Abitur: Keine Korrektur für Nachschreiber - auch Erdkunde-Fehler

Ruhe ist nicht alles: Bei den Abiturprüfungen in Niedersachsen ging etwas schief – in den Fächern Mathematik und Erdkunde. Das Ministerium in Hannover gesteht Fehler ein, das Korrigieren dieser aber fällt schwer. Foto: dpa

Göttingen/Hannover. Die Panne beim zu schweren Mathe-Abitur in Niedersachsen steht nicht allein: Auch bei der schriftlichen Prüfung im Fach Geografie passierte ein peinlicher Fehler.

In der Abi-Aufgabe für den Leistungskurs zum Thema Japan wurden nach Informationen unserer Zeitung Millionen mit Milliarden verwechselt.

Am Dom-Gymnasium in Verden machten Lehrkräfte die betroffenen Schüler während der laufenden Klausur darauf aufmerksam; am Gymnasium am Schloss in Wolfenbüttel kam dagegen der Hinweis zu spät.

Fehler in Erdkunde-Klausur

Das Kultusministerium bestätigte den Fehler. „Nachdem dies entdeckt wurde, sind die Schulen sehr frühzeitig informiert worden, so dass vor Ort entsprechende Korrekturen zeitnah nach Prüfungsbeginn erfolgen konnten“, erklärte ein Sprecher von Ressortchefin Frauke Heiligenstadt (SPD). Bisher seien auch keine Meldungen über Probleme an das Ministerium herangetragen worden. Die Zahl der Geografie-Klausuren liegt landesweit bei rund 5000.

Keine Auswirkung auf Note

Nach Auskunft von Erdkunde-Lehrern soll die falsche Zahl keine größeren Auswirkungen auf das Notenergebnis haben. Dennoch fordert der Vorsitzende des Philologenverbandes, Horst Audritz, den Vorgang unter die Lupe zu nehmen, um Nachteile auszuschließen: „Wenn sich ein Schüler auf die falschen Zahlen bezogen hat, darf man ihm das nicht ankreiden.“ Und wer den Fehler von sich aus selbst bemerkt habe, müsse eigentlich mit Bonus-Punkten belohnt werden.

Im Kulturausschuss des Landtags gestand das Ministerium am Freitag ein, dass bei den von rund 20.000 Schülern geschriebenen Mathematik-Klausuren die Bearbeitungszeit nicht ausgereicht habe. Man werde daher den Bewertungsmaßstab für die Noten der Arbeiten anpassen, sagte Referatsleiter Andreas Stein.

Keine Mathe-Wiederholung

Weitere Konsequenzen schloss er aus, insbesondere komme eine Wiederholung der schriftlichen Prüfung nicht in Betracht. „Die Aufgaben waren anspruchsvoll, aber vom Schwierigkeitsgrad her leistbar.“ Sie hätten auch den vorgegebenen Unterrichtsinhalten entsprochen. Aber der Umfang der Klausur sei zu groß gewesen.

Hunderte Schüler, Eltern und auch Lehrer empfanden das ganz anders. In einer Flut von E-Mails beschwerten sie sich darüber, dass das Mathe-Abi viel zu schwer, zu kompliziert und zu überfrachtet gewesen sei. „Das war das schwierigste Mathematik-Abitur der vergangenen zehn Jahre“, so ein Studienrat. Das Zentralabitur in Niedersachsen gibt es seit 2006.

Fehler in Hannover

Die Probleme traten im „länderspezifischen Teil“ auf, also bei jenen Aufgaben, die in der Verantwortung des Ministeriums in Hannover liegen.

Warum sie nicht vorher aufgefallen sind, vermochte Fachmann Stein den Abgeordneten nicht zu erklären. „Wir haben aber Anlass darüber nachzudenken, ob die Qualitätskontrollen ausreichend sind.“

Harte Kritik an Ministerium

Die Opposition bezweifelte dagegen, dass es nur am Umfang gelegen habe. „Der ganze Aufbau hat doch nicht gestimmt“, meinte die Ausschuss-Vize-Vorsitzende und ehemalige Studienrätin Karin Bertholdes-Sandrock (CDU). FDP-Schulexperte Björn Försterling warf Heiligenstadt vor, durch ihr zögerliches Handeln die Schüler im Ungewissen über die Abi-Noten zu lassen. Gleichzeitig warnte er vor neuen Problemen, wenn in der nächsten Woche die Schüler, die beim ersten Prüftermin fehlten, zum Nachschreiben antreten müssen.

Schüler verunsichert

Das Ministerium will aus Gründen der Vergleichbarkeit keine Abstriche am Umfang dieser Klausuren machen. Für Försterling ein Unding, da die jungen Menschen in eine Prüfung geschickt würden, bei der von vornherein klar sei, dass die Bearbeitungszeit nicht ausreiche. „Das wird die Schüler völlig verunsichern“, so Försterling.

Elternräte sind empört

Sauer über die Aussagen der Ministeriumssprecher im Kulturausschuss ist der Verband der Elternräte der Gymnasien Niedersachsens: Man spiele die Problematik herunter, obwohl die Fehler in Hannover gemacht worden seien, heißt es in einer Pressemitteilung. „Wir sind aufs höchste empört über diese Aussagen, die an den Realitäten vorbeigehen. Jeder Punkt zählt. Jeder Punkt in jedem Fach ist wichtig“, sagt der Vorsitzende des Verbandes, Dr. Oliver Gossel.

„Wir reden nicht von einem Vokabeltest, sondern von der wichtigsten Prüfung im Leben eines Gymnasiasten“, sagt Gossel, der nach einer Prüfung durch das Ministerium von diesem angemessene Schritte in der Bewertung der Abiturklausuren einfordert.

Von Peter Mlodoch und Thomas Kopietz

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