Verfahren wurde gegen Auflage eingestellt

Amtsgericht Göttingen: Reuiger Demonstrant muss zahlen

+
Die Polizei war am letzten Juli-Sonntag 2016 mit einem Großaufgebot am Albaniplatz vor Ort: Demonstranten gingen an diesem Tag gegen eine Versammlung des rechtsextremen Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen auf die Straße. Dabei kam es zu Ausschreitungen.

Göttingen. Knapp ein Jahr nach den Ausschreitungen bei einer Demonstration vor der Göttinger Stadthalle hat sich ein 24-jähriger Student vor dem Amtsgericht Göttingen verantworten müssen.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihn wegen Körperverletzung angeklagt. Sie warf ihm vor, einem Polizisten mit gestrecktem Bein in die Seite gesprungen und am Oberschenkel verletzt zu haben. Der Prozess endete damit, dass das Verfahren vorläufig eingestellt wurde. Als Auflage muss der Angeklagte 400 Euro an die Stiftung Opferhilfe zahlen. Zuvor hatte der 24-Jährige mehrfach erklärt, dass ihm der Vorfall leid tue.

Ausschreitungen

Der Angeklagte hatte am 31. Juli vergangenen Jahres an einer Gegendemonstration gegen eine Versammlung der rechtsextremen Gruppierung „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ teilgenommen. Am Rande der Kundgebung kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen. Nach Angaben der Polizei hatten Angehörige des linksextremen Spektrums immer wieder versucht, die Absperrungen zu durchbrechen und dabei Polizisten mit Schlägen und Tritten traktiert. Einer von ihnen soll einen Polizisten mit einer Flasche verletzt haben.

Zu dem angeklagten Vorfall war es gekommen, als Polizisten den Angreifer inmitten von Kundgebungsteilnehmern auf dem Albaniplatz wiedererkannt hatten. Daraufhin war die Einheit der Bereitschaftspolizei in dessen Richtung gelaufen. Ziel sei gewesen, den mutmaßlichen Gewalttäter festzuhalten und seine Identität festzustellen, erklärten drei beteiligte Polizisten, die das Gericht als Zeugen geladen hatte. Plötzlich sei eine Person angelaufen gekommen und mit gestrecktem Bein in die Polizeireihe hineingesprungen. Der getroffene Beamte war durch den Tritt ins Straucheln gekommen. Er habe sich dann weiter an dem Einsatz beteiligt, berichtete er. Aufgrund der erlittenen Prellung sei er danach eine Woche lang dienstunfähig gewesen.

Keine Angaben

Der Angeklagte machte selbst keine Angaben zu dem Vorfall. Es tue ihm leid, wenn während des Einsatzes ein Polizist verletzt worden sei, sagte er. Er habe zu keiner Zeit die Absicht gehabt, jemanden zu verletzen.

Richter Julian Oelschlägel hatte nach der Beweisaufnahme keinen Zweifel, dass der 24-Jährige den Polizisten getreten hatte, glaubte diesem aber auch, dass er die Tat bereue. Da man ihm nicht die Zukunft verbauen wolle, werde das Verfahren vorläufig eingestellt. Gleichwohl müsse der Angeklagte einen spürbaren Denkzettel erhalten und eine Geldauflage zahlen. „Politische Wut an Polizeibeamten auszulassen, ist definitiv der falsche Weg“, sagte der Richter.

Der Leiter der Polizeiinspektion Göttingen, Thomas Rath, hatte sich damals schockiert über die Gewaltattacken gegen Polizisten gezeigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.