Gute Chancen auf Lehrstelle

Agenturchefin Silbermann über den Ausbildungsmarkt: „Jetzt noch loslegen“

Klaudia Silbermann
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Steht seit Juni an der Spitze der Göttinger Agentur für Arbeit: Klaudia Silbermann (52) sieht für 2021 noch gute Chancen auf dem Ausbildungsmarkt.

Viele junge Leute starteten Anfang des Monats ins Berufsleben: Sie haben mit ihrer Ausbildung begonnen. Wer jetzt noch eine Lehrstelle in Südniedersachsen sucht, hat gute Chancen, ein passendes Angebot zu finden.

Göttingen – Wir sprachen dazu mit Klaudia Silbermann, Chefin der Göttinger Agentur für Arbeit.

Was raten Sie jungen Leuten, die noch eine Ausbildungsstelle für dieses Jahr suchen?
Ich möchte die Jugendlichen ermutigen, jetzt noch loszulegen. Junge Leute, die jetzt noch keine Zusage bekommen haben, sollen auf keinen Fall aufgeben. Es gibt noch mehrere hundert offene Ausbildungsstellen in den Landkreisen Göttingen und Northeim. Deshalb lohnt es sich, mit der Berufsberatung Kontakt aufzunehmen.
In welchen Berufszweigen gibt es besonders viele offene Lehrstellen?
In fast allen Branchen sind noch Lehrstellen zu besetzen. Schwerpunkte sind das Handwerk, der Einzelhandel, die medizinischen Bereiche, die Logistik sowie die Gastronomie. Wer eine Ausbildungsstelle sucht, der kann auch unter jobboerse.arbeitsagentur.de fündig werden.
Wie läuft eine Bewerbung für eine Lehrstelle für das laufende Jahr?
Die Bewerbung für die Ausbildungsstelle erfolgt in der Regel wie üblich bei den Betrieben direkt. Sinnvoll kann es sein, wenn Bewerber von sich aus ein Praktikum anbieten. Damit können oft auch Bewerber punkten, die mit ihrem Zeugnis vielleicht nicht überzeugen können.
Was ist, wenn es am Ende mit dem Ausbildungsplatz doch nicht klappen sollte?
Dann hält die Arbeitsagentur nach wie vor Angebote zur Überbrückung und Vorbereitung für das kommende Ausbildungsjahr bereit. In den „Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen“ gibt es genügend Plätze für alle. Auch Abiturientinnen und Abiturienten können davon profitieren. Dabei arbeitet die Arbeitsagentur mit Bildungsträgern zusammen.
Ist es für junge Leute durch die Corona-Krise schwieriger geworden, eine Lehrstelle zu finden?
Für Jugendliche, die sich über ihren zukünftigen Weg im Klaren sind, ist es nicht komplizierter geworden. Junge Leute, die sich mit ihren Stärken und Interessen noch auseinander setzen müssen, haben größere Probleme, weil es lange Zeit keine Praktika gab und viele Veranstaltungen in Schulen und auch Berufsmessen abgesagt werden mussten. Eine ganze Reihe von Jugendlichen hat sich mit Blick auf die Lage bereits frühzeitig entschlossen, weiterhin eine Schule zu besuchen.
Wie ist die Situation der Berufsberatung bei der Arbeitsagentur?
Wir stehen in den Startlöchern. Deshalb können wir nach den Ferien mit den etwa 40 Berufsberatern endlich wieder in die Schulen in den Kreisen Göttingen und Northeim gehen. Wir können, immer Stand heute, wieder persönliche Beratung in Präsenz in den Schulen und in allen Geschäftsstellen sowie per Video und auch telefonisch anbieten. Jeder kann problemlos mit der Berufsberatung ins Gespräch kommen.
Wie hat sich die Corona-Krise auf die Zahl der Ausbildungsplätze ausgewirkt?
Glücklicherweise kaum. Unsere Zahlen sind stabil. Es waren für 2021 insgesamt 2700 Lehrstellen im Angebot. Das entspricht in etwa der Zahl des Vorjahrs. Die Betriebe halten an der Ausbildung fest, auch weil dies die beste Möglichkeit ist, Fachkräfte für das eigene Unternehmen zu gewinnen. Deshalb ist die Ausbildungsbereitschaft weiterhin hoch. Und auch Ausbildungsprämien haben Betrieben, die pandemiebedingt wirtschaftliche Probleme hatten, geholfen.
Wie steht es mit Blick auf die Corona-Krise um die Ausbildung von jungen Leuten, die aktuell in der Lehre sind?
Es gab es nur ganz wenige Fälle, in denen eine Ausbildung abgebrochen werden musste.
Wie sieht es mit der Übernahme nach bestandener Prüfung aus?
Die Betriebe bilden meist für den eigenen Bedarf aus und übernehmen in der Regel die Auszubildenden, wenn dies möglich ist. Wir haben hier bisher keine Veränderungen festgestellt.
Wird sich die Corona-Krise nachhaltig auf das Thema Ausbildung auswirken?
Wir sind mit der Pandemie noch nicht durch. Mit Blick auf die nächsten Jahre ist eine Prognose schwierig, was die Attraktivität von einzelnen Berufen angeht. Eine duale Ausbildung wird aber weiterhin gute Perspektiven und Karrierechancen bieten. Es zeichnet sich – unabhängig von Corona – ab, dass viele Jugendliche einen höheren Schulabschluss und ein anschließendes Studium anstreben. (Bernd Schlegel)

Zur Person: Klaudia Silbermann

Klaudia Silbermann (52) ist seit Juni 2021 Chefin der Göttinger Agentur für Arbeit. Mit ihrem Studium der Fachrichtung Arbeitsverwaltung legt die Diplom-Verwaltungswirtin an der Fachhochschule der Bundesagentur in Mann die Grundlagen für ihre spätere Karriere. Ab 2005 arbeitete sie als Geschäftsführerin des Jobcenters Nienburg, bevor sie 2015 in die Regionaldirektion nach Hannover wechselte. Silbermann ist verheiratet und lebt in Wunstorf. (bsc)

Hintergrund: Kontakt zur Berufsberatung der Arbeitsagentur

Telefonsprechstunde (für Klärung kurzer Anliegen): montags und donnerstags 10 bis 12 Uhr sowie donnerstags von 14 bis 16.30 Uhr unter Tel. 0551/520-350;

Anmeldung zur Berufsberatung und Terminabsprache unter der Rufnummer 0800/4 5555 00 (kostenfrei), per E-Mail unter goettingen.berufsberatung@arbeitsagentur oder unter der Internet-Adresse arbeitsagentur.de/kontakt

Hilfreiche Portale: jobboerse.arbeitsagentur.de (Suche nach Lehrstellen), berufenet.arbeitsagentur.de (Infos zu Berufsbildern) und planet-beruf.de (Bewerbungstipps). (bsc)

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