Vereinsschädigendes Verhalten?

Verbot der Hells Angels: Boss soll Schadenersatz für Verein gefordert haben

Großaktion: Der Hells-Angels-Treffpunkt im Zentrum von Adelebsen wurde am Freitag von der Polizei durchsucht. Foto: dpa

Göttingen. Das Verbot des südniedersächsischen Rockerclubs „Hells Angels MC Charter Göttingen“ stützt sich hauptsächlich auf eine versuchte räuberische Erpressung, die Vereinsmitglieder unter der Federführung des Präsidenten begangen haben sollen.

Dies ergibt sich aus den Beschlüssen des Verwaltungsgerichts Göttingen, das auf Antrag der Polizeidirektion Göttingen die Durchsuchungen des Clubdomizils in Adelebsen sowie Wohnungen von Vereinsmitgliedern in Südniedersachsen angeordnet hatte.

Etwa 330 Beamte hatten am Freitag 16 Objekte in Niedersachsen durchsucht. Zuvor hatten sie den 14 Vereinsmitgliedern, die überwiegend im Raum Adelebsen wohnen, die Verbotsverfügung zugestellt.

Das Gericht weist in seinen Beschlüssen darauf hin, dass zwar kein geschlossenes Auftreten des Vereins im Zusammenhang mit begangenen Straftaten belegt sei. Es seien auch keine Taten belegt, die in Vereinskluft begangen wurden und dadurch den Ruf des Vereins als besonders gewalttätige und brutale Rockergruppe begründet hätten.

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Den strafrechtlichen Ermittlungsakten sei aber zu entnehmen, dass der Präsident im Verdacht stehe, einen Mann angerufen und von diesem „Schadensersatz“ für vereinsschädigendes Verhalten gefordert zu haben. Der 48-jährige Präsident war Ende September bei einer fingierten Geldübergabe in Lippoldsberg verhaftet worden, er sitzt in Untersuchungshaft.

Der Kampfsportler soll mit einem 51-Jährigen versucht haben, einen 60-jährigen Mann aus dem Raum Hofgeismar um 100 000 Euro zu erpressen. Laut Gerichtsbeschluss soll er dem 60-Jährigen vorgeworfen haben, den Verein in Misskredit gebracht zu haben. Wegen des angeblich schädigenden Verhaltens habe der 60-Jährige hohe Geldbeträge an den Verein zahlen sollen. Nach Ansicht des Gerichts erscheint das Vereinsverbot gerechtfertigt, weil die betreffenden Taten offenbar im Interesse des Vereins begangen worden seien.

Neben dem Präsidenten sollen weitere Mitglieder und Unterstützer des Göttinger Rockerclubs an der versuchten Erpressung beteiligt gewesen sein und den 60-Jährigen bestohlen haben. Einer der Hauptverdächtigen soll der 51-jährige Bruder des Rocker-Chefs sein, der ebenfalls in Untersuchungshaft sitzt. Nach den Erkenntnissen der Ermittler soll der 51-Jährige aber kein Vollmitglied der Hells Angels, sondern ein „Hang around“ sein, ein Anwärter, der auf der untersten Hierarchiestufe der Rockerorganisation steht und sich erst bewähren muss, ehe eine Vollmitgliedschaft bei den Hells Angels möglich ist.

Weil der 51-Jährige kein „Full Member“ ist, lehnte das Gericht es in seinem Fall ab, Vermögen beschlagnahmen zu lassen. Zur Sicherstellung von Beweismitteln sei die Durchsuchung aber gerechtfertigt. (pid)

Archiv-Fotos: Razzia bei den Hells Angels

Razzia bei den Hells Angels

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