1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

Nach Angriff auf Göttinger Journalisten: Milde Strafen für Angeklagte

Erstellt:

Von: Raphael Digiacomo

Kommentare

Zwei rechtsradikale Männer attackieren 2018 zwei Journalisten aus Göttingen und verletzten diese schwer. Die Strafen der Angeklagten fallen deutlich milder aus, als von der Staatsanwaltschaft gefordert.

Mühlhausen – Umstrittene Urteile: Im Prozess um einen Angriff auf Journalisten sind zwei Männer nun vom Landgericht Mühlhausen zu Strafen verurteilt worden. Diese fallen deutlich niedriger aus, als von der Anklage gefordert. Bei der Attacke in der Region Fretterode in Nordthüringen waren 2018 zwei Journalisten aus Göttingen schwer verletzt worden.

Bei der Urteilsbegründung am Donnerstag (15.09.2022) sagte die Vorsitzende Richterin, die Kammer habe nicht feststellen können, dass es sich bei der Tat um einen gezielten Angriff auf Journalisten gehandelt habe. Der jüngere der beiden Männer wurde zum Ableisten von 200 Arbeitsstunden verurteilt, der ältere Angeklagte zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr – auf Bewährung.

Angriff auf Göttinger Journalisten: Strafe bleibt weit unter Forderung der Anklage

Die Staatsanwaltschaft wirft zwei Männern aus der rechtsextremen Szene schweren Raub und gefährliche Körperverletzung vor, nachdem sie im April 2018 zwei Fotografen im Landkreis Eichsfeld verfolgt und mit Gegenständen verletzt haben sollen.
Zwei Männern aus der rechtsextremen Szene sind nun wegen dem Angriff auf zwei Journalisten aus Göttingen 2018 verurteilt worden. © Sven Pförtner/dpa

Im Verlauf der Hauptverhandlung habe nicht klar belegt werden können, dass die Angeklagten die beiden Angegriffenen als Pressevertreter erkannt hätten. Vielmehr gehe das Gericht davon aus, dass sie diese beide für Angehörige der linken Szene gehalten hätten – weshalb also eher ein politisches Motiv vorliege.

Dafür spreche auch, dass die zwei Angeklagten die Angegriffenen während des Übergriffs als „Zecken“ bezeichnet hätten, erklärte die Vorsitzende Richterin. Daraufhin verließ einer der Journalisten aus Protest gegen das Urteil und dessen Begründung noch während der Ausführungen der Vorsitzenden Richterin den Saal.

Mildes Urteil nach Angriff auf Göttinger Reporter: Journalist verlässt aus Protest den Gerichtssaal

Fretterode
Schauplatz der Attacke auf die zwei Göttinger Journalisten: Fretterode liegt unweit von der Burg Hanstein in Thüringen und nahe Bad Sooden-Allendorf in Nordhessen.  © Ralf Hirschberger/dpa

Mit dem milden Urteil blieb das Gericht deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft: Diese hatte für den jüngeren der beiden Angeklagten eine Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung gefordert. Für den älteren der beiden Angeklagten plädierte der zuständige Staatsanwalt auf eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten. (rdg/dpa)

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion