Corona-Krise: Verbraucherschützer im Telefonstress

Abgesagte Reisen beschäftigen die Verbraucherzentrale auch in Niedersachsen

Petra Kristandt
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Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Petra Kristandt

Die Verbraucherzentralen in Niedersachsen sind in der Corona-Krise stark gefragt: Allein aus Südniedersachsen gehen pro Woche mehr als 70 Anrufe bei den Beratungsstellen ein, im ganzen Land sind es etwa 700. Vor der Krise waren es gerade einmal 200 Telefonate.

Göttingen - Viele Menschen sind in diesen Tagen unsicher und holen sich Rat bei den Verbraucherzentralen, auch in Niedersachsen. Das Problem: Die Nachfrage ist so hoch, dass sie mangels Personal nicht bedient werden kann. Aktuell steht das Thema Reiserecht an erster Stelle. Im Streit mit Unternehmen der Reise- und Veranstaltungsbranche geht es um geplatzte Reisepläne, annullierte Flüge oder einen Streit um Stornogebühren und damit oft um hohe Summen, die Anbieter „teils unrechtmäßig“ einbehalten. Die Verbraucherzentrale klärt nach eigenen Angaben über die rechtliche Situation auf und hilft Kunden, ihre Rechte durchzusetzen.

Vor allem Pauschalreisen, Hotels und Unterkünfte, Flüge oder Laufzeitverträge in Fitnessstudios waren laut Verbraucherzentrale die Top-Beratungsthemen zwischen März und September. „Bei den Verbrauchern ist der Frust über das unanständige Geschäftsgebaren inzwischen deutlich zu spüren“, sagt Petra Kristandt, Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Beispiel Pauschalreise: Im November 2019 habe ein niedersächsischer Verbraucher für September 2020 eine Pauschalreise nach Mallorca gebucht. Nach der erneuten Reisewarnung für die Balearen habe er kostenlos stornieren wollen, der Anbieter lehnte aber ab – mit der Begründung, die Corona-Pandemie zähle zum „allgemeinen Lebensrisiko“, steigende Infektionszahlen seien kein außergewöhnliches Ereignis mehr. Die Verbraucherzentrale beurteilte dies als „absurd und falsch“, die Rechtslage sei eindeutig: Die Reise müsse kostenlos storniert werden.

Ein weiteres Beispiel: Kreuzfahrten. Ein Kunde aus Südniedersachsen habe in einem Reisebüro für August 2020 eine dreitägige Kreuzfahrt gebucht. Im Juni sagte er die Fahrt ab, weil eine Reisewarnung für den Zeitraum bestand. Der Anbieter verlangte dennoch 100 Prozent der Stornokosten. (Bernd Schlegel mit dpa)

Kostenlose Kurzberatung von Experten

Die Verbraucherzentrale unterhält in Niedersachsen elf Beratungsstellen, darunter in Göttingen. Gern nutzen Ratsuchende wegen der Corona-Krise die telefonische Kurzberatung (auch per Videoschalte möglich), die seit Dezember vergangenen Jahres für viele Themen, zum Beispiel Reiserecht, kostenlos ist. Die Experten sind unter Tel. 0511/9 11 96 96 montags, dienstags und donnerstags von 10 bis 17 Uhr sowie freitags von 10 bis 14 Uhr zu erreichen. bsc vzniedersachsen.de

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