Drogen für den inhaftierten Partner

Angeklagte soll Cannabinoide an Ehefrauen von Häftlingen verkauft haben

Vor dem Landgericht Göttingen wird gegen eine 37-Jährige verhandeln. 
Symbolbild: Bernd Schlegel
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Vor dem Landgericht Göttingen wird gegen eine 37-Jährige verhandeln.

In einem Prozess um eingeschmuggelte Drogen in mehreren Justizvollzugsanstalten hat der Hauptermittler der Polizei vor dem Landgericht Göttingen ausgesagt.

Göttingen – Dort muss sich seit Ende September eine 37 Jahre alte Frau aus Göttingen wegen gewerbsmäßigen Handeltreibens mit neuen psychoaktiven Stoffen verantworten. Mitangeklagt ist ihr damaliger 32-jähriger Lebensgefährte, der zeitweilig in der JVA Hannover inhaftiert gewesen war. Dieser soll sich nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis an dem illegalen Handel mit synthetischen Cannabinoiden beteiligt haben.

Nach Angaben des Zeugen war die Angeklagte im Rahmen eines anderen Ermittlungsverfahrens, bei dem es um Drogenschmuggel in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rosdorf ging, ins Visier der Ermittler geraten. Mehrere befragte Personen hätten ausgesagt, dass sie die neuen psychoaktiven Stoffe von einer Frau aus Göttingen bezogen hätten und ihr in Hannover einsitzender Lebensgefährte diese Geschäfte leite.

Die Ermittler hätten dann im Zuge von Telefonüberwachungsmaßnahmen mitbekommen, dass die 37-Jährige auf einer Internetplattform eines Anbieters in Polen 120 Gramm solcher synthetischen Drogen bestellt habe.

Nach Angaben des Ermittlers ergab sich aus abgehörten Telefonaten sowie ausgewerteten Handydaten und Chatverläufen, dass die Angeklagte die aus Polen bezogenen neuen psychoaktiven Stoffe an Frauen verkaufte, deren Partner inhaftiert waren.

Die Abnehmerinnen hätten dann, wenn sie ihre Ehemänner und Lebensgefährten im Gefängnis besuchten, die synthetischen Drogen hineingeschmuggelt. Offenbar war die 37-Jährige als Bezugsquelle weithin bekannt: Nach Erkenntnissen der Ermittler wurden die Drogen nicht nur in die JVA Rosdorf geschmuggelt, sondern auch in die Haftanstalten Sehnde, Hannover, Vechta, Wolfenbüttel und Celle. Die Angeklagte habe die synthetischen Drogen, die sie jeweils im Internet bei Anbietern in Polen bestellte, mit Bitcoins bezahlt.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten vor, zwischen Januar 2019 und April 2020 in neun Fällen über das Internet so genannte neue psychoaktive Stoffe erworben und anschließend damit Handel getrieben zu haben. Außerdem habe sie in drei weiteren Fällen mit dem 32-jährigen Mitangeklagten weitere Mengen dieser psychoaktiven Stoffe bestellt, die allerdings nicht mehr in den Weiterverkauf gelangten, da sie vorher von der Polizei beschlagnahmt wurden. Beide Angeklagte hätten sich dadurch eine Einnahmequelle verschaffen wollen. Die Strafverfolgungsbehörde geht davon aus, dass die 37-Jährige mehr als 68 000 Euro erlangt hat, der 32-Jährige rund 5000 Euro. Der Prozess wird fortgesetzt.  (pid)

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