Beobachtungen am Wahlwochenende

Abgeordnete Güntzler und Philippi: Respekt, Herzlichkeit, Gemeinsamkeit

Annäherung: CDU-Bundestagsmitglied Fritz Güntzler kommt am Sonntag zur Gratulation ans SPD-Haus und wird von seinem Bezwinger im Wahlkreis 53 empfangen. Güntzler zollt Philippi Respekt – was der gewählte Direktkanditat erwidert. Am Endes steht eine herzliche Umarmung und die Absicht, für den Wahlkreis zusammenzuarbeiten.
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Annäherung: CDU-Bundestagsmitglied Fritz Güntzler kommt am Sonntag zur Gratulation ans SPD-Haus und wird von seinem Bezwinger im Wahlkreis 53 empfangen. Güntzler zollt Philippi Respekt – was der gewählte Direktkanditat erwidert. Am Endes steht eine herzliche Umarmung und die Absicht, für den Wahlkreis zusammenzuarbeiten.

Beim samstäglichen Rundgang vorbei an den Wahlständen in der Göttinger Innenstadt war bereits einiges zu herauszulesen: Im Gesicht von Fritz Güntzler war neben der aus einem anstrengenden Wahlkampf resultierenden Müdigkeit auch ein wenig Resignation zu lesen – darüber, dass „es wohl nicht gelingen wird, den Wahlkreis direkt zu gewinnen“, wie er am Sonntagabend sagte.

Landkreis Göttingen – Die Enttäuschung, den Wahlkreis wieder einmal nicht gegen einen SPD-Kandidaten gewonnen zu haben, hinderte Güntzler aber nicht daran, dem Sieger Dr. Andreas Philippi Respekt und Glückwünsche zu zollen.

„Wir kennen und schätzen uns“, sagte Güntzler.

Der Gewinner war zu diesem Zeitpunkt noch glücklich-fassungslos: „Ich freue mich, ich freue mich einfach!“, sagte Philippi und fügte an: „Bundestagsabgeordneter – ich kann das noch gar nicht glauben, das ist noch nicht real.“ Vor einigen Wochen habe es noch gar nicht gut ausgesehen. „Wir sind bei 15 Prozent gestartet, haben gekämpft. Mit Petra Broistedt waren wir nah an den Menschen dran“, nannte er einen Grund für den Erfolg. „Es hat gezeigt, dass man mit Fleiß viel erreichen kann.“ Gleichwohl bemerkte er realistisch: „Wir hatten Glück, dass uns der Bundestrend der SPD so mitgenommen hat.“ Der Herzberger Philippi wünschte dem Nikolausberger Fritz Güntzler, dass er auch den Wiedereinzug über die Landesliste schaffen möge, was sich in der Nacht bestätigte. „Es ist wichtig, dass wir mit vier Leuten den Wahlkreis stark im neuen Bundestag in Berlin vertreten.“ Von den erfahrenen Kollegen Güntzler, Trittin und Kuhle könne auch er profitieren, sagte der bodenständige Bundestag-Neuling Andreas Philippi, der sich in den Vortagen der Wahl noch sehr vorsichtig über einen möglichen Wahlkreis-Gewinn geäußert hatte.

Dass dieser mit 32,22 Prozent zu 26,94 Prozent so deutlich ausfiel, hatte Philippi denn auch nicht erwartet. Für Güntzler ist es eine derbe Niederlage, die er mit Humor trug, er läge ja deutlich über dem Bundesergebnis der CDU. Das kann aber auch Andreas Philippi für sich beanspruchen: Auf 21,58 Prozent purzelte die CDU bei den Zweitstimmen, die SPD kam auf starke 31,93 Prozent.

Dauerstark ist der Routinier der Grünen, Jürgen Trittin. Mit im Vergleich zu Philippi und Trittin geringen Aufwand fuhr er wieder 23,24 Prozent der Erststimmen ein – war damit sogar an Güntzler dran. Konstantin Kuhle, der wie Trittin schon vorher über eine gute Listenposition sicher im Bundestag war, kam auf 9,57 Prozent der Stimmen. Dr. Thomas Goes schaffte 5,05 Prozent.

Überdurchschnittlich gute Ergebnisse schaftte der in Herzberg lebende und arbeitende Philippi – erwartungsgemäß – im Altkreis Osterode mit Werten um die 40 Prozent, über 50 Prozent holte er im Heimatort. Aber auch die 26,45 Prozent in Göttingen können sich sehen lassen, distanzierte er doch den im Stadtgebiet wohnenden Güntzler um mehr als sechs Prozent. Sieger in der „Grünen“-Uni-Stadt: Jürgen Trittin mit 35,48 Prozent der Erststimmen. Auch bei den Zweitstimmen siegten die Grünen in Göttingen, analog zur Kommunalwahl: 30,55 Prozent der Wähler stimmten Grün, 27,75 Prozent für die SPD. Mies das CDU-Ergebnis von 15,48 Prozent.

Das stärkste Ergebnis für Güntzler ist in Duderstadt zu verzeichnen – mit 42,40 Prozent. Bei den Zweitstimmen gab es für die Christdemokraten dort wieder eine Enttäuschung: 35,66 Prozent sind weit von einstigen Werten von jenseits der 50 Prozent entfernt. Nur wenig besser fiel das in Gieboldehausen aus, mit 37,5 Prozent. Immerhin wies dort Güntzler Philippi mit 16 Prozent Unterschied in die Schranken.

Vor der mit roten Strahlern illuminierten SPD-Zentrale in Göttingen stimmten die SPD-Fans am Wahlabend das Jubel-Lied „So sehen Sieger aus“ an – für Andreas Philippi, Marcel Riethig und Petra Broistedt. Daneben stand eine überglückliche Gabi Andretta: „Wir sind wieder da!“ (Thomas Kopietz)

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