Alter Dorfsaal ist für Siegrid Nienstedt das neue Atelier

Hat sich ganz für Krebeck entschieden: Ihren Wohnsitz in Hamburg gab Künstlerin Siegrid Nienstedt zum Jahresende auf. Ihr Atelier ist der alte Saal der Dorfkneipe in Krebeck. Dort leistet ihr die vier Monate alte Hündin Mila Gesellschaft. Foto: Dittrich

Krebeck. Stuttgart, Köln, Hamburg, jetzt wieder Krebeck: Seit diesem Jahr hat die Künstlerin Siegrid Nienstedt nur noch einen Wohnsitz – ihr Heimatdorf im Landkreis Göttingen.

Ihr Atelier hat sie im verlassenen Saal der Dorfkneipe eingerichtet. „Ich hatte noch nie ein größeres Atelier“, vermutet Nienstedt, als sie sich aus ihrem grauen Sessel heraus umschaut und Hündin Mila streichelt. Der Bolonka-Swetner ist vier Monate alt. „Eigentlich“, sagt Nienstedt, „war ich nie ganz weg.“ 30 Jahre habe sie in Großstädten verbracht, und doch sei sie monatlich in Krebeck gewesen.

Mit dem Saal, der jetzt Atelier ist, verbindet sie noch Kindheitserinnerungen: „Wir waren immer hier. Ich hab hier schon als Vierjährige gesessen.“

Vor zwei Jahren zog sie zurück in die Heimat. Damals befürchtete sie, dass sie in dem Dorf in Südniedersachsen den Anschluss an die Kunstwelt verlieren könnte – so ganz ohne die kreative Szene in den Großstädten. Deswegen behielt sie ihr Apartement in Hamburg.

Doch schnell stellte sie fest: „Ich bekomme hier mehr Besuch als in Hamburg.“ Viele Galeristen und Künstler besuchen Nienstedt, wenn sie quer durch Deutschland reisen. Außerdem: „Die Welt ist klein geworden. Heute ist jeder mobil, hat ein Navi, und es gibt das Internet.“ Ende vergangenen Jahres gab sie ihr Hamburger Apartement auf.

Früher brauchte sie die Unruhe der Stadt, um selbst unruhig zu bleiben. Daraus erwachsen ihre Ideen, sagt sie. Heute weiß die 52-Jährige es besser: „Eigentlich war die Angst unnötig. Ich weiß heute wie ich ticke.“ Auf dem Land verliert sie ihre Unruhe nicht, sie erträgt sie sogar besser.

Künstlerisch verortet sie sich in der Neoromantik, versucht Gefühle und Emotionen zu transportieren, sich aber nicht in Details zu verlieren. Dabei entstehen leicht abstrakte, nebulöse Bilder. „Ich versuche immer so zu malen, dass man noch erkennen kann, dass das Bild in der Gegenwart enstanden ist.“ Aus der Natur nimmt die Künstlerin die Inspirationen, die Kunstwerke enstehen aus der Erinnerung.

In ihrer Hamburger Zeit entstanden dadurch viele Bilder mit wildem Wasser und einsamen Anglern. Zuletzt wurde mit ihren Bildern eine ganze Etage im Hotel "The Grand Ahrenshoop" an der Ostsee ausgestattet.

Ihr letztes Landschaftsbild zeigt aber kein Wasser mehr. Zu sehen ist eine in Rottönen gehaltene Landstraße, gesäumt von Bäumen, die ins Nichts führt.

Tiermalerei

Nienstedts zweiter Kunstbereich ist die Tiermalerei. Hasen und Wölfe springen auf Leinwänden umher, raufen miteinander. Die Hintergründe sind oft monoton – nichts soll von den Tieren ablenken. „Man darf nie stehenbleiben, man ist immer auf der Suche“, sagt Nienstedt, während sie einen Blick in den Bullerjahn wirft, der ihr Atelier ein wenig beheizt.

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