Querelen im Vorfeld

„Notvorstand“ lädt zum AfD-Parteitag nach Braunschweig

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Dana Guth: Die AfD-Fraktionsvorsitzende aus Göttingen will den inneren Streit in ihrer Partei beenden. 

Göttingen/Braunschweig. An diesem Wochenende kommt die Alternative für Deutschen (AfD) zu Landespartei in Braunschweig zusammen. Im Vorfeld gab es Querelen.

Die Einladung soll offenbar freundliche Normalität ausstrahlen. Via Homepage der AfD-Bundespartei werden die „lieben Mitglieder des AfD-Landesverbandes Niedersachsen“ zum Landesparteitag an diesem Wochenende nach Braunschweig geladen. „Mit herzlichen Grüßen, Ihr Notvorstand Niedersachsen“, schließt das Schreiben.

Notvorstand? Vor zwei Monaten hatte die AfD-Bundesspitze die Macht beim heillos zerstrittenen Landesverband Niedersachsen übernommen, die komplette Führungscrew um den Landeschef und Bundestagsabgeordneten Paul Hampel abgesetzt und eine Neuauflage des im Januar geplatzten Landesparteitages angeordnet.

So kommt es nun in der ostniedersächsischen Löwenstadt zum Showdown der verfeindeten Lager. Gleich fünf Kandidaten – Stand Mittwoch – bewerben sich um den Chefposten. Auch der 60-jährige Hampel, dem seine Gegner diktatorischen Führungsstil vorwerfen, will erneut antreten.

6,2 Prozent hatte die AfD bei der Landtagswahl am 15. Oktober geholt, mit neun Abgeordneten stellt sie die kleinste der fünf Fraktionen im Leineschloss. In einem Brandbrief direkt nach dem Urnengang hatten die Bundestagsabgeordneten Jörn König und Wilhelm von Gottberg ihren Kollegen Hampel persönlich für dieses auch ihrer Sicht extrem magere Ergebnis verantwortlich gemacht.

Jetzt setzen seine Widersacher ihre Hoffnungen auf Fraktionschefin Dana Guth. Die 47-jährige Immobilien-Kauffrau aus Göttingen sieht ihre Hauptaufgabe als künftige Parteivorsitzende darin, das lähmende Chaos und den inneren Streit zu beenden. „Wir sind alle eine Partei. Wir haben es schon schwer genug, da sollten wir zusammenhalten“, meint Guth im Gespräch mit dieser Zeitung und beklagt die Ausgrenzung der AfD im Parlament durch die SPD/CDU-Koalition und die Oppositionskollegen von Grünen und FDP. Vom Lagerdenken halte sie nichts. „In der Fraktion ist so ziemlich jede Richtung vertreten. Aber wir arbeiten als Team gut zusammen.“ Im Landtag haben die AfD-Abgeordneten bislang auf Provokationen verzichtet. Man wolle durch Sacharbeit überzeugen, erklärt die Chefin.

Der Ausgang der Vorsitzenden-Kür gilt als völlig offen, da die AfD kein Delegiertensystem pflegt, sondern jedes anwesende Mitglied abstimmen darf. „Es kommt also auf die Mobilisierung ab“, raunt ein Abgeordneter mit bangem Blick auf die vom Hampel-Lager betriebene interne „Schlammschlacht“ gegen Guth.

Begleitet wird der Parteitag von zwei höchst unterschiedlichen Protestgruppen. Ein „Bündnis gegen Rechts“ wirbt für ein buntes und tolerantes Braunschweig.

Die rechtsextremistische NPD will für den „Tag der deutschen Zukunft“, ein Neonazi-Treffen Anfang Juni in Goslar, mobilisieren.

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