Alte Mensa: Ende der Lieblingsbaustelle in Sicht

Altes, aufgefrischtes Gewand: Die Fassade der ehemaligen Alten Mensa am Wilhelmsplatz wird von der Uni Göttingen nach historischem Vorbild gestaltet. Das Innere wird zum Tagungs- und Veranstaltungszentrum. Foto: Kopietz

Göttingen. Etwa 3,3 Millionen Euro steckt die Universität in die Sanierung eines traditionsreichen Gebäudes – in die Alte Mensa am Wilhelmsplatz wo auch die Uni-Leitung sitzt. Das Geld soll auch zu mehr Einnahmen führen.

Denn das Gebäude, die Alte Mensa, wird zu einem Tagungs- und Veranstaltungszentrum umgebaut – die Räume werden dann vermietet und für Uni-Veranstaltungen genutzt.

„Natürlich auch für repräsentative Empfänge und Kulturveranstaltungen“, sagt Rainer Bolli beim Blick vom Balkon in die Veranstaltungshalle im ersten Stock. Hier fanden schon früher Musik- und Kino-Veranstaltungen, Empfänge und Theatervorstellungen statt. Letztere damals, als Ende des 19. Jahrhunderts noch kein Theaterneubau am Wall vorhanden war.

Für Bolli ist die Baustelle seit zwei Jahren eine Wundertüte. „Immer wieder kommen neue Dinge zum Vorschein“, staunt der erfahrene Chef des Uni-Gebäudemnagements, der viele Bauprojekte begleitet hat – oft mit unliebsamen Überraschungen. Anders in der Alten Mensa: Neue Raumzuschnitte, Eingänge, ein Kellerzugang und sogar verschlossene Räume einer Wohnung unter dem Dach kamen zum Vorschein.

Dazu auch eine abgehängte goldverzierte Stuckdecke im acht Meter hohen Saal. Sie wurde sorgfältig saniert und soll jetzt „natürlich“ – wie Bolli sagt – zu sehen sein. Künftige Besucher werden nach der Eröffnung 2016 aber auch einige unfertige Dinge entdecken können. So wurden Teile des Stuckes oder der Ornamente nicht ergänzt, sondern blieben – wenn auch saniert – unvollständig.

„Wir haben das bewusst so belassen, damit auch Entwicklungen des Gebäudes in den Räumen zu sehen sind. Eine Vorgehen, was auch die Uni-Präsidentin für gut befindet, wie sie beim Presseempfang der Uni kürzlich sagte.

Auch die Außenfassade bleibt nach historischem Vorbild und in dezenter Farbgebung erhalten, wie Bolli betont. Fenster aus den 50er- und 60er-Jahren werden hingegen ausgetauscht.

Gebaut hat das Haus in der West-Ecke des Wilhelmsplatzes der Bauunternehmer Christian Freidrich Andreas Rohns. Zuvor stand dort das Franziskanerkloster aus dem 13. Jahrhundert samt Friedhof, der jetzt bei den Bauarbeiten wieder zum Vorschein kam und mit ihm ein paar Dutzend gut erhaltene Skelette. Das Gebäude wurde von 1922 bis 2009 vom Studentenwerk verwaltet, das dort eine Mensa betrieb. Im Sommer konnte dort auch draußen auf dem Wilhelmsplatz die Speisen eingenommen werden, dort wo seit Monaten die Baufahrzeuge und Container stehen. Bald werden sie verschwinden, die Alte Mensa mit Tagungsräumen, zwei Sälen und Verwaltungsräumen eröffnet werden. Der Wilhelmsplatz wird gewinnen, davon ist Rainer Bolli überzeugt, auch wenn seine Lieblingsbaustelle dann beendet sein wird.

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