Flüchtlinge und Bedürftige sollen einziehen

Aktivisten besetzen leerstehendes Wohnheim im Göttinger Ostviertel

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Transparente: Sie machen an der Fridtjof-Nansen-Straße in Göttingen auf die Besetzung des Wohnheims aufmerksam.

Göttingen. Etwa 50 Aktivisten haben am Montag das ehemalige Wohnheim des Goethe-Instituts an der Fridtjof-Nansen-Straße in Göttingen besetzt. Sie fordern, dass dort Flüchtlinge und andere Wohnungssuchende einziehen können.

Aktualisiert um 17.55 Uhr - Der Gebäudekomplex mit sieben abgeschlossenen, voll ausgestatteten Wohneinheiten mit Bad und Küche sowie 30 Einzel- und Doppelzimmern mit gemeinschaftlichen Sanitäranlagen war noch bis Ende Mai vergangenen Jahres vom Goethe-Institut genutzt worden und gehört der Stadt Göttingen, die das Anwesen verkaufen will. Die Teilnehmer der Kurse des Goethe-Instituts sind bereits seit geraumer Zeit im neuen Gästehaus Bartholomäusbogen untergebracht, das am Maschmühlenweg zu finden ist.

Die Aktivisten, zu denen unter anderem Flüchtlingsunterstützer zählen , kritisieren, dass Geflüchtete nach wie vor in Gemeinschaftsunterkünften wie am Anna-Vandenhoeck-Ring untergebracht werden. Der aktuelle Fall an der Fridtjof-Nansen-Straße zeige jedoch, dass freier Wohnraum vorhanden sei und für die Stadt sofort verfügbar ist.

Seit nunmehr zwei Jahren bemüht sich die Stadt Göttingen um den Verkauf. Die Besetzer fordern, dass die Verkaufspläne endlich gestoppt, das Gebäude hergerichtet und die Zimmer sowie Appartements in dem früheren Wohnheim von der Stadt an Flüchtlinge und Bedürftige vermietet werden. Über ihre Ziele informieren die Aktivisten, die unter dem Namen „Initiative Our House Nansen 1“ auftreten, bereits auf einer Homepage.

Aktivisten in Aktion: Sie besetzten am Montag ein früheres Wohnheim im Göttinger Ostviertel.

Die Aktion erinnert an die Besetzung des früheren Gewerkschaftsgebäudes an der Oberen Maschstraße im November 2015 – mit einem Unterschied. Das Gebäude in der Innenstadt wurde inzwischen von einer Initiative gekauft. Dies soll im aktuellen Fall nicht geschehen. Die Aktivisten wünschen sich, dass die Stadt das Gebäude weiter betreibt.

Unterstützung für die Gruppe kommt von der Basisdemokratischen Linken in Göttingen: „Das nun besetzte Gebäude steht symbolisch für eine Privatisierungspolitik, die systematisch öffentliche Infrastruktur zerstört und die Lebensbedingungen von Menschen verschlechtert.“

Aktivisten blieben bis zum frühen Abend auf dem Gelände

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler hat die Besetzer bei einem Ortstermin eindringlich gebeten, das Gelände zu verlassen. Dem sind die Aktivisten bis zum frühen Abend nicht nachgekommen. Derzeit ist das Objekt noch an das Goethe-Institut vermietet. Die Institutsleitung muss entscheiden, ob sie rechtliche Schritte gegen die Besetzer ergreift.

Das Problem: Mehrere Türen, die dem Brandschutz dienen, wurden aufgebrochen. Wie hoch der Schaden ist, steht noch fest. Dabei gibt es die Schwierigkeit, dass dadurch das gesamte Gebäude inklusive der noch immer genutzten Schulungsbereiche offen ist.

Eine Umsiedlung von Flüchtlingen in den Wohnheim am Goethe-Institut ist aus Sicht von Köhler nicht möglich, da der komplette Gebäudekomplex verkauft werden sol. Außerdem ist der Wohnhaus-Anbau ein Sanierungsfall.

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