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Klimaaktivisten besetzen Baum in Göttinger Innenstadt als Zeichen für Klimagerechtigkeit

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Von: Stefan Rampfel, Melanie Zimmermann

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Aktivisten der „Letzten Generation“ haben einen Baum am Göttinger Wilhelmsplatz besetzt.
Aktivisten der „Letzten Generation“ haben einen Baum am Göttinger Wilhelmsplatz besetzt. © Stefan Rampfel

Klimaaktivisten besetzen seit Donnerstagmorgen einen Baum in der Göttinger Innenstadt. Solidarität mit Lützerath.

Göttingen - Aktivisten aus Göttingen haben am Donnerstagmorgen (19.01.2023) einen Baum auf dem Göttinger Wilhelmsplatz in der Innenstadt besetzt.

Zunächst waren zwei Personen auf einer Palette in dem Baum. Weitere standen davor. Die Besetzung soll bis Samstagabend (21.01.2023) fortgeführt werden - in wechselnder Besetzung.

Aktivisten besetzen Baum auf dem Wilhelmsplatz in Göttingen

Sie wollen auf die Zerstörung des rheinischen Kohledorfes und die massive Polizeigewalt aufmerksam machen. „Die Räumung Lützeraths ist ein Skandal und geht uns alle an! RWE und die Regierenden verheizen damit das 1,5 Grad-Ziel und zerstören unsere Lebensgrundlagen. Solange die Kohle noch im Boden ist, ist unser Widerstand nicht vorbei“, erklärt Klara Striffler, eine der Baumbesetzenden.

Die Aktivisten der „Letzten Generation“ hängten auch diverse Banner an ihrem Besetzungsort am Wilhelmsplatz auf.
Die Aktivisten der „Letzten Generation“ hängten auch diverse Banner an ihrem Besetzungsort am Wilhelmsplatz auf. Sie Solidarisieren sich unter anderem mit Lützerath. © Stefan Rampfel

Ein weiterer thematischer Schwerpunkt ist auch die Kriminalisierung der Klimagerechtigkeitsbewegung. Kim Hansen aus der Besetzung sagt dazu: „Staat und Polizei haben in Lützerath mal wieder gezeigt, was sie schützen: die Profitgier und kapitalistische Zerstörungswut ausbeuterischer Konzerne wie RWE.“

Prügelnde Polizeibeamte und immer drakonischere Gesetze seien bittere Realität für Menschen, die für eine klimagerechte und lebenswerte Zukunft für alle kämpfen. „Wir fordern ein Ende der Polizeistaatmethoden!“, so Hansen weiter.

Laut den Aktivistinnen und Aktivisten sei in den nächsten Tagen ein Programm geplant, in welchem über die Räumung informiert wird und zu dem themenbezogene Workshops stattfinden werden. Sie laden alle Menschen herzlich dazu ein. Am Donnerstag um 18 Uhr findet eine Kundgebung am Baum statt.

Nach Informationen unserer Redaktion haben sich die Aktivisten des Bündnisses außerdem an die Verwaltung der Uni-Stadt gewandt. Sie wollen mit Oberbürgermeisterin Petra Broistedt (SPD) ins Gespräch kommen. Dabei ging es darum, sicherzustellen, dass die Besetzenden ein paar Tage auf dem Baum am Wilhelmsplatz bleiben können.

Besetzer Baum in Göttingen: Aktivisten wollen mit Oberbürgermeisterin sprechen

„Derzeit befindet sich die Oberbürgermeisterin auf Dienstreise. Sie kehrt am Freitag zurück nach Göttingen. Das haben wir den Aktivisten bereits mitgeteilt“, so Stadtsprecher Dominik Kimyon auf HNA-Anfrage. Ob und wann es dann noch zu einem Gespräch kommen könnte, stehe derzeit nicht fest.

