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Totschlagsprozess vor dem Landgericht Göttingen: Angeklagter legte sich in Reinigungswagen

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Von: Heidi Niemann

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Jurist und Angeklagter sitzen im Gerichtssaal und stecken die Köpfe zur Besprechung zusammen.
Beim Prozessauftakt: Dem 28-jährigen Angeklagten, hier im Gespräch mit seinem Verteidiger Björn Nordmann, wird vorgeworfen, am 12. Mai 2021 seinen Vater in dessen Haus auf dem Hagenberg getötet zu haben. (Archivbild) © Stefan Rampfel

Im Totschlagsprozess gegen einen 28-jährigen Mann aus Göttingen hat die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Göttingen mehrere Zeugen vernommen.

Göttingen – Einer der Zeugen war ein 53-jähriger Mann, bei dem der Angeklagte nach der Tat übernachtet hatte.

Der 53-Jährige hatte im vergangenen Jahr im Göttinger Stadtteil Holtenser Berg in einem Wohnhaus gelebt, in dem Obdachlose unterkommen können. Der Angeklagte sei am späten Nachmittag bei ihm aufgetaucht, sagte der Zeuge. „Der wollte Klamotten von mir haben, die habe ich ihm aber nicht gegeben.“

Er habe den Angeklagten dann auf der Couch übernachten lassen. Am nächsten Morgen habe ihm dieser berichtet, dass er jemanden umgebracht habe.

Nach Angaben eines Nachbarn hatte es zuvor schon öfter Streit in der Familie gegeben. Sein Zimmer grenze direkt an das Wohnhaus, in dem der Angeklagte und dessen Vater lebten, berichtete der Student.

Am Tattag habe er dort Streitereien gehört, später auch Getrampel. Nach einiger Zeit sei schließlich Stille eingekehrt. Er habe dann noch ein Piepen gehört. Rund eine halbe Stunde später sei dann die Feuerwehr gekommen.

Etwa zu der Zeit hatten zwei städtische Mitarbeiter der Straßenreinigung auf einem nahegelegenen Parkplatz eine Kaffeepause eingelegt. Plötzlich sei jemand in das Fahrzeug seines Kollegen eingestiegen und habe sich auf den Beifahrersitz gesetzt, berichtete einer der beiden Mitarbeiter.

Der Mann sei völlig außer Atem und verschwitzt gewesen. „Er war kaum ansprechbar.“ Der Mann habe sich dann nach hinten begeben, wo der Müll aus den entleerten Mülleimern lag, habe sich dort hingelegt und mit dem Müll zugedeckt.

Dies habe sie sehr verblüfft, berichtete der Zeuge. Es komme zwar immer mal wieder vor, dass Betrunkene einstiegen, weil sie ein Straßenreinigungsfahrzeug für ein Taxi hielten. So etwas hätten sie aber noch nie erlebt.

Um den ungewöhnlichen Vorfall zu dokumentieren, hatte er damals mit seinem Handy ein kurzes Video von der Szene aufgenommen und später dem Gericht als Beweismittel zur Verfügung gestellt. Sie hätten den Mann dann ein Stück weiter an einer Göttinger Ladenpassage abgesetzt. (Heidi Niemann)

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