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Göttinger Forscher stellen klar: „Alte“ Corona-Infektion bietet kaum Schutz

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Von: Thomas Kopietz

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Corona-Forscher-Team am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen. Prof. Stefan Pöhlmann (Mitte), Leiter der Abteilung Infektionsbiologie, mit den Infektionsbiologen Dr. Markus Hoffmann (links) und Dr. Prerna Arora.
Corona-Forschung: Team am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen mit Prof. Stefan Pöhlmann (Mitte), Leiter der Abteilung Infektionsbiologie, mit den Infektionsbiologen Dr. Markus Hoffmann (links) und Dr. Prerna Arora. © Andrea Tilch/DPZ

Was bereits oft vermutet worden ist, haben Göttinger Forscher jetzt nachgewiesen - es geht um Antikörper die für Omikron-Varianten hilflos sind.

Göttingen - Corona-Patienten und Covid-19-Erkrankte, die sich im Frühjahr mit den Omikron-Virusvarianten BA.1 oder BA.2 angesteckt haben, verfügen über keinen nennenswert erhöhten Infektionsschutz gegenüber der aktuell vorherrschenden Variante BA.5. Eine Impfung werde dennoch vor schweren Verläufen schützen, aber wahrscheinlich etwas geringer als bei den „alten“ Corona-Virus-Varianten, so die Forscher.

Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern am Deutschen Primatenzentrums (DPZ) Göttingen mit Kollegen der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Friedrich-Alexander-Uni Erlangen-Nürnberg.

Corona-Forscher: Auch therapeutische Antikörper wirken oft schwach oder gar nicht

Die Studie zeigt, dass die meisten therapeutischen Antikörper die Omikron Untervarianten BA.2.12.1, BA.4 und BA.5 nur schwach oder gar nicht hemmen. Nur der Antikörper Bebtelovimab blockierte alle getesteten Varianten mit hoher Effizienz.

Corona-Forscher: Omikron-Mutationen BA.4 und BA.5 sind „Immunflucht-Varianten“

Auch zeigt die Studie, dass die Omikron Untervarianten BA.2.12.1 und insbesondere BA.4 und BA.5 schlechter als ihre Vorgänger BA.1 und BA.2 durch Antikörper gehemmt werden, die nach einer Impfung oder einer Impfung gefolgt von einer Infektion gebildet wurden. Somit handelt es sich laut der DPZ-Infektionsbiologen bei BA.4 und BA.5 um „Immunflucht-Varianten“.

Varianten von Krankheitserregern entstehen, weil Viren bei ihrer Vermehrung Fehler machen. Diese Fehler führen zu Mutationen, die die viralen Proteine verändern, einschließlich des Proteins Spike, das an der Oberfläche des Virus sitzt und zentraler Angriffspunkt für die Antikörperantwort ist.

Führen diese Mutationen zu einer schlechteren Bindung von Antikörpern an das Spike-Protein, können sich diese Varianten auch in Bevölkerungen ausbreiten, die infolge von Impfung oder Impfung plus zurückliegender Infektion (Genesung) bereits immunisiert wurden.

Corona-Forscher: Zeitnah neue Antikörper für Therapie entwickeln

„Diese Ergebnisse bestätigen einen Trend, der sich bereits in unseren früheren Studien gezeigt hat: Omikron-Untervarianten werden durch die meisten therapeutischen Antikörper nicht gut gehemmt und die wenigen Antikörper, die gute Hemmung zeigen, sind oft gegen eine Untervariante aktiv, aber nicht gegen eine andere“, sagt Prerna Arora, Erstautorin der Studie. Es sei daher wichtig, dass „zeitnah neue Antikörper für die Therapie entwickelt werden, um für zukünftige Varianten gut gerüstet zu sein“, so Arora. Mit ihr bilden Markus Hoffmann und Stefan Pöhlmann das Team, das bereits im frühen Stadium der Corona-Pandemie mit Forschungsergebnissen international auf sich aufmerksam machte.

Corona-Forscher: Durchgemachte Infektion mit BA.1 und BA.2 ist nur geringer Schutz vor BA.4/BA.5-Ansteckung

Weitere Erkenntnisse: Antikörper von ungeimpften Personen, die sich im Frühjahr mit den Omikron-Untervarianten BA.1 oder BA.2 infiziert hatten blockierten zwar auch BA.2.12.1, waren aber gegen BA.4 und BA.5 kaum aktiv. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass „eine durchgemachte Infektion mit BA.1 oder BA.2 nur einen geringen Schutz vor einer nachfolgenden Infektion mit BA.4 oder BA.5 bietet“.

Corona-Forscher: Impfung schützt weiter vor schweren Covid-19-Verläufen

„Die Impfung wird dennoch vor einem schweren Verlauf schützen, der Schutz wird jedoch wahrscheinlich etwas geringer ausfallen als bei den vorher zirkulierenden Varianten“, bilanziert Markus Hoffmann. (Thomas Kopietz)

Publikation: Augmented neutralisation resistance of emerging omicron subvariants BA.2.12.1, BA.4, and BA.5. P. Arora, u.a. (2022). The Lancet Infectious Diseases. DOI: https://doi.org/10.1016/S1473-3099(22)00422-4

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