Angebot: Fahrtipps statt Prüfung

Göttinger Senioren werden mobil gemacht

Freiwillig zum Training: Otto Schwarzer (rechts) mit Fahrlehrer Tobias Hillmann. Hinten die Projektunterstützer (von links) Peter Hüttenmeister von der Verkehrswacht und Jörg Arnecke, Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Göttingen. Foto: Dittrich 

Göttingen. Otto Schwarzer ist der erste Senior, der alle Module in dem Projekt „Göttinger Senioren machen mobil“ absolviert hat. Am Montag saß der 78-Jährige in Begleitung eines Fahrlehrers am Steuer.

Tobias Hillmann, der sonst Fahranfänger betreut, hat nach 60 Minuten nicht viel zu meckern. Nur beim Spurwechsel ist Schwarzer zu zögerlich, wartet lange, bis er den Blinker betätigt. „Ich lasse oft erst alle vorbei, bevor ich blinke“, sagt der Senior. Für Schwarzer war die Testfahrt mit Hillmann ein Erfolg: „Für mich war das definitiv ein Gewinn.“

Schwarzer ist sich jetzt sicher, dass er weiterhin sicher Auto fahren kann. Hillmann hat ihm sein sicheres Verhalten im Straßenverkehr bestätigt: „Einparken mussten wir überhaupt nicht üben“, sagt der Fahrlehrer und Fahrsicherheitstrainer über seinen Schüler. „Wir haben uns eigentlich immer auf Augenhöhe unterhalten.“ Er habe Schwarzer Tipps gegeben, der Senior hätte ihm seine Unsicherheiten geschildert. Unsicherheiten, die eigentlich keine waren, ist Hillmann überzeugt: „Das hat er nur befürchtet. Er hatte den Wagen schnell im Griff, die Sicherheit war da.“

Eine Aussage, die den 78-Jährigen beruhigt: „Es war für mich eine gute Bestätigung.“ Er fährt noch regelmäßig mit seinem VW Golf. Im Urlaub sitzt er auch bei längeren Strecken hinterm Steuer - selbst Linksverkehr in Großbritannien macht ihm nach eigenen Angaben keine Probleme.

Trotzdem plädiert der Senior im Gespräch mit Landrat Bernhard Reuter für regelmäßige Testfahrten. Außerdem sollten Ärzte ihre älteren Patienten auf Probleme beim Autofahren hinweisen - und bei akuten Gefahren dazu raten, auf den Führerschein zu verzichten: „Damit den Senioren die Gefahr bewusst wird.“ Verminderte Reaktionsfähigkeit oder Sehfähigkeit und auch die Nebenwirkungen von Medikamenten auf die Konzentration - das alles sind aus Sicht des Seniors Gefahren, die vielen älteren Fahrern nicht bewusst sind. Oder die einfach ignoriert werden.

Doch Reuter ist anderer Meinung. Der Landrat setzt auf freiwillige Informationsveranstaltungen und Fahrtrainings, wie sie Schwarzer absolviert hat: „Letztlich muss es jeder selbst verantworten und für sich beurteilen, ob er sich hinters Steuer setzt. Verpflichtende Fahrtests wären diskriminierend.“ Zumal Senioren laut Polizeistatistik nicht übermäßig in Unfälle verstrickt sind. Allerdings müsste auch stärker differenziert werden, erklärt Polizeidirektor Gerd Hujahn: In der Statistik werden ältere Menschen ab 65 Jahren erfasst, danach gibt es keine Unterscheidung. Ob Senioren mit 70 oder 80 Jahren mehr Unfälle haben, sei nicht erkennbar.

Hintergrund

Projekt "Senioren machen mobil"

Verkehrswacht und Polizeiinspektion Göttingen haben mit Unterstützung des Landkreises das Projekt „Senioren machen mobil - sicher ans Ziel“ gestartet.

Das Projekt setzt sich aus zwei theoretischen und einem praktischen Modul zusammen: Probleme im Straßenverkehr, neue Fahrzeugtechnik und eine Trainingsfahrt mit einem Fahrlehrer.

Ziel ist es, Senioren und Angehörigen Tipps rund um das Thema „Mobilität im Alter“ zu geben. Senioren sollen frühzeitig merken, wenn ihre Hör-, Seh und Konzentrationsfähigkeit im Alter abnimmt. Durch die Informationsveranstaltungen und das Fahrtraining sollen Senioren ihre Probleme im Straßenverkehr erkennen, bevor es zu Unfällen kommt.

Kontakt und Informationen bei der Verkehrswacht Göttingen:  http://zu.hna.de/Seniorenmobil0405

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