Als die Besatzer kamen: Amerikaner nahmen Göttingen am 8. April 1945 ein

Ein Gebäude im Wandel der Zeit: Stadtführer Klaus Magnus berichtet über die Funktion des Gebäudes an der Barfüßer Straße nach 1945. Eine Zeichnung zeigt die Ansicht kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Foto: Dittrich

Göttingen. Am 8. April 1945 kündigte heftiger Artilleriebeschuss die Ankunft von amerikanischen Soldaten an. Wenige Stunden später wurde Göttingen ohne Gegenwehr eingenommen.

Ob ein Geheimabkommen der Grund ist, dass die Stadt von größeren Zerstörungen im zweiten Weltkrieg verschont blieb, ist unklar. Aber wo sich amerikanische und britische Besatzungstruppen in der Stadt aufhielten, darüber gab Stadtführer Klaus Magnus auf den Tag genau 70 Jahre später genau Auskunft.

Zum Glück für die Zivilbevölkerung gab es keinen militärischen Widerstand mehr, als die Alliierten vorrückten, meint der Historiker Magnus: „Die Verteidigung der Stadt wäre in einem Massaker geendet.“ Zum Kriegsende hatte sich die Einwohnerzahl in Göttingen von ehemals 40.000 auf 80.000 verdoppelt. An 22 Orten – Turnhallen, Schulen, Universitätsgebäude – waren allein 10.000 Verwundete in der Stadt untergebracht. Der damalige Reichsleiter der Nationalsozialisten selbst floh am Morgen des 8. April aus der Stadt.

Zur Mittagszeit traf Artilleriefeuer vor allem das Ostviertel. „Der Beschuss aus heiterem Himmel traf auch Wohngebäude, einige Zivilisten starben dabei.“ Wenige Stunden später seien dann schon rasselnde Panzerketten in der Stadt zu hören gewesen, erzählt der Stadtführer mit Verweis auf historische Quellen. Der damalige Bürgermeister Albert Gnade übergab die Stadt noch am selben Tag den amerikanischen Soldaten.

Alliierte nutzen Uni-Gebäude

Weender Straße 32: Das Gebäude wurde nach dem Krieg Infozentrum der britischen Besatzer. Zeichnung: Städtisches Museum Göttingen

Die Aula am Wilhelmsplatz, das ehemalige Hotel zur Krone – heute die Sparkasse an der Weender Straße: Ab 1945 wurden viele Gebäude von den Alliierten genutzt. Unweit des Rathauses entstand ein Soldatencafé. An der Weender Straße, Ecke Barfüßer Straße wurde ein Infopoint eingerichtet, an dem neue Verordnungen verkündet wurden. „Das Gebäude war ein wichtiger, zentraler Ort zur Information der deutschen Bevölkerung“, erklärt Magnus. Außerdem zog dort die neue Verkehrspolizei ein.

Zu den Wirren des Krieges gehörte auch, dass zwar die Amerikaner die Stadt einnahmen, aber schon wenige Tage später abzogen. Denn Göttingen wurde schon vor Kriegsende der britischen Besatzungszone zugeordnet, wie Magnus seinen rund 25 Zuhörern berichtet: „Die Amerikaner kamen, aber die Briten blieben.“

Sogar der Universitätsbetrieb konnte zum Wintersemester 1945 wieder aufgenommen werden. Abgesehen von den Gebäuden, die von den Alliierten genutzt wurden, fanden damit schon zum Wintersemester wieder Lehrveranstaltungen statt.

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