gute Professoren zu finden, wenn die Wirtschaft brummt, ist gar nicht so einfach. Deshalb müssen wir interessante Angebote schaffen mit großen Freiheiten und innovativen Forschungsansätzen.“ Die angewandte Forschung an FH und HaW sei schneller in der praktischen Anwendung und deshalb auch attraktiv für Professoren.

Albe sieht die (Fach-)Hochschulen nicht nur deshalb als „klare Alternative zur Uni“. Das liege vor allem daran, dass sich das Spektrum der Studiengänge deutlich erhöht hat. „Als ich hier angefangen habe, hatten wir zwei Programme, jetzt sind es 26. Und es wird weiter ein qualitatives Wachstum geben“, prognostiziert Albe.

Das Pfund mit dem die angewandten Wissenschaften wuchern können, ist der Praxisbezug, besonders in Technik- und Ingenieurberufen. Der Großteil der FH und HaW hat ein Praxissemester ins Bachelorstudium eingebaut. Daher dauert der Bachelor meist ein Semester länger. Das Studium bietet aber attraktive Perspektiven: Laut einer Langzeitstudie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung finden Fachhochschulabsolventen schneller einen Job und verdienen anfangs mehr als Uni-Absolventen, werden später häufig aber von denen überflügelt.

Hintergrund: Studieren an Hochschulen für angewandte Wissenschaften

• In Niedersachsen gibt es acht staatliche Fachhochschulen sowie eine Reihe privater Anbieter. Insgesamt in 24 niedersächsischen Städten sind Standorte von Fachhochschulen angesiedelt. Die größte staatliche ist die Hochschule Osnabrück mit knapp 14 000 Studierenden, gefolgt von der Ostfalia Hochschule, die an mehreren Standorten auf etwa 13 000 Studis kommt. An der HAWK in Hildesheim, Holzminden und Göttingen sind aktuell 6300 Studierende eingeschrieben, an der PFH in Göttingen und Stade sind es 3500. 

• Zugangsvoraussetzungen: Abitur, Fachhochschulreife, fachgebundene Hochschulreife. Zudem Zugangswege für beruflich Qualifizierte: Absolventen einer Meisterprüfung im Handwerk und vergleichbarer Fort- oder Weiterbildungsabschlüsse (etwa bestimmter Fachschulabschlüsse); all jene, die eine mindestens zwei Jahre dauernde Berufsausbildung abgeschlossen haben und mindestens zwei Jahre hauptberuflich berufstätig waren, können eine fachbezogene Hochschulzugangsprüfung ablegen; seit 2015 besitzen alle, die über eine Mittlere Reife verfügen und ab 2011 eine mindestens dreijährige Berufsausbildung mit guter Note (2,5 oder besser) abgeschlossen haben, eine der Fachhochschulreife entsprechenden Qualifikation. 

• Promotion: An den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften gibt es neben der kooperativen Promotion auch Möglichkeiten an hochschulinternen oder -übergreifenden Promotionszentren zu promovieren.

Rubriklistenbild: © PFH/nh

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.