Prozessauftakt

Angeblicher Diplomat steht in Göttingen vor Gericht: Verfahren gegen mutmaßlichen Serienbetrüger

Das Gebäude des Landgerichts in Göttingen. Zu sehen ist der Haupteingang.
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Ein mutmaßlicher Serienbetrüger muss sich vor dem Landgericht Göttingen verantworten.

Ein 50-jähriger Mann muss sich wegen mehr als 160 Straftaten vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Er soll sich unter anderem als Diplomat ausgegeben haben.

Göttingen – Mehrere Zimmerschlüssel, diverse Hotel-Handtücher, drei 500-Euro-Scheine, ein luxemburgischer Führerschein, ein angeblicher Ausweis eines israelischen Secret Service, auf unterschiedliche Namen ausgestellte ec-Karten, ein Scanner, eine Laptoptasche, ein Kuhfuß und ein Teppich – all das fanden Polizisten Ende August 2020 in einem BMW mit luxemburgischen Kennzeichen, den sie auf der Hannoverschen Straße in Göttingen gestoppt hatten.

Prozess gegen angeblichen Diplomaten: Mehr als 160 Straftaten

Zuvor hatte die Zivilstreife einen Hinweis bekommen, dass das Auto in eine Verfolgungsfahrt in Hessen verwickelt gewesen war. Diesmal hatte der Fahrer auf das Blaulicht und das Stopp-Signal der Polizei reagiert und seinen Wagen angehalten.

Er teilte den Beamten mit, dass er die Krätze habe, außerdem sei er ein Diplomat. Diese ließen sich davon allerdings nicht beeindrucken, sondern nahmen ihn fest.

So schilderte es jetzt einer der Polizisten, die den BMW-Fahrer damals festgenommen hatten, in seiner Zeugenvernehmung vor dem Landgericht Göttingen. Seit Anfang April muss sich der vermeintliche Diplomat – ein 50-jähriger Deutscher, der zuletzt in Göttingen wohnhaft war und jetzt in Untersuchungshaft sitzt – wegen mehr als 160 Straftaten vor Gericht verantworten.

Prozess gegen angeblichen Diplomaten: Angeklagte Fälle zumeist Betrugsdelikte

Die meisten angeklagten Fälle sind Betrugsdelikte, unter anderem Betrügereien mit Bahnfahrkarten, Urkundenfälschungen, Einmietebetrügereien und Heiratsschwindeleien. Hinzu kommen Fahren ohne Führerschein, Verstoß gegen das Waffengesetz sowie grob verkehrswidriges und rücksichtsloses Verhalten.

Nach seiner Festnahme hatte die Polizei in einer von ihm genutzten Wohnung in Göttingen diverse Fernsehgeräte nebst Wandhalterung und Fernbedienung, mehrere Handys, Laptops und SIM-Karten sowie CD-Kennzeichen für diplomatische Fahrzeuge gefunden.

Im Zuge der Ermittlungen stellte sich dann heraus, dass der Angeklagte diverse Fernsehgeräte, die aus Hotelzimmern gestohlen worden waren, über ein An- und Verkaufsgeschäft in Kassel zum Verkauf angeboten hatte.

Prozess gegen angeblichen Diplomaten: Prozess wird im Juni fortgesetzt

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 50-Jährigen vor, sich unter anderem in verschiedenen Hotels in Göttingen und Ebergötzen eingemietet zu haben, ohne den Mietpreis zu zahlen. Außerdem habe er aus den jeweiligen Hotelzimmern den Flachbildfernseher und diverse andere Gegenstände mitgehen lassen.

Ferner soll er in Gieboldehausen in ein Hotel eingebrochen sein und dort zwei Fernseher nebst Fernbedienung sowie ein Badehandtuch entwendet haben. In einigen Fällen soll er auch Frauen um teilweise erhebliche Geldsummen erleichtert haben. Der Prozess wird im Juni fortgesetzt. (Heidi Niemann)

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