Seit 20 Jahren für kranke Kinder da

Ambulanter Kinderpflegedienst versorgt seit zwei Jahrzehnten Kinder in der Region

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Weithin bekannt: Kimbu – ambulanter Pflegedienst für schwerkranke Kinder in Göttingen – versorgt schwerkranke Kinder im Großraum Göttingen, auch in anderen Landkreisen. Die Pflegerinnen in den blauen Autos leisten unverzichtbare Arbeit.

Göttingen. Seit zwei Jahrzehnten leisten sie eine für die Gesellschaft enorm wichtige Arbeit: die Mitarbeiterinnen der Häuslichen Kinderkrankenpflege Kimbu, die mit ihren Dienstwagen weit über Göttingen hinaus unterwegs und bekannt sind.

Aber: Die Erfolgsgeschichte geriet immer wieder in Gefahr – auch, weil aufwendige Leistungen von den Kassen nicht entsprechend honoriert oder anerkannt wurden. Daran trugen die „Kimbus“ keine Schuld. Sie mussten immer wieder sparen, um letztlich die Versorgung von schwerkranken Kindern zu Hause gewährleisten zu können.

Einst fuhren die speziell ausgebildeten Kinderpflegerinnen in ihren blauen Kimbu-Autos im Radius von 90 Kilometern um Göttingen zu den jungen Patienten.

Kassen spielen nicht mit

Was eigentlich unvorstellbar ist, aber widerfuhr dem Verein immer wieder: Die Krankenkassen taten sich schwer, die sinn- wie wertvolle Arbeit für schwerstkranke Kinder entsprechend zu honorieren. Verhandlungen mit Kassen wurden zum Teil zur jahrelangen Hängepartie, zu Streitfällen und zu Lasten von Pflegedienst, letztlich auch der Kinder und Familien.

Ein Beispiel dafür waren jahrelange Verhandlungen mit einer größeren Krankenkasse. Ohne klare neue Zusagen, was die Bezahlung der Leistungen angeht, blieben alte Regelungen lange erhalten, wichtige Einnahmen aus. Generelles Problem: Die Kassen verhandelten Zeitpauschalen decken kaum die Personal- und Fahrtkosten. Für Kimbu ist das besonders bitter, da die Fahrten weit und zeitraubend sind. Das wird nicht bezahlt. Es gelten nur übliche nicht kostendeckende 30-Cent-Kilometer-Regelungen.

Sparprogramm war nötig

Die Vereinsverantwortlichen und Kimbu-Geschäftsführerin Kerstin Mollenhauer mussten die Reißleine ziehen: „Wir haben den Radius für das von uns versorgte Gebiet verkleinert“, erläutert Barbara Möllmann. Sechs Monate lang konnten die auffälligen Autos mit dem „Kimbu“-Schriftzug nur noch im Umkreis von 30 Kilometer fahren.

Weniger Mitarbeiterinnen

Die Mitarbeiterzahl hat sich von 2014 mit 83 Mitarbeitern auf aktuell etwa 50 verringert. Notwendigkeiten, die weder die Leitenden, noch Versorgenden und die Verantwortlichen des Vereins wie Nicole Seidel gerne mitgetragen haben und mittragen. Sie waren auch bedingt durch den Pflegenotstand.

Steigender Bedarf

Denn der Bedarf in Göttingen und im weiten Umkreis ist unverändert da, eher sogar steigend. Schwerkranke Kinder, die zu Hause gepflegt werden müssen, gibt es und wird es immer geben. Wie aber ist die Pflege zu kompensieren?

Die speziell ausgebildeten Kinderkrankenschwestern leiten teilweise die Eltern und Angehörigen an. Sie übernehmen dann leichte Tätigkeiten. Aber: Sie können nicht all das leisten, was die professionellen Betreuerinnen problemlos hinbekommen. Zudem denkt man bei Kimbu daran, vor Ort eine Gruppenbetreuung zu organisieren.

Situation verbessert

Aktuell hat sich die Situation für Kimbu wieder verbessert, auch ein neuer Vertrag mit den Krankenkassen ist endlich unter Dach und Fach. Der eingeschränkte Fahrradius konnte vor ein paar Wochen glücklicherweise wieder erweitert werden. Dennoch bleibt die Finanzdecke von Kimbu alles andere als üppig. Vorstand und Geschäftsleitung müssen weiter geschickt wirtschaften. 2017 aber stand dennoch ein Defizit. 2018 läuft es dank neuer Verträge und einer schlanken Struktur wieder besser, berichtet Vorstandsmitglied Nicole Seidel.

Spenden dringend nötig

Dennoch: Der Verein ist auf Spenden angewiesen, nur so kann die unverzichtbare Arbeit auch in Zukunft gewährleistet werden. „Eigentlich schade, dass diese für die Gesellschaft so wichtige Tätigkeit – und dann auch noch für Kinder – nicht komplett vom Gesundheitssystem getragen wird“, sagt Nicole Seidel. Sie hofft deshalb noch auf weitere Spenden – 50 000 Euro muss der Verein pro Jahr einwerben.

Fachkräftemangel

Zentrale: Kimbu ist am Papenberg 9 hinter dem Uni-Klinikum und neben dem Elternhaus fürs krebskranke Kind untergebracht.

Generell schwierig für den ambulanten Kinderpflegedienst ist die Rekrutierung qualifizierter Kräfte von dem leer gefegten Arbeitsmarkt auf diesem Feld. Kimbu jedenfalls benötigt weiter besonders ausgebildete Mitarbeiterinnen. „Es ist ein attraktiver Beruf, eine erfüllende Tätigkeit, besonders mit den Kindern zu arbeiten“, sagt Andrea Witte, stellvertretende Pflegedienstleiterin. „Man bekommt viel zurück.“

20 Jahre Kimbu: Spenden sind nötig

Kimbu (Abkürzung für Kinderambulanz) ist ein häuslicher Pflegedienst, der nur schwerkranke Kinder und Jugendliche in einem Umkreis von 30 km um Göttingen versorgt. Kimbu wurde 1998 auf Initiative der „Elternhilfe für das krebskranke Kind Göttingen e.V.“, Kinderkrankenschwestern und Ärzten gegründet. Zuschüsse durch die Elternhilfe halfen besonders in den ersten zehn Jahren. 

Durch die Versorgung zu Hause können die Kinder früher aus dem Krankenhaus entlassen werden oder der Krankenhausaufenthalt kann verhindert werden. Durchschnittlich versorgt Kimbu bis zu 40 Patienten monatlich, Tendenz steigend. Die Erkrankungen der Kinder sind vielschichtig, etwa neurologische Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, Schwerstmehrfachbehinderungen, Frühgeborene, Krebserkrankungen. Bei Kindern mit Krebs fährt Kimbu in den Therapiepausen zur Versorgung nach Hause. Kindern und Eltern bleiben Fahrten in die Uni-Kinderklinik erspart, sie können sich zu Hause von den Nebenwirkungen der Chemotherapie erholen. Seit 2002 betreut Kimbu auch intensivpflichtige Kinder zu Hause. Sie benötigen wegen ihrer schweren Erkrankung die intensive Pflege und Überwachung einer Pflegefachkraft bis zu 24 Stunden am Tag. Organisiert ist Kimbu als gemeinnützige GmbH mit einem Trägerverein. (tko) 

Spendenkonto: Sparkasse Göttingen, IBAN : DE33 2605 0001 0019 0067 33, BIC: NOLADE21GOE 

Kontakt: Kimbu, Am Papenberg 9 (Ostseite Klinikum), Tel. 0551/37 44 93, Mail: info@kimbu-goettingen.de

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