Landgericht Göttingen

Betrug und Verrat? Ehepaar soll sich als „Firmensanierer“ tausende Euro erschlichen haben

Gerichtsgebäude am Maschmühlenweg
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Gerichtsgebäude am Maschmühlenweg, hier hat das Landgericht Göttingen seinen Sitz. (Symbolbild)

Wegen zahlreicher Betrugs- und Wirtschaftsdelikte muss sich ab sofort ein Ehepaar aus dem Landkreis Göttingen vor dem Göttinger Landgericht verantworten.

Göttingen –Die Staatsanwaltschaft wirft dem 59-jährigen Hauptangeklagten und seiner 53-jähriger Ehefrau unter anderem Untreue, gemeinschaftliche gewerbsmäßige Untreue, gemeinschaftlichen Kreditbetrug, gemeinschaftliches Vorenthalten von Arbeitsentgelt sowie Beihilfe zum Parteiverrat vor.

Der 53-Jährige ist zudem wegen Urkundenfälschung in 17 Fällen und gewerbsmäßigen Betruges in 20 Fällen angeklagt. Mitangeklagt sind außerdem eine 50-jährige Mitarbeiterin ihres Firmenkonglomerats sowie ein 50-jähriger Rechtsanwalt aus dem Landkreis Göttingen.

Die meisten de angeklagten Taten stammen aus den Jahren 2011 und 2012. Das damals noch nicht verheiratete Paar hatte sich laut Anklage unter verschiedenen Firmenbezeichnungen im Bereich Unternehmensberatung und Firmensanierung betätigt. Die 53-Jährige trat formal als Geschäftsführerin auf. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft habe allerdings ihr mit einer Generalvollmacht ausgestatteter Partner die Fäden in der Hand gehabt. Beim ersten Prozess, der im Mai corona-bedingt abgesagt werden musste, hatte sie auf eine entsprechende Frage des Vorsitzenden Richters erklärt, dass sie „nicht den Hauch einer Ahnung“ von Unternehmensberatung habe. Auf die Frage, ob sie nur ihren Namen hergegeben habe, sagte sie: „Im Groben schon.“

Die beiden Angeklagten sollen falsche Angaben bei der Beantragung zweier Kredite in einer Gesamthöhe von 25 000 Euro gemacht haben. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft war die Firma, für die sie den Unternehmenskredit beantragten, nur eine Briefkastenfirma, die keinerlei Geschäftstätigkeit nachgegangen sei. Außerdem soll das Ehepaar als Arbeitgeber in 37 Fällen unvollständige Angaben gemacht und so Beiträge zur Sozialversicherung vorenthalten haben.

Außerdem sollen die Angeklagten einen ihrer Beratungsgesellschaft überlassenen Betrag in Höhe von 14 000 Euro zweckwidrig verwendet haben. In diesem Fall soll auch eine mitangeklagte 50-jährige Mitarbeiterin involviert gewesen sein. Der 59-Jährige soll auf verschiedenen Schreiben der so genannten Sanierungsgesellschaft die Unterschrift einer Rechtsanwältin gefälscht haben.

Dem 50-jährigen Rechtsanwalt aus dem Landkreis Göttingen wirft die Staatsanwaltschaft Parteiverrat in zwei Fällen vor. Er soll zwei seiner Mandanten an die Sanierungsgesellschaft des Paares vermittelt haben. Diese soll dann den Anwalt damit beauftragt haben, ihre eigenen Interessen gegenüber jenen Mandanten zu vertreten, obwohl das anwaltliche Mandat fortbestanden habe. (Heidi Niemann)

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