Corona-Krise

Amazon verbietet FFP2-Masken am Arbeitsplatz - Lauterbach empört: „unvertretbar“ und „unethisch“

Ein Einbahnstraßenschild, dahinter ein Gebäude mit dem Schriftzug Amazon.
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Bei Amazon in Winsen (Luhe) in Niedersachsen ist das Tragen von FFP2-Masken verboten.

Auch am Arbeitsplatz gilt die medizinische Maskenpflicht. Beim Online-Konzern Amazon herrscht allerdings ein Verbot von FFP2-Masken.

Göttingen/Winsen (Luhe) - Seit einigen Monaten gilt aufgrund von Corona die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske, dazu zählen OP- sowie FFP2-Masken. Diese müssen beispielsweise im öffentlichen Nahverkehr und in jeglichen Geschäften getragen werden. Auch am Arbeitsplatz ist solch ein Mund-Nasen-Schutz verpflichtend. In einem Amazon-Logistikzentrum in Niedersachsen werde diese Regelung allerdings nicht ordnungsgemäß umgesetzt.

Laut einem Bericht des ARD-Magazins „Panorama“ wird den Mitarbeitern des Online-Händlers am Standort Winsen (Luhe) verwehrt, sich mit einer FFP2-Maske zu schützen. Der Sendung würden entsprechende Dokumente vorliegen. Bereits im Februar hätte Amazon den Beschäftigten mitgeteilt, dass ausschließlich OP-Masken getragen werden dürfen - und dabei sei man auch bis heute geblieben.

Maskenpflicht in der Corona-Krise: Amazon verbietet Mitarbeitern das Tragen von FFP2-Masken

Rechtlich gesehen reicht ein OP-Mundschutz derzeit aus, um die Maskenpflicht in der Corona-Pandemie zu erfüllen. Jedoch gelten FFP2-Masken als deutlich sicherer und schützen Träger sowie Dritte vor der Übertragung von infektiösen Tröpfchen und Aerosolen. Die Regelung der SARS-CoV-2 Arbeitsschutzverordnung vom 21. Januar 2021 sieht vor, dass das Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes im Arbeitsverhältnis verpflichtend ist. FFP2- und OP-Masken müssen demnach vom Arbeitgeber unter bestimmten Voraussetzungen den Beschäftigten zur Verfügung gestellt werden.

Name:Amazon
Gründer: Jeff Bezos
Hauptsitz:Seattle, USA
Umsatz: 386 Mrd. US-Dollar (Stand: 2020)

Trotz allem setzt das Amazon-Logistikzentrum im niedersächsischen Winsen (Luhe) ausschließlich auf den OP-Mundschutz. Wie der Konzern auf eine Anfrage des Fernsehmagazins „Panorama“ schriftlich mitteilt, würden deren Maßnahmen „über die gesetzlichen Vorgaben hinaus gehen“ und seien zudem „wirksam gegen die Übertragung des Virus“. Dies sei auch von Gesundheitsbehörden und Berufsgenossenschaften bestätigt worden.

Corona-Regelungen bei Amazon: Das ist der Grund für das FFP2-Verbot - Lauterbach empört

Eine Amazon-Mitarbeiterin äußerte allerdings weitere Details zu dem Verbot der FFP2-Mundschutz am Arbeitsplatz. Laut ihren Aussagen seien anfallende Erholungszeiten dafür ein ausschlaggebender Punkt. Ihr Vorgesetzter hätte ihr auf Nachfrage mitgeteilt, dass diese Masken verboten seien, damit den Beschäftigten keine zusätzlichen Pausen gewährt werden müsse. In der Tat empfiehlt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung je nach körperlicher Schwere der Arbeit beim Tragen einer partikelfiltrierende Halbmaske ohne Ausatemventil eine maxiamale Tragedauer von 75 Minuten mit einer anschließenden maskenfreien Erholungsdauer von 30 Minuten.

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat sich bereits zu der Vorgehensweise des Online-Riesens geäußert und kritisiert diese als „unvertretbar“ und „unethisch“. Außerdem sei dies eine „Gefährdung der Arbeitnehmer“. Lauterbach hält laut eigenen Aussagen die Tragpflicht von FFP2-Masken besonders in Unternehmen, wo eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Corona-Übertragung über Aerosole wahrscheinlich ist, für unabdingbar.

„Wenn die Arbeitgeber dafür kein Verständnis haben, werden wir vielleicht irgendwann an den Punkt kommen, wo wir die Betriebe dann doch eine Zeitlang schließen müssen“, so der Politiker. Karl Lauterbach spricht während der Corona-Pandemie oft Klartext und wird in letzter Zeit für seine Aussagen stark angefeindet.

Konzern verbietet FFP2-Masken: Bereits vermehrt Corona-Infektionen bei Amazon

An einem Amazon-Standort in Leipzig gebe es aber eine andere Regelung: Dort wird den Mitarbeitenden gestattet, eigene FFP2-Masken mitzubringen und eine anschließende halbstündige Erholungszeit zu verrichten. Doch wie ein Betriebsratsvorsitzender informiert, werde diese Zeit von dem Arbeitskonto der Beschäftigten wieder abgezogen. Aus diesem Grund würden diese die empfohlenen Pausen nicht wahrnehmen, was dazu führe, dass die Masken während der Arbeitszeit heimlich abgenommen werden.

Amazon werde schon seit Beginn der Pandemie ein mangelnder Infektionsschutz vorgeworfen. In der Vergangenheit sei es bereits zu mehreren Corona-Ausbrüchen an verschiedenen Standorten gekommen - darunter auch das Logistikzentrum im niedersächsischen Winsen (Luhe).

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Amazon-Sprecher bezeichnet Darstellung als „bewusst irreführend“

Eine Amazon-Sprecher bezeichnet den Panorama-Bericht als „bewusst irreführend“. „Die Gesundheit unserer Mitarbeiter:innen hat allerhöchste Priorität“. Der Abstand zwischen den Arbeitsplätzen sei ausreichend und das Tragen einer medizinischen Maske biete zusätzlichen Schutz. „Die wurde von Gesundheitsbehörden wiederholt bestätigt“.

Amazon stelle seinen Mitarbeitern kostenlose medizinische Masken bereit. Dadurch stelle das Unternehmen zum Schutz seiner Mitarbeiter sicher, dass alle genutzten Masken zertifiziert und von hoher Qualität seien. Grundsätzlich lasse man im Rahmen behördlicher oder gesetzlicher Vorgaben Ausnahmen zu. Neben Maske biete man den Mitarbeitern PCR-Tests an.

Man reinige die Gebäude häufiger und intensiver. Zudem habe Amazon gestaffelte Schicht- und Pausenzeiten sowie 2-Meter-Abstände eingeführt. „Wir gehen damit weiter als die meisten Arbeitgeber. Etwas anderes zu behaupten, ist also schlichtweg falsch“, so ein Amazon-Sprecher. (Alina Schröder und Jan Wendt)

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