Göttinger Gymnasium feiert Freitag Dreifach-Jubiläum

60 Jahre Theodor-Heuss-Gymnasium: Wo Europa an jedem Schultag gelebt wird

Originelles Schulfoto: Die Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums in Göttingen bildeten das Kürzel THG auf dem Schulhof. Foto: nh

Göttingen. Das Theodor-Heuss-Gymnasium feiert 2017 das Triple: 60 Jahre Bestehen, 40 Jahre Namenstag und 20 Jahre Europa-Schule. Den Titel trug das THG als erste niedersächsische Schule. 

Ihm kommt in Zeiten nationalstaatlicher Tendenzen auf dem Kontinent eine steigende Bedeutung zu. Das spüren auch Schüler und Lehrer, wie ein Gespräch mit der der Schulleitung deutlich macht.

Neues Gymnasium wird THG

Noch ein Novum: In dem neusprachlich ausgerichteten „Neuen Gymnasium“, so hieß das THG bis 1977, wurden erstmals in Göttingen Mädchen und Jungen zusammen unterrichtet.

„Heißer“ Neubau

In 60 Jahren hat sich viel verändert – das THG hat eine Sporthalle und 2007 einen Neubau erhalten, wo es manchmal mangels guter Lüftung „heiß“ zugeht. Die Schule ist heute vielseitig aufgestellt, bietet neben der sprachlichen Ausrichtung mit bi-lingualen Klassen seit 2000 auch den mathematisch-naturwissenschaftlichen Schwerpunkt, ist MINT-Schule. „Das ist auch eine Reaktion auf den Bedarf, wie das Beispiel Ganztagsangebot zeigt“, sagt Schulleiterin Ulrike Koller.

Label Europa-Schule

Und das Label „Europa-Schule“ ist längst mehr als nur ein Titel. „Anfangs war es schon mehr von Außen aufgedrückte Hülle als Inhalt“, sagt der stellvertretende Schulleiter Mathias Behn, der damals noch als Außenstehender über das THG witzelte: „Die nennen sich Europa-Schule, weil das THG in Europa liegt.“

Die Schulleiterin gibt zu: Anfangs hatten wir keine Antwort auf die Frage: Was zeichnet euch als Europa-Schule aus. Jetzt haben wir gleich mehrere Antworten.“

Begeisterung für Europa

„Wir wollten vor 20 Jahren unser Profil schärfen, denn Sprachenschwerpunkte hatten auch andere Göttinger Gymnasien“, blickt Koller zurück, die 1999 an das THG kam. „Für Europa war damals eine Begeisterung zu spüren – auch bei einigen Kollegen. Die inhaltliche Füllung aber fehlte noch.“

Der einstige Kritiker Behn jedenfalls wurde zum Förderer der Europa-Schule, 2002 wechselte er an diese – und siehe da, seine Sicht der THG-Dinge veränderte sich parallel dazu, wie sich dort das Thema Europa mit Leben füllte.

Säule EU-Profil

Ein Team engagierter Lehrer war die Triebfeder dafür: Ergebnisse waren so ein Curriculum, Veranstaltungsreihen, vor allem aber das EU-Profil mit dem Wahlpflichtunterricht der Klassen 8 bis 10. Mathias Behn betont: „Damit haben wir ein Alleinstellungsmerkmal.“ Das sei durchaus ein Motiv bei der Wahl der Schule.

Keine Europa-Fahne, aber Werbung mit dem Label: Das Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) in Göttingen wirbt mit dem Titel Europa-Schule. Das THG war die erste in Niedersachsen. Foto: Kopietz

Schüler Erleben Länder

Wichtige Säule dafür ist ein reges internationales Austauschprogramm. Tausende THG-Schüler haben es mittlerweile erlebt. Die Austausche beschränken sich aber längst nicht mehr auf England, Frankreich, Spanien, Polen und Slowenien. Der Blick geht über Europa und die Ozeane hinaus. „Das ist der Globalisierung, der internationalen Zusammenarbeit geschuldet“, sagt Jaqueline Ahrend, Koordinatorin der Klassen 8 bis 12.

„Es geht bei den Austauschen vor allem um den zivilgesellschaftlichen Kontakt“, sagt Wiebke Hoheisel, die sich um die Klassen 5 bis 7 kümmert – und um den Polen-Austausch.

Mehr Internationalität

Die Offenheit der Schüler für andere Nationalitäten und Länder sei heute vorhanden. Und die Internationalität am THG hat sich verändert. „Es gibt viel mehr Schüler mit Wurzeln im Ausland“, sagt Ulrike Koller. „Die Internationalität hat an Selbstverständlichkeit gewonnen“, ergänzt Ahrend und sagt: „Ja, der Europa-Gedanke und die Internationalität werden hier an jedem Schultag gelebt.“ Auch, wenn „hier nicht jeden Tag die Europa-Fahne gehisst wird“, wie Ahrend scherzt, und Europa nicht im Lehrplan als Thema verankert ist. Das kommt aber durchaus auch vor.

Zeitenwende für Schüler

Die THG-Schüler von heute erleben erstmals Beschränkungen, sei es durch stärkere Vorschriften aufgrund der Terror-Problematik oder die Nationalstaatliche Abgrenzung von Staaten wie in Großbritannien mit dem Brexit. „Die Schüler sollen erleben und spüren, welchen Wert das Reisen ohne Passkontrolle vom Nordkap bis Sizilien hat“, sagt Koller.

In ihrem Theodor-Heuss-Gymnasium jedenfalls „wird Europa im Alltag gelebt“. Und das ist in schwierigen Zeiten ein Pfund im Bemühen darum, den „Europa-Gedanken hochzuhalten“, wie die Schulleiterin als Leitsatz formuliert. (tko)

Feier am Freitag: Das „Triple“ wird am Freitag, 1. September, gefeiert, mit Schülern, Lehrern, Eltern, Ehemaligen. Um 11 Uhr beginnt der Gottesdienst, um 12.30 Uhr die Feier am THG. Es gibt Vorführungen von Chor über Schauspiel, Modenschau bis zur Performance-Films „Freeze“ (16.35 Uhr). Live-Musik macht „Milchbar“ und ab 19 Uhr ist dann Disco-Party. Auf einen Festakt wird bewusst verzichtet.

Zeitleiste: 

1956: Der Rat der Stadt beschließt wegen der Raumnot in den drei Gymnasien einen Neubau. 1957: Einrichtung des „Neuen Gymnasiums“ als Zweigstelle des Hainberg-Gymnasiums. Schulleiter ist Dr. Gerd Wichmann. 1960: Baubeginn an der Grotefendstraße. 1961: Ostern wird das neue Schulgebäude bezogen – mit 430 Schülerinnen und Schülern. 1964: 19 Schüler machen ihr Abitur. 1965: Im November wird die Aula eingeweiht. 1968: Raumnot an der Schule, Ausbau zur Vierzügigkeit. 1971: Mathematisch-naturwissenschaftlicher Zweig. 1975: Neuer Schulleiter Georg-Bernhard Steffan. 1975: Erstmals mehr als 1000 Schüler. 1977: Umbenennung Theodor-Heuss-Gymnasium. 1997: Erste Europa-Schule in Niedersachsen. 1999: Neue Schulleiterin Ulrike Koller. 2000: Erstmals Tempo-Klasse (10 und 11 in einem Jahr) für besonders lernstarke Schüler. 2005: Start EU-Profil in Klasse 7. 2007: Neubau am Habichtsweg ist fertig. Co-Nutzung mit der Hölty-Grundschule. Quelle: Schulchronik. (tko)

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