Göttingen / Hann.Münden: Alte Bäume als Lebensraum

Forscher untersuchen 200 Jahre altes Naturschutzkonzept

Eine alte Eiche mit Spechthöhle und Konsolenpilze.
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Platz für neues Leben: Eine alte Eiche mit Spechthöhle und Konsolenpilze.

Der Schutz alter Bäume als Lebensraum für Tiere und Pflanzen ist keine neue Idee, sondern ein bereits 200 Jahre altes Konzept.

Göttingen/Hann.Münden – Zu diesem überraschenden Ergebnis sind Wissenschaftler der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) und der Universität Göttingen gekommen, die darüber in der Fachzeitschrift Conservation Biology berichten.

Alte Bäume können wahre Schatzkammern der Biodiversität sein. Häufig wiesen sie eine große Krone und besondere Strukturen wie Höhlen, Faulstellen, absterbende Äste oder eine grobe Borke auf, so die Forscher um Dr. Andreas Mölder von der Abteilung Waldnaturschutz an der NW-FVA und Prof. Dr. Tobias Plieninger vom Departement für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Uni Göttingen. Diese Strukturen böten vielen seltenen Tieren und Pflanzen Lebensraum, also ein Habitat. Daher werden solche Bäume auch Habitatbäume genannt.

Das Artenspektrum reicht von Höhlen bewohnenden Vögeln, Fledermäusen oder Käfern bis hin zu Pilzen, Moosen und Flechten. Ausgewählte Habitatbäume alt werden zu lassen, ist ein wesentlicher Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt. Mittlerweile ist ihr Schutz fester Bestandteil einer naturnahen Forstwirtschaft. Doch die so modern anmutende Idee ist bereits 200 Jahre alt.

Um das Jahr 1800 hätten Forstwissenschaftler und Naturkundler erkannt, wie wichtig der Schutz von Habitatbäumen als Brut- und Ruhestätte für Vögel und Fledermäuse ist, die natürliche Gegenspieler von Schadinsekten seien, so die Forscher. „Deswegen müssen dergleichen Bäume von jeder Holzart geschont werden, so lange sie zu diesem Zweck passen“, forderte schon 1819 der badische Forstmann Karl von Sponeck.

Hinzu kam das vor 200 Jahren erwachende Interesse am Erhalt von alten Bäumen als Naturdenkmal. Wie das Forscherteam aus Göttingen und Hann. Münden herausfand, war das Konzept des Habitatbaumschutzes der Forstwirtschaft in Mitteleuropa bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Fachzeitschriften, Büchern und Verwaltungsanweisungen allgemein bekannt.

Die Umsetzung sei jedoch vor allem dem Einsatz einzelner Förster zu verdanken gewesen, die Specht- und Höhlenbäume erhalten konnten. Ungeachtet dieser ersten Schutzbemühungen sei es über Jahrzehnte zu großen Verlusten an Alt- und Habitatbäumen gekommen. Eine Trendwende kam mit der verbindlichen Einführung von Konzepten zum Habitatbaumschutz in öffentlichen Wäldern ab den 90er Jahren.

„Unsere Studie zeigt auf, wie sich diese letztendlich sehr erfolgreiche Naturschutzidee unter sich verändernden sozialen und ökologischen Rahmenbedingen langfristig entwickelt hat“, so Mölder. Plieninger ergänzt: „Daraus lassen sich wertvolle Hinweise ableiten, damit auch andere Naturschutzkonzepte dauerhaft erfolgreich umgesetzt werden können.“  

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