Verhandlung nach Gewaltattacke

Angriff auf Journalisten bald vor Gericht

Der Eingang zum Landgericht Mühlhausen: Hier wird ab Ende Januar gegen zwei Angeklagte aus dem Umfeld des stellvertretenden NPD-Bundesvorsitzenden Thorsten Heise verhandelt. 
Archivfoto: Jörg Carstensen/dpa
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Der Eingang zum Landgericht Mühlhausen: Hier wird ab Ende Januar gegen zwei Angeklagte aus dem Umfeld des stellvertretenden NPD-Bundesvorsitzenden Thorsten Heise verhandelt.

Mehr als zweieinhalb Jahre nach einer Gewaltattacke von zwei Neonazis auf zwei Göttinger Journalisten hat das Landgericht Mühlhausen nun den Strafprozess terminiert.

Göttingen/Mühlhausen – Die beiden 26 und 21 Jahre alten Angeklagten sollen sich dort ab dem 26. Januar 2021 wegen schweren gemeinschaftlichen Raubes, gefährlicher Sachbeschädigung und Körperverletzung verantworten. Bei ihnen soll es sich um zwei Personen aus dem Umfeld des stellvertretenden NPD-Bundesvorsitzenden und einstigen Anführers der „Kameradschaft Northeim“ Thorsten Heise handeln.

Laut Anklage sollen die beiden jungen Männer im April 2018 zwei Journalisten verfolgt haben, die in der Nähe von Heises Anwesen in Fretterode im thüringischen Eichsfeld fotografiert und gefilmt hatten. Als das Fahrzeug der flüchtenden Journalisten bei Hohengandern an der Landesgrenze zu Niedersachsen im Graben landete, sollen die beiden Verfolger aus ihrem Auto herausgesprungen sein und mit Reizgas, einem Baseballschläger, einem Schraubenschlüssel und einem Messer auf die Journalisten losgegangen sein. Einer der Journalisten habe eine Stichverletzung am Oberschenkel erlitten, der zweite eine Kopfverletzung durch einen Schlag mit dem Schraubenschlüssel. Die Angreifer sollen ferner an dem Auto die Scheiben zerschlagen, die Reifen zerstochen und die Kameratasche des Fotografen geraubt haben. Anschließend flüchteten sie.

Angeklagte seien in der Neonazi-Szene aktiv

Einer der Angeklagten soll ein Sohn von Thorsten Heise sein. Der zweite Angeklagte ist seit langem in der Neonazi-Szene aktiv und war auch 2016 als NPD-Kandidat für den Northeimer Kreistag in Erscheinung getreten.

Der Göttinger Anwalt Sven Adam, der eines der beiden Opfer vertritt, moniert eine „bemerkenswert zögerliche Bearbeitung“ des Falls durch die Thüringer Strafjustiz. Die Staatsanwaltschaft hatte ihre Anklage rund neun Monate nach dem Vorfall erhoben, erst nach weiteren zwei Jahren beginnt der Prozess. Der sollte auch wegen seiner Bedeutung für die Pressefreiheit „entsprechend konsequent geführt“ werden, fordert Adam. Mit seinem Anwaltskollegen Rasmus Kahlen will darauf drängen, dass auch der Vorwurf des versuchten Totschlags in den Blick genommen wird. Bei einer Verurteilung wegen schweren Raubes stehe bereits eine Haftstrafe ohne Bewährung im Raum, so Kahlen.

Bei einer Verurteilung wegen versuchten Totschlags wäre die Straferwartung deutlich höher. Für den Prozess sind zunächst acht Verhandlungstage angesetzt. (pid)

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