Premiere in Göttingen

„Alles Lüge und immer wieder wächst das Gras“ feiert im Deutschen Theater Premiere

Schauspieler Volker Muthmann, Moritz Schulze und Roman Majewski bei der Präsentation von „König von Deutschland“.
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In dieser Szene aus „Alles Lüge und immer wieder wächst das Gras“ sind (von links) Volker Muthmann, Moritz Schulze und Roman Majewski bei der Präsentation von „König von Deutschland“ zu sehen.

Dieser Liederabend, der jetzt im Deutschen Theater in Göttingen Premiere hatte, ist wichtig, wenn man die Gefühlswelt vieler Menschen aus den neuen Bundesländern nur ein wenig verstehen will.

Göttingen – Mit „Alles Lüge und immer wieder wächst das Gras“ gelingt Regisseur Niklas Ritter und Dramaturgin Mona Rieken nach einer Idee von Schauspieler Roman Majewski der Versuch, die vielen Demütigungen, negativen Erfahrungen und Brüche in den Biografien, die nach der Wende auf die Menschen in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern hereinbrachen, auf gut anderthalb Stunden beste Unterhaltung zu komprimieren, die gleichzeitig tiefe Einblicke gewähren.

Zudem macht das Stück deutlich, dass auch Menschen aus den neuen Bundesländern, die im Westen ihre (vermeintlichen) Chancen nutzten, heimatlos geworden sind, während sich für den „Wessi“ durch die Einheit praktisch nichts in seinem Leben geändert hat. Viele betrachten dies inzwischen als den zentralen Webfehler der deutschen Wiedervereinigung.

Im Mittelpunkt des Stücks, das wegen Corona erst jetzt Premiere hatte, stehen die Brüder Thommy und Sandro, die sich auf der Beerdigung ihrer Großmutter nach Jahren wiedersehen. Thommy war vor der Wende quasi eine Vaterfigur für seinen Bruder. Die Wende hat sie entzweit.

Während Sandro, der die DDR nur als Schüler erlebte, in den Westen geht, bricht für seinen Bruder die Welt zusammen. Er verliert seinen Beruf, die Freundin verlässt ihn und geht in den Westen. Thommy bleibt verbittert zurück und spricht immer mehr mehr dem Alkohol zu.

Die Stimmungen werden hervorragend von der Musik mit Songs vom Gehard Gundermann und Rio Reiser sowie der Live-Band (Leitung: Michael Frei) mit Rolf Denecke, Manfred von der Emde, Michael Frei, Hans Kaul/Tilmann Ritter eingefangen. Das gilt auch für die Bühne, auf der ebenfalls eine Mauer fällt, und die Alexander Wolf mit stilechten Requisiten aus einer DDR-Wohnung gestaltet hat.

Roman Majewski, Volker Muthmann, Moritz Schulze und Jenny Weichert singen und spielen grandios und wechseln dabei virtuos zwischen den verschiedenen Rollen – vom verbitterten Ostdeutschen, über den überheblichen Wessi bis hin zum Travestie-Trio in einem Kölner Club („König von Deutschland“). Das Publikum jubelte. (Bernd Schlegel)

Wieder am 29. und 30. Oktober, Kartentelefon: 0551/4969300. Weitere Termine unter dt-goettingen.de

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