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Angehender Mediziner absolviert Praktisches Jahr im Gesundheitsamt

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Von: Heidi Niemann

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Als erster Medizinstudent in Niedersachsen absolviert Mirco Schilff einen Teil seiner praktischen Ausbildung in einem Gesundheitsamt. Mit im Bild (von links) die Göttinger Sozialdezernentin Anja Krause, die Leiterin des Göttinger Gesundheitsamtes, Angelika Puls, und die Oberärztin und zuständige Koordinatorin der Universitätsmedizin Göttingen, Iris Demmer.
Als erster Medizinstudent in Niedersachsen absolviert Mirco Schilff einen Teil seiner praktischen Ausbildung in einem Gesundheitsamt. Mit im Bild (von links) die Göttinger Sozialdezernentin Anja Krause, die Leiterin des Göttinger Gesundheitsamtes, Angelika Puls, und die Oberärztin und zuständige Koordinatorin der Universitätsmedizin Göttingen, Iris Demmer. © Heidi Niemann

Medizinstudierende können einen Teil ihres Praktischen Jahres beim Gesundheitsamt absolvieren. Von dieser Möglichkeit wird jetzt erstmals in Göttingen Gebrauch gemacht.

Göttingen – Seit kurzem können Medizinstudierende ein Drittel ihres Praktischen Jahres (PJ) im öffentlichen Gesundheitsdienst ableisten. In Frankfurt/Main ist dies schon länger möglich, in Niedersachsen hat jetzt Göttingen die Vorreiterrolle inne. Dort hat im September ein Medizinstudent begonnen.

Medizinstudierende lernen viel über den menschlichen Körper, die Diagnose von Krankheiten und die Behandlung von Patienten. Bislang ist die Ausbildung vor allem auf eine spätere Tätigkeit in Arztpraxen oder Kliniken ausgerichtet. Dass zum Gesundheitswesen jedoch auch noch eine dritte Säule gehört, findet dagegen kaum Beachtung.

Seit Anfang September erhält der Medizinstudent Mirco Schilff diese Einblicke ganz intensiv, er absolviert sein PJ-Wahlfach im Gesundheitsamt für die Stadt und den Landkreis Göttingen.

„Wir sind damit das zweite Gesundheitsamt in Deutschland, an dem Medizinstudierende einen Teil ihrer praktischen Ausbildung absolvieren können“, sagt Sozialdezernentin Anja Krause.

Möglich wurde dies durch eine Änderung der bundeseinheitlichen Approbationsordnung für Ärzte. Diese sieht vor, dass zur medizinischen Ausbildung künftig auch Kenntnisse zum öffentlichen Gesundheitswesen und zur Bevölkerungsmedizin gehören, die dann auch in den Prüfungen abgefragt werden.

„Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig der öffentliche Gesundheitsdienst ist“, sagt Krause. Vielen Studierenden und jungen Ärztinnen und Ärzten sei dieses Tätigkeitsfeld jedoch gänzlich unbekannt. Umso erfreulicher sei es, dass dieser Bereich nun auch zum Ausbildungskanon gehöre.

Um die Neuerung umsetzen zu können, haben die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und die Gesundheitsbehörde im Juni einen Kooperationsvertrag geschlossen. Dazu habe man einen Plan – das so genannte Logbuch – erstellt, in dem die Ausbildungsziele und die Arbeitsbereiche festgelegt seien, erläutert Amtsleiterin Angelika Puls.

Das neu eingeführte Wahlfach sei sofort auf reges Interesse gestoßen. Bereits ab November werde eine weitere Medizinstudentin im Rahmen ihrer praktischen Ausbildung im Gesundheitsamt tätig sein.

Vereinbart sei, dass drei Medizinstudierende pro Jahr ein „Tertial“ im Göttinger Gesundheitsamt ableisten können, sagt Iris Demmer, Oberärztin des Instituts für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

Hör- und Sehtest: Das Gesundheitsamt ist auchfür schulärztliche Untersuchungen von Grundschulkindern zuständig. Mirco Schilff macht sich für die Tests fit.
Hör- und Sehtest: Das Gesundheitsamt ist auchfür schulärztliche Untersuchungen von Grundschulkindern zuständig. Mirco Schilff macht sich für die Tests fit. © Heidi Niemann

Demmer ist zugleich eine der Leiterinnen des von der UMG und der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) betriebenen Projekts „UNITE“. Ziel ist es, schon im Studium auf die Aufgabenbereiche im öffentlichen Gesundheitsdienst aufmerksam zu machen und Studierenden die Möglichkeit zu geben, diese Tätigkeitsfelder kennenzulernen.

Mirco Schilff ist von der neuen Wahlmöglichkeit für das Praktische Jahr vor allem deshalb sehr angetan, weil im öffentlichen Gesundheitsdienst die Prävention im Vordergrund steht.

„Im Studium hat man damit wenig zu tun, ich finde diesen Ansatz aber sehr wichtig“, sagt der 25-Jährige. In den ersten zwei Wochen im Göttinger Gesundheitsamt habe er bereits viel gelernt. So hat er an den schulärztlichen Untersuchungen für Kinder der 4. Klassen teilgenommen, zu denen auch Hör- und Sehtests gehören. „So etwas hatte ich vorher noch nie gemacht“, erzählt der Medizinstudent. (Heidi Niemann)

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