Nur eine von 22 Personen wurde angetroffen

Abschiebung nach 17 Jahren: Göttinger Roma-Familien abgetaucht

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Erfolglose Aktion der Behörden in Göttingen: Die Roma-Familien, die am Mittwoch abgeschoben werden sollten, waren nicht da.

Göttingen. Eine von einem großen Polizeiaufgebot unterstützte Abschiebeaktion ist am Mittwochmorgen in Göttingen größtenteils gescheitert. Die Betroffenen sind offenbar untergetaucht.

Die Behörden hatten insgesamt 22 Personen – zwei Roma-Familien aus dem Kosovo sowie fünf weitere Einzelpersonen aus dem früheren Jugoslawien – abschieben wollen, die allesamt keinen Aufenthaltstitel besitzen. Als die Beamten die Betroffenen gegen 6 Uhr morgens abholen wollten, fanden sie mit einer Ausnahme niemanden in den Wohnungen vor. Mitarbeiter der Landesaufnahmebehörde haben lediglich einen 29-jährigen Serben angetroffen und mitgenommen, teilte eine Polizeisprecherin am Mittwoch mit. Die Behörden gehen davon aus, dass die übrigen 21 Personen untergetaucht sind.

Der Fall der beiden Roma-Familien hatte für Aufsehen gesorgt, weil die meisten der insgesamt 13 Kinder in Deutschland geboren wurden. Sowohl das Verwaltungsgericht Göttingen als auch das Oberverwaltungsgericht Lüneburg sahen darin jedoch kein Abschiebungshindernis. Die Richter begründeten dies damit, dass die Eltern während ihres inzwischen 16 Jahre dauernden Aufenthalts im Bundesgebiet keine Bereitschaft gezeigt hätten, sich in die hiesigen Lebensverhältnisse zu integrieren.

Aktualisiert um 12.50 Uhr

Die Eltern waren 1999 aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen. Sie haben nie ein Asylverfahren betrieben und waren nie im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis, sondern hatten immer nur Duldungen erhalten. Nachdem sie mehrfach der Aufforderung zur freiwilligen Ausreise nicht nachgekommen waren, drohte ihnen die Abschiebung.

Zuletzt hatten sie mit einer Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg (OVG) versucht, die Abschiebung zu verhindern, ohne Erfolg. Die OVG-Beschlüsse zeichnen geradezu ein Paradebeispiel für eine Nicht-Integration. Die Antragsteller hätten keine Berufsausbildung absolviert und sich all die Jahre „nicht ansatzweise“ ernsthaft um die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit bemüht, monieren die Richter. Die Familien seien durchgängig auf Sozialleistungen angewiesen.

Für besonders schwerwiegend halten es die Richter, dass mehrere Kinder teilweise jahrelang häufig die Schule geschwänzt hätten. Mehrfach sei wegen häufigen unentschuldigten Fehlens ein Bußgeld gegen die Eltern verhängt worden, auch dies habe keine Verhaltensänderung bewirkt.

Abschiebung nach 17 Jahren: Göttinger Roma-Familien abgetaucht

Beide Familienväter waren zudem erheblich strafrechtlich in Erscheinung getreten. Das Landgericht Göttingen hatte sie im September 2012 zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, weil sie gemeinsam mit einem weiteren Familienmitglied ein Mitglied einer anderen Großfamilie mit Teleskop-Stangen, Fäusten und Tritten attackiert und schwer verletzt hatten.

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