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Aktivisten besetzen Ex-Gefängnis in Göttinger Innenstadt

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Von: Bernd Schlegel

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Das ehemalige Gefängnis im Norden der Göttinger Innenstadt: Es wurde am Montag in den frühen Abendstunden von Aktivisten besetzt.
Das ehemalige Gefängnis im Norden der Göttinger Innenstadt: Es wurde am Montag in den frühen Abendstunden von Aktivisten besetzt. © Bernd Schlegel

Nach dem Willen der Stadt geht das Ex-Gefängnis in der Innenstadt an einen privaten Investor. Doch es regt sich Widerstand - in Form einer Besetzung.

Göttingen – Der Streit um die Zukunft des ehemaligen Gefängnisses im Norden der Göttinger Innenstadt geht in eine weitere Runde. Mehrere Dutzend Aktivisten besetzten am Montag in den frühen Abendstunden die Ex-JVA. Die Stadt hatte im Juli entschieden, das Gebäude an einen privaten Investor zu verkaufen.

Die Teilnehmer der Protestaktion nutzten einen „Tag der offenen Tür“, bei dem das Gebäude am Montag besichtigt werden konnte. Einen zeitlichen Horizont für die Besetzung des Gebäudes gibt es allerdings nicht. „Das ist ein offener Prozess“, sagte ein Aktivist am Dienstag. Seit einigen Monaten wird darüber verhandelt, was mit den leer stehenden Räumen passieren soll. Die Stadt will das Gebäude an den privaten Investor Travo Hub verkaufen – wir berichteten.

Schon seit Jahren versuchen Initiativen, die aus linken Göttinger Gruppen und der Nachbarschaft hervorgehen, in dem alten Gebäude einen „sozialen und solidarischen Raum“ einzurichten. „Die alte JVA steht schon lange leer und soll nun an einen privaten Investor verkauft werden. Wir wehren uns gegen den Ausverkauf der Stadt und fordern, dass die Räume der JVA saniert werden und der Initiative Soziales Zentrum übergeben werden“, macht Ebba Grimme, eine Sprecherin der Besetzer, deutlich.

Der private Investor plant in der ehemaligen JVA unter anderem ein Co-Working-Space sowie ein Co-Living-Space. „Es gilt anzuerkennen, dass es hier nicht bloß um einen Interessenkonflikt zwischen der Stadt und der Nachbarschaft im Viertel geht, sondern um eine konkrete Ausformung von Gentrifizierung und rassistischer Verdrängungspolitik: Der Konflikt um die alte JVA ist ein intersektionaler Konflikt“, so die Meinung von Aktivistin Grimme weiter.

Die Kraft der Besetzung der ehemaligen Justizvollzugsanstalt liegt nach Angaben der Aktivistin weniger in der Möglichkeit, „kurzfristig der Stadt ein Gebäude zu entreißen“, sondern „vielmehr darin, Druck aufzubauen und den Kampf gegen die Gentrifizierung in dieser Stadt sichtbar“ zu machen, so Grimme.

„Wir sprechen nicht für die Initiative Soziales Zentrum aber wir solidarisieren uns mit der Initiative und sprechen uns aus gegen den Ausverkauf der Stadt“, macht die Aktivistin deutlich.

Auch in den nächsten Tagen laden die Teilnehmer der Aktion Interessierte dazu ein, bei der Besetzung vorbeizuschauen und diese zu unterstützen. „Die Menschen können sich selbst ein Bild davon machen wie viel Potenzial in dem Projekt steckt“, so Grimme. (Bernd Schlegel)

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