Hass auf Schwule

Amtsgericht Göttingen: Angeklagter soll Mann mit Fake-Bestellungen gemobbt haben

Gerichtsgebäude in Göttingen: Landgericht und Amtsgericht Göttingen am Maschmühlenweg.
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Gerichtsgebäude in Göttingen: Landgericht und Amtsgericht Göttingen am Maschmühlenweg.

Ein 38-Jähriger soll jahrelang einen heute 68 Jahre alten Mann aus Göttingen auch durch anonyme Anrufe, E-Mails und die Verbreitung von Fotos und Videoaufnahmen terrorisiert haben.

Göttingen – Der 38-Jährige soll auch Waren bestellt und Zeitschriften-Abos unter dessen Namen abgeschlossen haben. In diesem Prozess, einem massiven Stalking-Fall, hat das Amtsgericht Göttingen mehrere Polizeibeamte als Zeugen gehört.

Der 68-Jährige fühlte sich durch die permanenten Nachstellungen so verunsichert und bedroht, dass er sich nicht mehr aus dem Haus traute, 17 Kilo Gewicht verlor und aufgrund seiner desolaten psychischen und körperlichen Verfassung zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus kam.

Stalking: Bestellungen des mutmaßlichen Täters passten nicht mehr in die Asservatenkammer

Ein Ermittler der Polizei hatte damals die vielen Warenbestellungen, die an die Adresse des 68-Jährigen gingen, zu seiner Dienststelle gebracht. Er habe dann die Firmen kontaktiert, diese hätten in allen Fällen die Pakete kostenfrei wieder zurückgenommen, so der Beamte. Die Bestellungen seien so zahlreich gewesen, dass die Pakete nicht in die Asservatenraum passten: „Kloschüsseln, Zeitschriften – alles lag in unserem Büro.“

Erste Ermittlungsverfahren gab es bereits 2014/2015. Der Arbeitgeber des 68-Jährigen hatte die Polizei informiert, dass in dem Geschäft in der Göttinger Innenstadt – unbestellt – große Mengen Pizza und Blumensträuße angeliefert wurden. Es habe sich herausgestellt, dass jemand regelmäßig Fake-Bestellungen auf Namen des 68-Jährigen getätigt hatte. Der Urheber wurde nicht ermittelt.

Im Sommer 2018 erschien ein Geistlicher gemeinsam mit dem nun angeklagten 38-Jährigen bei der Polizei. In dem ersten Gespräch habe der Angeklagte angegeben, dass auch Dritte an den Aktionen beteiligt gewesen seien, so der Polizeibeamte. Einen Monat später wurde er vernommen.

Hass auf Schwule: Angeklagter gestand, alleiniger Täter zu sein

Dann habe der Angeklagte gestanden, dass er alleiniger Täter sei und Täterwissen preisgegeben. In einem Schreiben an die Polizei habe der Angeklagte erklärt, wie er auf den 68-Jährigen gekommen sei und beschlossen habe, diesen zu mobben. Laut Ermittler habe man bei einer Durchsuchung Beweismittel gefunden.

Als Grund für die Nachstellungen habe der Angeklagte die mutmaßliche sexuelle Ausrichtung des 68-Jährigen angegeben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 38-Jährige einen Hass auf Schwule hatte. Der Angeklagte habe den 68-Jährigen für einen Homosexuellen gehalten, ohne zu wissen, ob dies zutraf. Er wollte dessen Ruf schädigen, ihn ärgern und öffentlich lächerlich machen.

Laut Ermittlungen soll der Angeklagte auch Bilder von dem 68-Jährigen gemacht und Fotomontagen mit sexuellem Inhalt gefertigt haben. Die Bilder soll er dann im Internet und in der Nachbarschaft verbreitet haben.

So sei bei einer neuerlichen Durchsuchung ein USB-Stick gefunden worden, auf dem sich entsprechende Bilder und Sprachnachrichten befunden hätten. Die Ermittlungen hierzu liefen noch. Der Polizist sagte, er habe noch nie einen Fall gehabt, in dem jemand so kontinuierlich versucht habe, jemand anderem zu schaden. Der Prozess wird im Dezember fortgesetzt. (Heidi Niemann)

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