Kimyon weiter: „Wir haben den Klimaaktivisten mitgeteilt, dass sie in dem Baum wie geplant bis Samstagabend bleiben dürfen, natürlich unter der Prämisse, das nichts kaputt gemacht und alles aufgeräumt wird.“

Bis Samstag wollen die Aktivisten auf dem Wilhelmsplatz ausharren. Mehrere Banner hängen von der Plattform. „Lützi lebt“, „Klimma retten ist kein Verbrechen“ oder „Burn capital not coal“ ist darauf zu lesen. Die Göttinger Aktivisten solidarisieren sich mit den Aktivisten aus Lützerath, das in den vergangenen Tagen von der Polizei geräumt wurde.

Aktuelle Umfrage: Mehrheit lehnt Proteste von der Art der „Letzten Generation“ ab

Proteste wie sie derzeit auf dem Göttinger Wilhelmsplatz stattfinden, sind umstritten. Eine aktuelle Umfrage des NDR unter 12.800 Menschen hat ergeben, dass eine große Mehrheit von fast drei Vierteln (73 Prozent) die aufsehenerregenden Klimaproteste der „Letzten Generation“ als unangemessen ablehnt.

Selbst von den Befragten, die mehr Klimaschutz von der Bundesregierung fordern, lehnen noch knapp zwei Drittel (64 Prozent) die Aktionen der Protestgruppe ab. Die Umfrageergebnisse sind jedoch nicht repräsentativ, wie der NDR mitteilt.

Die „Letzte Generation“ protestiert gegen die Klimapolitik der Bundesregierung, indem sich ihre Mitglieder beispielsweise auf befahrenen Straßen oder an Öl-Pipelines festkleben oder Kunstwerke in Museen unter anderem mit Lebensmitteln überschütten.

Zustimmung in der Bevölkerung für Kernforderungen der “Letzten Generation”

Trotz der breiten Ablehnung der Protestformen befürworten die befragten Norddeutschen mehrheitlich zwei Kernforderungen der „Letzten Generation”: 69 Prozent stimmen zu, dass es ein 9-Euro-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr geben sollte, 56 Prozent sind für Tempo 100 auf Autobahnen.

Gut die Hälfte (52 Prozent) der Befragten, die die Klimaproteste für unangemessen halten, lehnen sie ab, weil ihrer Ansicht nach dadurch Menschen zu Schaden kommen. Eine ähnlich große Anzahl der Kritiker (50 Prozent) lehnen die Aktionen der „Letzten Generation“ außerdem ab, weil sie glauben, dass radikale Aktionen nicht mehr nützen als gemäßigter Protest.

Umfrage: Auf Straßen festkleben geht vielen Menschen zu weit

Nicht alle Protestformen stören die Befragten gleichermaßen: Nur einer Minderheit geht es zu weit, wenn Menschen für das Klima in den Hungerstreik gehen (8 Prozent) oder Öl-Pipelines blockieren (28 Prozent).

Für über die Hälfte ist jedoch die Grenze überschritten, wenn sich Aktivistinnen oder Aktivisten auf Straßen festkleben (59 Prozent) oder auf Rollfeldern von Flughäfen (55 Prozent).

Auf die breiteste Ablehnung stößt, dass Kunstwerke attackiert werden (63 Prozent). Viele Befragte stören sich daran, da sie in dieser Protestform keinen Zusammenhang zum Klimaschutz sehen.

Jüngere stimmen den Aktionen der “Letzten Generation” häufiger zu als Ältere

Die Haltung zu den Protesten der „Letzten Generation” hängt deutlich mit dem Alter zusammen: Je älter die Befragten, desto häufiger halten sie die Aktionen für falsch. Bereits die über 30-Jährigen bezeichnen die Proteste mit klarer Mehrheit für unangemessen.

Nur unter den 16- bis 29-Jährigen ist keine klare Mehrheit dagegen, jedoch auch keine klare Mehrheit dafür: Zustimmung und Ablehnung halten sich die Waage. (Stefan Rampfel/Melanie Zimmermann)

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