Gefahrgutunfall in Göttinger Firma

Ätzender Stoff lief aus: 24 Menschen verletzt

Göttingen. Bei einem Gefahrgutunfall sind am Freitagvormittag 24 Menschen in einer Göttinger Firma an der Rudolf-Wissel-Straße im Industriegebiet Grone verletzt und behandelt worden.

 

Aktualisiert um 15.54

Zwei Personen mussten in ein Krankenhaus gebracht werden. In einem Bus der Göttinger Verkehrsbetriebe wurden zunächst alle Verletzten untersucht und bei Bedarf in Rettungswagen versorgt. Die meisten klagten über Übelkeit und Schwindel. Um 11:26 Uhr ging der Alarm bei der Berufsfeuerwehr ein. „Eine Flasche mit 800 ml Bromcyan ist heruntergefallen, die Flüssigkeit hat sich auf dem Boden verbreitet“, sagt Dr. Joachim Bertram, Geschäftsführer der betroffenen Firma, die biotechnologische Produkte für Forschung und Pharmaindustrie herstellt.

„Unsere Mitarbeiter sind alle eingewiesen, wie sie sich im Falle eines Unfalls zu verhalten haben“, sagt Bertram. Das habe auch hervorragend geklappt. Der Raum sei sofort verschlossen, das Gebäude geräumt und das Giftinformationszentrum angerufen worden. Von dort kam der Rat, die Feuerwehr zu alarmieren. Die Berufsfeuerwehr rückte mit einem Großaufgebot in die Rudolf-Wissel-Straße an. 

Neben dem Gefahrstoffzug wurde aufgrund der hohen Anzahl der Verletzten die schnelle Einsatzgruppe, zwei Notärzte und drei Rettungswagen an die Einsatzstelle beordert. Mit speziellen Schutzanzügen gingen Feuerwehrleute unter schwerem Atemschutz in den Raum vor. Hier wurde die Flüssigkeit gebunden, aufgenommen und entsorgt. Die Rudolf-Wissel-Straße war während des zweieinhalbstündigen Einsatzes von der Polizei Göttingen für den Verkehr gesperrt worden. Vor Ort waren auch das Gewerbeaufsichtsamt sowie ein unabhängiger Gutachter. 

Die Freiwilligen Feuerwehren Herberhausen und Geismar besetzten die Wachen der Berufsfeuerwehr, um im Einsatzfalle schnell ausrücken zu können. Von den 24 Verletzten sind nach Auskunft von Frank Gloth, Pressesprecher der Berufsfeuerwehr, zwei Personen zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus gebracht worden. Die anderen 22 wurden auf eigenen Wunsch nach Hause entlassen. 

Bromcyan ist um ein Vielfaches giftiger als Kaliumcyanid, sagt das Internetlexikon Wikipedia. Seine außerordentliche Giftwirkung beruhe auf den beiden Komponenten Brom und Cyanid, die als Stoffwechselgift und toxisch auf Nervenzellen wirken. „Bei dem heruntergefallenen Bromcyan handelt es sich um eine Chemikalie, die bei uns in einem Herstellprozess eingesetzt wird“, sagte Geschäftsführer Bertram. 

Gefahrgutunfall in Göttinger Firma mit mehreren Verletzten

Rubriklistenbild: © Rampfel

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