Gericht ordnete Unterbringung von 32-Jähriger an

54 Monate Haft nach Messerattacke: Erster Drogenkonsum mit neun Jahren

Göttingen. Das Landgericht Göttingen hat am Dienstag eine 32-jährige Frau aus Göttingen wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die Angeklagte im April vergangenen Jahres in der Göttinger Innenstadt einen 43-jährigen Bekannten aus der Drogenszene mit einem Messer niedergestochen und lebensgefährlich verletzt hatte.

Da sie nach Angaben eines Gutachters an einer dissozialen sowie an einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung leidet, ordnete die Kammer zudem ihre Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Mit dem Urteil ging die Kammer noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten gefordert hatte. Die Verteidigung hatte dagegen auf Freispruch plädiert, da sich nicht habe klären lassen, wer damals mit dem Messer zugestochen habe. Die Angeklagte selbst hatte die Tat bestritten.

Das Gericht hatte in dem knapp dreimonatigen Prozess eine Reihe von Zeugen gehört, die allesamt der Drogenszene zuzurechnen sind. Da deren Aussagen „nicht ganz unproblematisch“ gewesen seien, sei es eigentlich ein „verkappter Indizienprozess“ gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz. Auf die Zeugenaussagen allein hätte man keinen Schuldspruch stützen können. Aufgrund der Indizien sei die Kammer jedoch überzeugt, dass die Angeklagte die Tat begangen habe.

Akute Lebensgefahr nach Messerstich 

Demnach hatte die 32-Jährige, die bereits mit neun Jahren Drogen konsumierte, einen Tag vor dem angeklagten Vorfall eine verbale Auseinandersetzung mit dem 43-Jährigen gehabt. Das Opfer wurde durch den mehr als vier Zentimeter tiefen Stich so schwer verletzt, dass akute Lebensgefahr bestand. Ärzte im Göttinger Uni-Klinikum retteten ihm durch eine Notoperation das Leben.

Der Verteidiger hatte geltend gemacht, dass auch einer ihrer Begleiter den Stich ausgeführt haben könnte. Dem folgte die Kammer nicht. Sämtliche Zeugen hätten die 32-Jährige mit dem Messer in der Hand gesehen. Außerdem habe sie ein Motiv gehabt. Die Tat sei ihr auch nicht wesensfremd.

Die Angeklagte sei bereits mehrfach wegen Körperverletzungsdelikten vorbestraft und habe auch schon einmal eine dreijährige Freiheitsstrafe verbüßt. „Es braucht nicht viel, dass sie leicht handgreiflich wird“, sagte der Vorsitzende Richter. Aufgrund ihrer Persönlichkeitsstörungen sei eine Unterbringung im Maßregelvollzug erforderlich.

Rubriklistenbild: © Kopietz

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