Aktion für Reisende im ICE: Häkeln bei Tempo 280

Göttingen/ Hannover. Landschaften, Städte, Bäume ziehen an ihm vorbei. Immaniel Gregorius hat kein Auge dafür. Wie hypnotisiert sticht er mit der Häkelnadel zwischen die Maschen. Bei dieser Fahrt vergeht die fünfstündige Fahrt im ICE wie im Flug.

Wie der Zufall es so will ist der elfjährige Junge auf seiner Fahrt von Stuttgart nach Kiel mit seiner Oma genau in den Zug gestiegen, in dem die Deutsche Bahn eine Kreativabteil eingerichtet hat. Und anstatt mit dem Smartphone zu spielen, häkelt er lieber.

Im Abteil auf der Fahrt von Baden-Baden nach Kiel hat sich ein richtiger Strick- und Häkel-Zirkel gebildet. An einer Tischgruppe sitzt der Elfjährige mit zwei Strickerinnen, Gabriele Grimm und Monika Löffler. Letztere gab der Deutschen Bahn die Idee, Handarbeiten im Zug einmal anzubieten. Seit Jahren strickt sie auf der langen Zugfahrt von Stuttgart nach Göttingen, denn dort besucht sie regelmäßig ihren Sohn. „Wenn ich stricke, nutze ich die Zeit sinnvoll, schaue nicht ständig auf die Uhr und denke wann sind wir endlich da“, berichtet die 64-Jährige. Außerdem komme man mit anderen Fahrgästen ins Gespräch.

Langeweile vergessen 

„Unsere Fahrgäste sollen die Fahrt komplett vergessen und sich komplett entspannen“, erklärt Christine Schlosser das Konzept der Deutschen Bahn. Die meisten Passagiere seien bereit sich auf das Experiment einzulassen. Der Kreativzug, ist der dritte spezielle Juli-Fahrt, die durch Deutschland fuhr und man entspannte sich im Entspannungsabteil oder mit Entertainment durch Hörbücher, Filmvorstellung und Gesellschaftsspielen.

Im nächsten Abteil ist die Atmosphäre ganz anders. Dort ringeln sich grüne Pflanzen von der Gepäckablage oder Wollknäule liegen herum. Und mittendrin sitzen Künstler, die die Passagiere zum Mitmachen animieren.

Neugierig bleiben sie stehen und schauen zu. Kalligraph Suvrajit Saha hat Papier, Füller und Tintenfässer auf einem Tisch ausgebreitet. Leicht vorgebeugt schreibt er mit feinen Federn den Namen. Aber die Linien sind wegen der Vibrationen des Zugs nicht gerade, wie ein Seismograph schlägt die Feder bei Tempo 280 regelmäßig aus. „Es ist schwierig, aber ich denke, durch ihre Neugier übersehen die Zuschauer die kleinen Fehler."

Kampagne der Bahn: Im Eventzug durch Deutschland 

Die Deutsche Bahn sammelte im März Ideen von ihren Fahrgästen, wie sie ihre Zeit im Zug verbringen. Das Ergebnis: Drei Eventzüge rollten im Juli durch Deutschland.

Mit der Marketing-Kampagne „Diese Zeit gehört Dir“ will die Deutsche Bahn ihre Passagiere überraschen und die Fahrt angenehmer machen. Der Kreativzug war einer von drei Zügen, die im Juli durch Deutschland rollten.

Aber November will die Deutsche Bahn die Kampagne fortsetzen und einen Lesewagon sowie andere Ideen für den Zeitvertreib während der Fahrt anbieten. Im Internet informieren die Veranstalter immer über die aktuellen Termine. (cge)

www.bahn.de/deinezeit

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