Note "Sehr mangelhaft"

ADAC-Test: Miese Noten für Göttinger Fernbus-Bahnhof

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Der Fernbus-Stopp am Göttinger Bahnhof: Für die Station gab es bei einem Test des ADAC ganz schlechte Noten.

Göttingen. Bei einem bundesweiten Test von zehn Fernbus-Bahnhöfen bekam die Göttinger Station bei einem Test des ADAC die Note „sehr mangelhaft“.

Nur der Haltepunkt im Bremen hat eine ähnlich schlechte Bewertungen erhalten. Die Tester des Automobilclubs hatten die wichtigsten Fernbus-Bahnhöfe mit den meisten Fahrgästen unter die Lupe genommen. Dabei achteten sie insbesondere auf den Komfort für die Fahrgäste.

Fehlender Wetterschutz

Große Kritik hat der ADAC am Bussteig selbst in Göttingen. Er sei weder verkehrssicher, noch wettergeschützt, heißt es in dem Test. Dabei hat sich die Situation vor anderthalb Jahren schon entscheidend verbessert. Vorher stoppten die Busse an der Zoologie, was zuweilen für Chaos sorgte. Vor anderthalb Jahren zog der Fernbushalt an das südliche Ende des Zentralen Omnibusbahnhofs. Und: Wetterschutz finden Fahrgäste bei den Haltestellen der Stadt- und Regionalbusse – in zehn Metern Entfernung.

Keine elektronischen Tafeln

Elektronische Anzeigetafeln für Fernbusse, eine Internet-Seite und einen zentralen Ticketschalter vermissen die Tester ebenfalls. Allerdings warten die meisten Fahrgäste ohnehin mit Smartphone in der Hand. Es informiert über mögliche Verspätungen und leistet beim Ticketkauf wichtige Dienste.

Kein Leitsystem

Vermisst werden zudem ein Leitsystem für Behinderte und eine Videoüberwachung für die Sicherheit der Fahrgäste. Außerdem ist der Göttinger Fernbushalt nicht barrierefrei.

Fehlende Schließfächer

Kritik gibt es weiterhin an fehlenden Schließfächern, nicht vorhandener Gastronomie und fehlenden Einkaufsmöglichkeiten. Diese Angebote findet der Fernbus-Kunde jedoch im Bahnhof – gut 100 Meter entfernt vom Halt.

Wenige positive Punkte

Allerdings fanden die Tester auch einige positive Punkte: So gibt es aus Sicht des ADAC genügend Parkplätze. Außerdem lobt der Automobilclub das Angebote für Car- und Bikesharing sowie Möglichkeiten, ein Auto mieten zu können. Außerdem punktet der Göttinger Fernbushalt mit dem Fahrrad-Parkhaus.

Pro Bahn: Berechtigte Kritik

Der Fahrgastverband Pro Bahn spricht unterdessen von völlig berechtigter Kritik des ADAC. „Die Stadt als Bauherr dieser Anlage muss nun schnell ihre Hausaufgaben machen und Nachbesserungen vornehmen“, fordert der Göttinger Ehrenvorsitzende Gerd Aschoff. Aus seiner Sicht trifft der Test genau die Punkte, die Pro Bahn schon bei der Inbetriebnahme von anderthalb Jahren angesprochen habe.

Güntzler: Stadt soll handeln

Unterdessen fordert der Göttinger Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler (CDU) die Stadt auf, beim Thema Fernbushalt aktiv zu werden. Die aufgezeigten Mängel lassen sich aus Sicht Güntzlers beheben. Gemeinsam mit den Fernbusunternehmen müssen Lösungen gefunden werden, um die Mängel schnell abzustellen“, so der CDU-Politiker. Der Standort am Zentralen Omnibusbahnhof sei wegen der Nähe zum Bahnhof optimal. „Die Stadt muss jetzt dafür sorgen, dass auch die Infrastruktur in Ordnung kommt.“

Piraten: Untersuchung bestätigt Kritik

Die Göttinger Piratenpartei fühlt sich durch die ADAC-Untersuchung bestätigt: "Bereits im Jahr 2015 hatten die Piraten als einzige Partei im Rat die Ausstattung der Fernbushaltestelle kritisiert und eine Besserung angemahnt", heißt es in einer Pressemitteilung. Passiert sei seitdem nichts. 

Fazit

Dem Göttinger Fernbus-Bahnhof fehlt es nach Ansicht des ADAC an fast allem. Allerdings können die Bus-Fahrgäste wegen der unmittelbaren Nähe viele Einrichtungen des Bahnhofs mitbenutzen.

Stadt räumt Defizite beim Fernbushalt ein

Die Stadt Göttingen räumt Defizite beim Fernbushalt am Göttinger Bahnhof ein. „Die Kritik ist zu Teilen natürlich berechtigt. Wetterschutz und Digitalanzeigen fehlen. Manche andere Verbesserung kann man sich gut vorstellen. Das wissen wir“, sagt Stadtsprecher Detlef Johannson. Übergangslösung Allerdings ist der momentane Zustand eine Übergangslösung: Das habe die Stadt stets erklärt. „Zu spürbaren Verbesserungen kann es erst kommen, wenn wir die Freiraumplanung für den Projektkomplex Neubau Groner Tor/Forum Wissen realisieren. Das könnte ab 2019 der Fall sein“, sagt Johannson. Eine frühere Realisierung ist nach seinen Angaben nicht möglich, wenn das Angebot in enger räumlicher Verbindung zum Bahnverkehr und zum lokalen und regionalen Busverkehr bestehen bleiben soll. Was vorzeitig an Optimierungen möglich ist, will die Stadt nun mit dem Bahnhofsmanagement besprechen. In dessen Hände hatte die Stadt die Fernbusstation im Herbst 2015 übergeben. Gar nicht nachvollziehen die Stadt die Kritik an fehlender Gastronomie und fehlenden Einkaufsmöglichkeiten, die im nahen Bahnhof vorhanden sind.

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