Absolvent hilft: Demekech Demsie Post braucht keine Gehhilfe mehr

Mario Koppe nimmt Demekech Demsie Post ihre Gehhilfe ab: Die 42-jährige Friseurin braucht sie dank ihrer neuen Ganzbein-Orthese nicht mehr. Foto: Leissa

Göttingen. Wieder richtig gehen können: Für die Göttinger Friseurin Demekech Demsie Post ist dies dank einer speziellen Hightech-Orthese wieder möglich.

Angefertigt hat sie der 28-jährige Mario Koppe, einer der ersten Absolventen des 2011 ins Leben gerufenen Bachelorstudiengangs Orthobionik an der Private University of Applied Science (PFH) in Göttingen. Die Ganzbein-Orthese aus Carbonfasern und mit Gelenken aus Titan entstand als Abschlussarbeit des Absolventen. Sie ist mit etwa einem Kilogramm leichter als die ehemalige Orthese seiner Patientin und so konzipiert, dass sie ihr Bewegungsfreiheit in ihrem Beruf erlaubt. „Ich musste bei der Planung bedenken, dass Frau Post viel stehen und gehen wird, deswegen war es wichtig, sie leicht und doch stabil zu gestalten“, sagt Koppe.

Fertig in 45 Stunden

Von der Planung bis zur fertigen Orthese hatte der Student zwei Wochen Zeit, insgesamt arbeitete er 45 Stunden an der Orthese selbst. Den Kontakt zu Post vermittelte ihm sein Arbeitgeber, das Orthopädie-Unternehmen Ottobock.

Post erkrankte als Dreijährige an Kinderlähmung, das linke Bein der heute 42-Jährigen ist schlaff und gelähmt. Mit ihrer ersten Orthese, die ihr beim eigenständigen Gehen helfen sollte, hatte die Äthiopierin schlechte Erfahrungen gemacht: „Die Sohle brach nach einer Weile und ich konnte meinen Fuß beim Gehen nicht richtig abrollen.“ Dadurch bekam sie auch Rückenschmerzen.

Mit der Hightech-Orthese gehören diese Beschwerden aber der Vergangenheit an: Ein individuelles Fußbett und ein bewegliches Knöchelgelenk sollen ihr helfen, die Restbewegung ihres Knöchels zu nutzen und auch ohne Gehhilfe mobil zu sein.

Mario Koppe musste für die Bachelorprüfung alles anwenden, was er während seiner Ausbildung zum Orthopädiemechaniker und während seines vierjährigen Orthobionik-Studiums gelernt hatte. Er stellte die Verteilung des Körpergewichts fest, fertigte einen Gipsabdruck und daraus einen Prototypen an und begleitete die Entstehung der Orthese sowie auch ihren ersten Einsatz. Die etwa 5000 Euro teure Orthese ist bislang einzigartig, denn alle ihre Einzelteile sind an Post angepasst. „Eigentlich sollte sie als Muster zurück an Ottobock gehen. Aber die Orthese passte Frau Post so gut, dass sie sie behalten darf“, sagt Koppe. 

Bachelorstudium Orthobionik an der Privaten Hochschule

Für der Bachelorstudiengang Orthobiotik kann man sich seit 2011 einschreiben. Jedes Jahr starten etwa 20 Studenten in den praxisnahen Studiengang.

Wer Orthobiotik studieren möchte, sollte nicht nur Interesse an einer medizinischen Ausbildung haben, sondern auch handwerklich geschickt sein. Ein Praktikum oder einer Hospitanz im orthopädischen Bereich wird daher von der Privaten Hochschule in Göttingen empfohlen.

Orthopädietechniker mit dreijähriger Berufserfahrung können sich auch ohne Abitur für den acht Semester umfassenden Bachelor-Studiengang qualifizieren. Um medizinische Hilfsmittel wie Pro- und Orthesen herzustellen, basiert das Studium nicht nur auf der Medizin, sondern enthält auch Elemente der Biomechanik, der Wirtschafts- und der Ingenieurswissenschaft. 

www.pfh.de

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