Aids: Göttinger Wissenschaftler für veränderte Altersgrenze bei Erhebungen

Ein Aids-kranker Mann in Myanmar (Birma): Göttinger Forscher fordern, bei Datenerhebungen über die Seuche auch ältere Menschen einzubeziehen. Archivfoto: dpa

Göttingen. Bisher sind in den meisten nationalen Studien, die sich mit dem menschlichen HI-Virus beschäftigen, die HIV-Tests auf Menschen beschränkt, die jünger als 50 oder 55 Jahre sind.

Eine Gruppe internationaler Wissenschaftler unter der Leitung der Universität Göttingen und der Harvard School of Public Health fordert nun in der Fachzeitschrift The Lancet HIV, dass bei Datenerhebungen im Zusammenhang mit HIV in Entwicklungsländern auch ältere Menschen bei HIV-Tests mit einbezogen werden sollten.

„Eine Ausweitung der Tests auf ältere Menschen liefert wichtige Informationen für das zukünftige Design von HIV-Prävention und -Behandlung“, sagt Juniorprofessor Dr. Sebastian Vollmer von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen. Er und seine Kollegen verweisen dabei vor allem auf die Veränderung der Altersstruktur der Epidemie. Durch die Ausweitung der Antiretroviralen Therapie (ART) – einer bestimmten medikamentösen Behandlung von HIV-Patienten – erreichen immer mehr infizierte Menschen auch in Entwicklungsländern ein höheres Alter. Insbesondere für die Beobachtung gesundheitlicher und sozio-ökonomischer Langzeiteffekte von ART seien Informationen über die Anzahl und Charakteristika von älteren HIV-Patienten relevant, so die Wissenschaftler.

Darüber hinaus weisen sie darauf hin, dass auch ältere Menschen noch sexuell aktiv sind und sich mit dem Virus infizieren können. Daher ist eine gute Datengrundlage wichtig, um altersspezifische Risikofaktoren einer Ansteckung zu ermitteln. Prof. Vollmer: „Schließlich könnte die Ausweitung der HIV-Tests auch das Stigma HIV-Infizierter verringern. In vielen Kulturen haben ältere Menschen eine Vorbildfunktion und könnten durch ihre Teilnahme die generelle Akzeptanz der Tests erhöhen.“ (p)

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