Bislang unveröffentlichte Bilder

Als vier Pilzköpfe die Welt aus den Angeln hoben: Galerie Ahlers zeigt Fotos der Beatles

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Der 26. Juni 1966 in Hamburg: Die Beatles treten bei der Bravo-Blitztournee auf. Fotos dieser Konzerte sind in der Göttinger Galerie Ahlers zu sehen.

Göttingen - Bislang unveröffentlichtes Fotomaterial aus dem Nachlass von Peter Brüchmann zeigt aktuell die Galerie Ahlers in Göttingen. Brüchmann fotografierte die Beatles in den 1960er Jahren.

Sie gelten noch immer als die erfolgreichste Musik-Band aller Zeiten: Die Beatles. Auf dem Höhepunkt der „Beatlemania“ holte die Jugendzeitschrift Bravo die vier Pilzköpfe aus Liverpool für eine fünftägige „Blitztournee“ nach Deutschland. Bildlich dokumentiert hat diese sechs Konzerte Peter Brüchmann (1932-2016), der die Beatles bereits vor dem Start ihrer Weltkarriere 1961 in Hamburg fotografierte. Zahlreiche bislang unveröffentlichte Bilder aus dem Nachlass des Fotografen werden aktuell in der Göttinger Galerie Ahlers zum ersten Mal gezeigt.

Vor dem Konzert in Hamburg 1966 bekommt John Lennon den jungen Lennon in die Hand gedrückt: Das Bild zeigt einen wilden Rock ’n’ Roller in Leder und mit Tolle, 1961 im „Top Ten Club“ auf der Hamburger Reeperbahn. Peter Brüchmann hat das Foto gemacht. Am 26. Juni 1966, die Beatles sind auf ihrer Bravo-Blitztournee zurück in Hamburg, drückt der Fotograf wieder auf den Auslöser: der Pilzkopf-Beatle begegnet dem Rocker-Beatle. Fünf Jahre nur waren vergangen, doch der Leder-Lennon singt in einer unendlich fernen Galaxie.

Das Gestern im Heute - Brüchmann gelingt ein Innehalten auf dem Höhepunkt des Ruhms. Erst kurz zuvor hatte Lennon mit dem Statement provoziert, die Beatles seien „populärer als Jesus“. Und wahrscheinlich hatte er damit nicht ganz unrecht. Deutschland jedenfalls ist im Beatles-Rausch: sechs Konzerte in drei Städten: München, Essen, Hamburg. Unterwegs im Salonwagen der Bundesbahn, in dem ein Jahr zuvor die Queen residierte. Die Beatles sind „bigger than life“ und jeder, der sie damals erlebt hat, dürfte sein Leben teilen in die Zeit vor und nach der Blitztournee.

Vielleicht sogar Helmut Schmidt. Bis 1965 war er Innensenator und nun sitzt er, umgeben von kreischenden Teenagern, mit Loki und Tochter Susanne in der ersten Reihe. Verlegenheit lächelt klatschend – Brüchmann fängt das Szenario meisterhaft ein. Als Freund der Band war der Fotograf immer dabei. Sein Kamera-Auge oszilliert zwischen intimen Backstage-Momenten und hysterischen Fan- Massen, zwischen vierfach genervter Mimik während der Pressekonferenz und purem Spaß auf der Bühne.

Peter Brüchmanns Konzertbilder sind detailreiche Panoramen, gestochen scharfe analoge Magie. Rückblickend sind die Fotos auch Dokumente einer zweifachen Zeitenwende: Zum einen sind Deutschland-Konzerte der Auftakt der letzten Tournee und markieren das nahe Ende der Beatles als Live-Band. Zum anderen ist es der Schlussakkord der Swinging Sixties: nur zwei Monate später lassen die Beatles die Schwarzweißzeit hinter sich und wandeln mit dem Album „Revolver“ bereits in den bunten, psychedelischen Landschaften der aufziehenden Flower Power-Ära.

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