Kinder erwerben Mini-Sportabzeichen

Angebote für Mädchen und Jungen aus Quarantäne-Hochhaus in Göttingen

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Die Animateure vom Stadtsportbund trugen Schutzkleidung: Die Mädchen und Jungen waren beim Mini-Sportabzeichen unter anderem zum Zielwerfen auf dem Spielplatz am Hasengraben eingeladen.

Das Mini-Sportabzeichen haben 40 Kinder des Wohnkomplexes Groner Landstraße 9 erworben. Ein paar Stunden lang haben vier Aktive der Göttinger Freiwilligen-Agentur und des Stadtsportbunds mit den Kindern, die unter Corona-Quarantäne standen, trainiert.

Balancieren und hüpfen mussten die Vier- bis Zehnjährigen auf dem Parcour, den die Sportler auf dem Spielplatz Am Hasengraben gegenüber des Hochhauses aufgebaut hatten. Die Mädchen und Jungen liefen und krochen, schlugen Purzelbäume oder rollten ein Stück seitwärts. Sie zogen sich mit den Armen über eine Bank und warfen Kugeln. Eltern und ältere Geschwister feuerten die jungen Sportler an.

Wer alle Stationen geschafft hatte, erhielt eine Urkunde und eine Medaille. Außerdem gab es einen Sportbeutel mit Kreide zum Malen und ein Seifenblasen-Set. „Total überwältigt“ von der Resonanz zeigte sich Organisator Timo Holloway von der Servicestelle Bewegung, Spiel und Sport des Stadtsportbundes. Er staunte über die „positive Enerige“ der Kinder, die derzeit eine „schwierige Zeit“ durchmachen. Die Kleinen, die oft nur wenig Deutsch sprechen, blühten auf.

Um sich gegen eine Ansteckung zu schützen, hatten die vier Animateure Overall-Schutzanzüge anziehen müssen. Dazu gab es vom Deutschen Roten Kreuz eine Schutzbrille, eine Atemschutzmaske und Gummihandschuhe. Sie mussten sich vor Betreten des mit hohen Gitterzäunen abgesperrten Geländes in eine Namensliste eintragen. Erst dann durften sie vorbei an Mitarbeitern eines Sicherheitsdienstes, des Ordnungsamts und der Polizei den Spielplatz betreten.

Der Schweiß lief den Trainern in der prallen Sonne deshalb nur so am Körper herunter. „Zum Glück müssen wir die Übungen nur einmal vormachen“, meinte Holloway. Die Aktion zum Erwerb des Mini-Sportabzeichens ist vom Landessprotbund ausgearbeitet worden. Der Stadtsportbund ist mit dem Angebot regelmäßig in Kindertagesstätten und Schulen präsent. Mit Erlaubnis der Stadt durften sie nun auch auf dem Spielplatz Am Hasengraben umsetzen. Unterstüzung erhielten sie dabei vom Kids Club, der im Wohnkomplex ansässig ist.

Sozialdezernentin über Bildungs- und Freizeitangebote für „Groner 9-Kinder“

Die Bekanntgabe, dass die vollständige Quarantäne für alle Bewohnerinnen und Bewohner der „Groner Landstraße 9“ seit Freitag nicht fortbesteht, nutzte Göttingens Sozialdezernentin Petra Broistedt auch, um auf die Situation der Kinder und Jugendlichen aufmerksam zu machen. Sie betonte, wie wichtig eine Untertützung – auch seitens der Stadt und anderer Unterstützer sei. „Gerade Kinder und Jugendliche hatten unter der Quarantäne große Einschränkungen hinzunehmen“, unsagt Broistedt. „Das Toben und Spielen war kaum möglich, schon allein aufgrund der äußerst beengten und prekären Wohnverhältnisse.“ Hinzu komme, dass über mehrere Wochen Schulen und Kindertagesstäten nicht besucht werden durften. „Mir ist deshalb besonders wichtig, die Kinder und Jugendlichen im Gebäudekomplex zu unterstützen, auch um den verpassten Unterrichtsstoff zu vermitteln.“ Mit Unterstützung örtlicher Bildungs- und Jugendhilfeträger sollen nun bis zum Ende der Sommerferien entsprechende Aktivtäten angeboten werden. Dazu zählen auch Bildungs- und Freizeitangebote. Den Auftakt habe am Donnerstag bereits die Freiwilligenagentur Göttingen mit dem Stadtsportbund am Donnerstag, 25. Juni, gemacht: „Kinder von fünf bis neun Jahren konnten das Mini-Sport-Abzeichen erwerben.“

VON MICHAEL CASPAR UND THOMAS KOPIETZ

Nach der Randale im Göttinger Corona-Hochhaus „Groner Landstraße 9“ im Juni, zieht eine Sonderkommission der Polizei eine erste Bilanz. Im Visier der Fahnder sind 36 Tatverdächtige.

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