Aktion in Göttingen

Demo statt Kunstperformance: für menschlichere Unterkünfte

Kunstperformance oder besser Demo – gegen die Zustände in Flüchtlingsunterkünften und -lagern. Göttingen. Foto: Ute Lawrenz

Etwa 100 Menschen demonstrierten am Donnerstag für ein Ende der Flüchtlingslager

Die angekündigte „Kunstperformance“ war eine Demo: Mit Plakaten und Transparenten forderte das Bündnis „Lager auflösen jetzt!“ am Hiroshimaplatz, angesichts von Covid 19 dazuauf, alle Geflüchtetencamps zu evakuieren. In leeren Wohnungen und Hotels sei – auch in Göttingen – ausreichend Platz, um die Menschen sicher und menschenwürdig unterzubringen.

Je nach ökonomischem Interesse würden in der Coronakrise Grenzen geschlossen, Versammlungen würden unterbunden und Kontakte überwacht, um die Ausbreitung der Pandemie zu verhindern, machte ein Sprecher des Bündnisses deutlich. Doch Millionen von Menschen, die weltweit in riesigen Geflüchtetencamps festsäßen, würden nicht gehört und nicht gesehen. In Corona-Zeiten sei das gefährlich bis tödlich. Die Zustände zum Beispiel in den griechischen Geflüchtetenlagern seien ein Skandal für das „reiche, ach-so-zivilisierte Europa“.

Auch in Göttingen gebe es Massenunterkünfte. In einigen davon müssten sich die Menschen noch immer zu viert ein Zimmer teilen, Gemeinschaftsduschen und -küchen würden oft von mehr als zehn Personen gemeinsam genutzt. Der Zugang zu notwendigen Informationen sowie Desinfektionsmitteln fehlten.

„Dass Einschränkungen für die Allgemeinheit sehr ungleiche Auswirkungen auf Menschen mit unterschiedlichen Ressourcen haben“, machte ein zweiter Sprecher deutlich. Mit Haus und Garten und einem verlässlichen Umfeld ließen sich Ausgangsbeschränkungen besser ertragen als in einer kleinen Stadtwohnung ohne die sonst übliche Kinderbetreuung. Die erzwungene Isolation und das Krisenerleben verschärften häusliche Gewalt und erschwerten gleichzeitig den Zugang zu Hilfe. Wegen des Shutdowns sei es für Frauenhäuser schwer, neue Frauen aufzunehmen.

Als richtungsweisend nannte das Bündnis zwei Eilanträge von Geflüchteten in Sachsen. Dort sei gerichtlich anerkannt worden, dass bei Unterbringung in Sammelunterkünften die körperliche Unversehrtheit nicht gewährt werden könne. Auch in Göttingen könne der Schutz der Geflüchteten verbessert werde, indem Sammelunterkünfte geschlossen und Geflüchtete dezentral untergebracht würden. „Lager auflösen – Grenzen öffnen – jetzt und überall!“, dafür gingen vor dem Rathaus viele auf die Straße.

Mit einer Lautsprecherdurchsage ermahnte die Polizei die Beteiligten und Passanten nach einer halben Stunde, die Sicherheitsabstände weiterhin zu beachten und die Kreuzung am Hiroshimaplatz für den Verkehr freizugeben.

Unter Wahrung der Vorgaben bei Corona löste sich die „Kunstperformance“ dann auf.  zul

Corona in Göttingen: Am 1. Mai hat eine Regionalgruppe von Attac in Göttingen für mehr Menschlichkeit in Politik und Wirtschaft in Zeiten der Krise demonstriert.

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